Erlebtes und Fiktives

Aida Vita · Kapitel 9 von 27

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Erlebtes und Fiktives

Der Wolf besucht die sieben Geislein

 

Eines Tages sagte die Mutter der sieben Geislein, sie müsse in die Stadt fahren und einkaufen. Ihre Kinder sollten zu Hause bleiben und niemanden in die Wohnung lassen.Sie alle wohnten zusammen in einer baufälligen Hütte am Rande eines wunderschönen Waldes. Kaum war die Mutter Geis fort, als es an der Tür klingelte. Das älteste Geislein ging an die Tür, aber öffnete sie nicht. Es fragte, wer denn draussen wäre und was er wolle. Der ungebetene Gast war der böse Wolf, der Rotkäppchen und seiner Großmutter vor langer Zeit Schlimmes angetan und der seine Strafe bekommen hatte, aber davon wieder genesen war, weil sein Freund, der Bär Petz, ihn gerettet hatte. Nun hatte er Lust auf ein neues Abenteuer. Ihm war es schon lange durch den Kopf gegangen, dass in seiner Nachbarschaft eine Geismutter mit ihren sieben Geislein wohnte. Er beabsichtigte, die Kleinen einmal zu besuchen, wenn ihre Mutter nicht zu Hause ist. Bei dem Gedanken an die zarten Geislein lief ihm schon das Wasser im Mund zusammen.Wenigstens eins oder zwei von ihnen wollte er fangen und sich an ihnen laben. So erschien er nun an der Tür, vornehm mit Hut und Mantel bekleidet. Auf die Frage, wer denn an der Tür sei, antwortete er. „ Ich bin euer Onkel Franz und komme von weither. Hat eure Mutter euch nicht erzählt, dass sie eine Reihe von Verwandten hat und zu diesen zähle ich in dritter Linie? Ich habe einen langen Weg hinter mir und eine kleine Pause würde mir jetzt gut tun. Lasst mich doch bitte herein.“ Die drei ältesten Geislein tuschelten und berieten, ob sie diesen angeblichen Onkel wohl herein lassen dürften. Doch da sie noch unerfahren waren und böse Dinge im Leben noch nicht kennengelernt hatten, ließen sie den sogenannten Onkel herein. Nun trat der Wolf ein, setzte sich auf einen Hocker und nach einer Weile, nachdem er ein Glas Wasser bekommen hatte, fragte er die Geislein listig: „ Habt ihr Lust, mit mir draussen im Wald 'Fangen zu spielen'? Wir könnten uns doch die Zeit vertreiben bis eure Mutter wieder zurück ist.“ Die Geislein waren von seinem Vorschlag begeistert und rannten sogleich aus dem Haus in den Wald hinein. Dort versteckten sie sich hinter und auf den Bäumen und warteten auf den Wolf, der sie ja suchen wollte. Inzwischen hatte der Wolf Mantel und Hut abgelegt und rannte ebenfalls in den Wald auf der Suche nach den Geislein. Er wurde aber von seiner bösen Absicht, die Geislein zu fangen, plötzlich abgelenkt. Auf einmal sah er Hänsel und Gretel des Weges kommen. Der böse Wolf stutzte, denn er hatte gehört, was diesen beiden Kindern einstmals zugestossen war. Er wusste allerdings nicht, dass sie der Gefangenschaft der Hexe Alraune entkommen und nun frei waren. Die beiden Kinder waren mit einem Brief unterwegs. Sie sollten nämlich im Auftrag des Wohnungsamtes einen Beschluß der Hexe überbringen, in dem geschrieben stand, dass Alraune sofort ihr Hexenhaus, in dem sie unschuldige Wesen wie zum Beispiel die sieben Zwerge versteckt hielt, sofort verlassen sollte. Dasselbe Schicksal hatten ja schon Hänsel und Gretel zuvor erlitten, als die Hexe sie mit Zuckerstangen und Schokowürfeln verführt und böse mißhandelt hatte. Es ging bereits die Kunde, dass ihr Freund, das Rumpelstilzchen, mit dem Alraune des nachts Hexenspiele machte, dem König des Landes verraten hätte, dass sie als Nächstes plane, sieben kleine Geislein anzulocken und in ihrem baufälligen Hexenhaus zu verstecken. Sie hätte auch angedeutet, sie brauche die kleinen Tiere, um sie den sieben Zwergen als Braten vorzusetzen. Dies alles hatten auch Hänsel und Gretel erfahren und sich bereit erklärt, das Unternehmen der Hexe zu durchkreuzen. Plötzlich sahen sie auf ihrem Weg den bösen Wolf 'Verstecken' mit den Geislein spielen'. Sie konnten ihren Augen kaum trauen, denn sie wußten, dass dieser Wolf sich immer mit schlechten Absichten Menschen und Tieren näherte. Gottseidank war Hänsel mit einem Gasspray bewaffnet. Dieses zog er aus seiner Hosentasche heraus und rannte auf den Wolf zu. Davon sprühte er ihm eine große Dosis in die Augen. Der Wolf drehte sich laut wehklagend im Kreis herum und jaulte und jammerte laut. Darauf antworteten Hänsel und Gretel mit bitteren Vorwürfen und Fragen, was er denn schon wieder im Schilde führte. „Nichts, gar nichts“ klagte der Wolf in lautem Ton. „ Ich wollte doch nur mit den Geislein spielen. Ich habe keine böse Absicht.“ Das laute Wortgefecht hörte Rumpelstilzchen und kam springend aus dem Wald hervor. „Glaubt dem Wolf kein Wort“ schrie es und tanzte um die Kinder herum. „Ich kenne den Wolf sehr gut. Vor kurzem hat er sich an die sieben Zwerge herangemacht mit dem Vorwand, er sei geheilt von seinen bösen Trieben und wolle ihnen den Haushalt führen. Letzten Endes hatte er dann vier Zwerge gefressen. Auch Alraune hat einen sehr bösen Charakter und ich lasse mich nur auf ihre Hexenspiele ein, um sie von bösen Taten abzuhalten.“Währenddessen zog Hänsel einen dicken Strick aus seiner Hosentasche, den er vorsorglich mitgenommen hatte und nun banden alle gemeinsam dem Wolf alle vier Füße zusammen, sodass dieser sich nicht mehr fortbewegen konnte. Mit den Worten: „ Ich werde sogleich den Jäger des Waldes rufen und ihm sagen, er solle sofort kommen und dich, den Wolf, in Haft nehmen“ gab er Gretel ein Zeichen, nun weiter zu gehen. So hatten die beiden Kinder die sieben Geislein vor dem Verderben gerettet.