Erlebtes und Fiktives
Annabel wünscht sich ein T-Shirt - Eine wahre Geschichte
Annabel wünscht sich ein T-Shirt - Eine wahre
Geschichte
Bevor ich in meinen wohlverdienten Urlaub nach Mauritius flog -zu einer Zeit - in der es in Deutschland stürmt und schneit, legte mir meine Freundin Annabel ans Herz, ihr ein besonderes T-Shirt aus meinem Ferienort in Mauritius mitzubringen. Sie wünschte sich ein schwarzes, lässig weites Stück mit langen Ärmeln, um ihre rundliche Figur ein bisschen zu kaschieren, was ihr immer wieder ein Problem machte im Gegensatz zu ihrem hübschen, sehr jung wirkenden Gesicht. Dies war weiß wie Schnee und ihre Haare waren schwarz wie Ebenholz . Sie erinnerte mich immer an „Schneewittchen“. Dazu blitzten 2 blaue Augen spitzbübisch in die Welt. Die Figur würde sich mit der Zeit vielleicht auch noch wunschgemäß an die von „Schneewittchen“ annähern. Jedenfalls war sie immer dabei, ihre Mahlzeiten zu reduzieren, kurzum Sie „arbeitete“ daran, um endlich in die Größe XL hineinzupassen anstatt immer nur in XXL. Nur stutzte ich etwas, als Annabel mir einschärfte, das T-Shirt solle unbedingt lange Ärmel haben. Ich sollte in einem tropischen Land, wo man sich mehr aus- als anzieht, ein Stück mit langen Ärmeln finden. Ich zweifelte sehr daran, wollte ihr zuliebe aber mein Bestes tun.
Kaum angekommen auf der Insel Mauritius begab ich mich auf die Suche nach einem geeigneten T-Shirt für Annabel. Es gab dort alles Mögliche; aber ich fand nirgends das gewünschte Shirt. Ich sah Ketten in allen Größen und Farben, Tücher bunt und einfarbig, Sommersachen sportlich und exquisit, aber nicht das Geeignete für meine Freundin. Die passende Kette zu finden, wäre einfacher für mich gewesen, aber es musste ja ein schwarzes, langärmeliges, weites T-Shirt in XXL sein. Ich bekam den Rat, es doch einmal in der Hauptstadt, Port Louis, zu versuchen. Diese Idee gefiel mir und ich nahm einen Express-Bus dorthin. In der Stadt gab es einen riesigen Markt mit allen möglichen Sachen, die man als Tourist brauchte oder auch nicht. Nur fand ich auch dort nicht das gewünschte Shirt. Ich wollte schon wieder heimwärts fahren, als mich ein Tropenregen daran hinderte. Bei Pizza Hut suchte ich schnell einen Unterschlupf im Restaurant, musste mich zu meinem Entsetzen aber circa 1 Stunde dort aufhalten, währenddessen es - wie die Engländer sagen ‚cats and dogs’ regnete- und nach mehreren Tassen guten mauritianischen Kaffees konnte ich endlich meinen Weg um die Pfützen herumspringend fortsetzen. Auf dem Weg zur Bushaltestelle tauchte doch tatsächlich noch ein nettes Bekleidungsgeschäft für Damen auf. Ich ging hinein, äußerte meinen Wunsch und bekam zu meiner großen Freude ein schwarzes T-Shirt. Doch es hatte nur kurze Ärmel. ‚Nun ja,’ dachte ich. Dieses wird „Schneewittchen“ sehr gut stehen. Schließlich gibt es auch warme Tage in Deutschland. Annabel wird es sicher gefallen. Voller Vorfreude schrieb ich ihr in meiner nächsten e-mail, ich hätte ein „Traum-T-Shirt“ für sie gefunden. Nur hätte es kurze Ärmel. Sie antwortete mir, das sei in Ordnung, die Hauptsache sei schließlich, dass es das Emblem MAURITIUS hätte. Ich bekam einen Schreck, denn das war nicht vorhanden. Das Shirt war anders schön. Ich warnte sie vor bei meinem nächsten Schreiben und klärte sie über den erneuten Mangel auf. „Was! ein kurzärmeliges T-Shirt und MAURITIUS steht auch nicht drauf!“ Schade…….schade…’Zum Teufel mit dem T-Shirt’, dachte ich wütend. Wenn sie wüsste, wieviel Mühe ich mir gemacht hatte! So leicht ist es nicht bei ihrer Figur. In unserer weiteren Korrespondenz vermieden wir dieses „Reiz-Thema“. Doch wie sollte ich meine Wut beherrschen ?? Ich überlegte und überlegte. ‚Ach ja,’ ich hatte doch auch Wolle und Häkelnadeln in meinen Koffer gepackt. Das tat ich immer bei meinen Urlauben - falls mich einmal die Lust, etwas zu häkeln, überkommen sollte. Mir kam eine Idee. Ich häkelte und häkelte 2 Nachmittage lang, als sich das Tropenwetter von seiner schlechten Seite zeigte und uns Touristen mit Regen „beglückte“. ‚Das wird ein ganz besonderes Geschenk für Annabel werden’ überlegte ich und war schon auf ihre Reaktion gespannt.
Ich flog wieder zurück in meine Heimat, denn einmal geht jeder Urlaub zu Ende. Annabel und ich trafen uns gut gelaunt bei mir zu Hause. „Hier ist mein Urlaubsgeschenk für Dich, meine Liebe“ ging ich auf sie zu . Mit diesen Worten überreichte ich ihr mein Päckchen. Sie packte es aus, schaute mich ungläubig an und sagte : „DAS soll für mich sein? Bist Du total verrückt geworden ,Du blödes Huhn!“ „Danke für das blöde Huhn, aber nenne mich lieber ‚verrückter Vogel’ wenn Du mich schon beleidigen willst.“ Das ‚blöde Huhn’ wollte ich nicht auf mir sitzen lassen; diese Beleidigung überstieg meine Toleranzgrenze. Worüber schimpfte meine Freundin so sehr ??? Ich hatte ihr in meinem Häkeleifer 2 Ärmel aus Blumenmotiven gehäkelt und diese an die kurzen Ärmel angeheftet - was sie nicht bemerkt hatte. Auf der Brust prangten 3 bunte Blüten. Auf das T-Shirt hatte ich ein Blatt Papier mit der Aufschrift „TRAUMINSEL Mauritius“ gesteckt und dies in großen, gelben Buchstaben geschrieben. „Ich habe vorerst einmal dieses Probemuster auf das Blatt geschrieben“, wandte ich mich verärgert an sie. „Die Farbe kannst Du ja immer noch aussuchen und das Emblem dazu drucken lassen.“ Ihr Gesicht verfinsterte sich immer weiter. „Gefällt Dir mein Werk etwa nicht?“ , fragte ich sie scheinheilig. „Es war gar nicht so einfach, dieses T-Shirt so apart für Dich zu gestalten“ . „Das Ding da, das kannst Du selbst anziehen,“ zischte sie mich an. „Ok, das mache ich auch“, versprach ich ihr. Mit diesen Worten ging ich ins Badezimmer und zog das Shirt an. Vorher hatte ich die angehefteten Ärmel, Blüten auf der Brust und das große Papier entfernt. Alles war ja nur provisorisch angebracht. Lachend stellte ich mich vor Annabel hin. „Du hinterlistiges Biest“! hörte ich sie sagen und umarmte mich. Nun freute sie sich endlich und nahm das T-Shirt entgegen - auch ohne Emblem- und mit kurzen Ärmeln. Meine Rache war mir gelungen.