Erlebtes und Fiktives

Aida Vita · Kapitel 3 von 27

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Erlebtes und Fiktives

Der böse Wolf trifft die 7 Zwerge - Ein modernes Märchen

Der böse Wolf trifft die 7 Zwerge - Ein modernes

Märchen

 

Hoch erhobenen Hauptes schritt der Wolf durch den dichten Wald. Er hatte sein letztes Abenteuer, das ihn beinahe sein Leben gekostet hatte, glimpflich überstanden. Er dachte an die Situation, als er Rotkäppchen und ihre Großmutter verschlungen hatte. Leider kam der Jäger dazwischen und befreite die beiden aus seinem Bauch und legte stattdessen schwere Steine hinein. Unglaublich!! Wie schwer war ihm doch das Gehen gefallen! Gottseidank hatte ihn sein Freund, das Wildschwein Charly, von den drückenden Schmerzen befreit. Charly hatte ihm den Bauch mit seinen kräftigen Hauern aufgeschlitzt und die Steine herausgeholt. Provisorisch schaffte er es sogar, ihm den Bauch mit ein paar Klammern aus Holz wieder zu schließen. Daraufhin musste er sich eine zeitlang schonen. Jetzt ging es ihm schon wieder viel besser. Aber Fleisch wollte er nun nicht mehr fressen. Er wurde Vegetarier. Die leichte Pflanzenkost bekam ihm ja viel besser. Als er so durch den Wald streifte und die frische Morgenluft genoss, kamen ihm die 7 Zwerge entgegen. Diese hatten schon per Waldpost von seinem Abenteuer gehört. Nun sahen sie ihn vor sich. Vor Entsetzen sprangen alle gleichzeitig in die Büsche am Wegesrand. Der Wolf sah das und sprach sie an: „Ich tue euch nichts, liebe Zwerge. Ich will euch nicht verspeisen. Von Fleisch habe ich genug. Ich bin seit meinem letzten Abenteuer Vegetarier geworden und genieße nun alle Arten von Pflanzen.“ „Aber was macht ihr hier im Wald?“ fragte schließlich der Anführer der Gruppe. „Ich suche eine Arbeit, eine anständige, ehrenwerte. Ich könnte z.B. euren Haushalt führen, wenn ihr zur Arbeit geht. Euer Schneewittchen ist doch z.Zt. unpässlich. Das hört man so. Dann ist ja diese Stelle bei euch frei.“ Die 7 Zwerge tuschelten unter einander und erklärten ihm, sie seien einverstanden, wenn er eine Probezeit von 2 Wochen bei ihnen machen würde. Bei diesem Vorschlag sprangen alle 7 wieder aus den Büschen, schüttelten dem Wolf die Pfoten und zeigten ihm den Weg zu ihrem Häuschen. Zu Hause bei den Zwergen gab sich der Wolf große Mühe, den Haushalt für sie in Ordnung zu halten. Morgens, wenn sie zur Arbeit gingen, machte er ihre Betten, fegte ihre kleinen Zimmer. Er selbst durfte im Bett von Schneewittchen schlafen. Danach bereitete er das Abendessen vor. Besondere Freude machte es ihm, den Garten der Zwerge zu pflegen. Dort hatten die Zwerge viele verschiedene Gemüsesorten angepflanzt, ein wahres Paradies für den neu bekehrten Vegetarier Wolf. Er liebte es, das frische Gemüse selbst zu rupfen und zuzubereiten. So kochte er für die7 Zwerge mal einen Karottenauflauf, mal eine Lauchsuppe oder überbackenen Blumenkohl und vieles mehr. Rotkäppchens Großmutter hatte ihn das Kochen gelehrt damals, als beide noch gute Freunde waren. Die 7 Zwerge waren mit ihrem neuen Haushaltsvorstand sehr zufrieden, konnten sie sich nun voll und ganz ihrer Arbeit widmen. Der Wolf gab keinen Anlaß zur Klage. An sein vorheriges Leben erinnerte nur das Häubchen auf seinem Kopf, das er der Großmutter gestohlen hatte bei seinem tödlichen Angriff auf sie. Auch eine Schürze band er sich um. Er gefiel sich ausnehmend gut in seinem neuen Aufzug. Die Tage vergingen und sie alle führten zusammen ein ruhiges Leben bis plötzlich ein unvorhergesehenes Ereignis eintrat. Vor dem Zwergenhaus erschien eines Tages eine Gruppe von schnatternden Gänsen. Sie wollten unbedingt in den Garten der Zwerge eindringen. Der Wolf sah sie, versuchte sie zu verscheuchen, aber es war vergebens. Schließlich geriet er in eine solche Wut, dass er eine von ihnen kurzerhand auffraß. Er kam gegen seine Sucht nach Fleisch nicht mehr an. Es war vorbei mit seinen guten Vorsätzen. Gegenüber den Zwergen sagte er kein Wort. Für sie blieb er der bekehrte Vegetarier. Eines Tages wollte er die Zwerge von ihrer Arbeit abholen und den Steinbruch sehen, in dem sie arbeiteten. Er fand eine Abkürzung und sah sie bereits auf dem Rückweg. Sie mussten einen steilen Serpentinenweg einer nach dem anderen hinaufsteigen. Lustig singend „Von den blauen Bergen kommen wir ...“ gingen sie gerade um die letzte Kurve. Der Wolf stürzte sich auf den letzten der Zwerge, überwältigte ihn und zog ihn hinter einen Busch. Dort verspeiste er ihn laut schmatzend. Die anderen Zwerge hatten noch nicht bemerkt, dass ihr Kamerad Felix fehlte. Sie gingen singend weiter. Inzwischen lief der Wolf den abgekürzten Weg nach Hause und stellte sich in die Küche, geschäftig mit den Töpfen hantierend. Nun bemerkten die 7 Zwerge, dass ihr Kamerad Felix nicht anwesend war. Wo konnte er nur sein? Beim Aufbruch vom Steinbruch war er noch dabei. Traurig gingen sie schlafen. Am nächsten Tag machten sie wie gewohnt ihre Arbeit und dachten dabei erschüttert an Felix. An diesem Tag gab es keine besonderen Ereignisse. Jedoch am nächsten Tag spähte der Wolf wieder die 7 Zwerge auf ihrem Heimweg aus, tat dasselbe wie zwei Tage zuvor. Er schlich sich von hinten an den letzten Zwerg heran, als der gerade um die Kurve gehen wollte, zerrte ihn ins Gebüsch und verspeiste ihn. Wieder wunderten sich die Zwerge über das Verschwinden ihres Kameraden Robbi. War er nicht vorsichtig gewesen? Ist er etwa in den Abgrund gestürzt? Der Heimweg war schließlich steil und kurvenreich. Keiner wusste, was passiert war. Wieder stand der Wolf ganz unschuldig in der Küche, als die Zwerge mit der schlimmen Nachricht hereinstürzten. „Wolf, unser Freund Robbi ist verschwunden. Wir wissen nicht, was mit ihm passiert ist.“ „Er wird sicher wiederkommen oder vielleicht hat es ihm bei euch nicht mehr gefallen“, war die Antwort des Wolfs. „Unmöglich“, sagte daraufhin der älteste Zwerg. „Robbi wollte uns nie verlassen. Es muß ihm etwas passiert sein genauso wie dem armen Felix. Der ist ja auch nicht wiedergekommen.“ „Ich kann dazu nichts sagen, ich weiß nicht, welche Fallen es in eurer Gegend gibt“, meinte der Wolf daraufhin. Wieder waren die Zwerge verzweifelt. Nun waren sie nur noch zu fünft. Soll das so weitergehen, fragten sie sich. Solange sie unter sich ohne den Wolf gewesen waren, hatten sie ruhig und in Frieden gelebt. Aber nun waren sie plötzlich ihres Lebens nicht mehr sicher. „Wolf“, sagte der Zwergenälteste, Florian, ganz spontan „du hast ganz schön zugenommen und zeigte dabei auf sein sichtbares Bäuchlein. Das Leben bei uns scheint dir gut zu tun.“ „JA, das tut es auch. Habe ich zu viele Karotten aus eurem Garten gegessen?“ „Nein, das nicht, du solltest nur ein bisschen auf deine Figur achten“, bemerkte Stanislaus. Wieder verging ein Tag. Die Zwerge kamen nicht mehr singend nach Hause, vielmehr sahen sie leidend aus. Auch in ihrer Wohnung herrschte Trauer. Es wurde nur noch leise gesprochen und nicht mehr gelacht. Auf die gleiche Art und Weise wie Felix und Robbi brachte der Wolf noch 3 weitere Zwerge um: Stanislaus, der Fleissigste von allen, Umberto, der Lustigste von allen, und den Vegetarier Addi. Alle verschwanden im Bauch des Wolfes. Eines Abends legte sich der Wolf mit Bauchschmerzen frühzeitig ins Bett. Sein Bauch war stark angeschwollen. Er bat den guten Florian, ihm Kamillentee zu kochen. Das tat der Zwerg auch. Es waren nur noch Florian und Joe am Leben. Plötzlich hörten die beiden eine jämmerliche Stimme aus dem Zimmer des Wolfes: „Was soll ich gemacht haben? Das Rotkäppchen hätte ich verspeist? Unmöglich, du lügst. Ich werde dich anzeigen. Und die Zwerge hätte ich auch auf dem Gewissen, sie in meinem Magen untergebracht?? Jetzt soll ich dafür büßen?? O weh, o weh, ich habe doch niemandem etwas getan. Einen Lügner nennst du mich!“ Die Zwerge lauschten an der Tür und wurden immer neugieriger. Was erzählte der Wolf? Er schien zu phantasieren. Jemand wirft ihm vor, er hätte 5 Zwerge verspeist. Sie stürmten ins Zimmer hinein. „Jetzt wissen wir endlich, weshalb dein Bauch so dick ist, nicht vom Gemüse kommt das. Du hast unsere Freunde getötet und sie aufgefressen. Was haben wir dir getan? Nur Gutes, du Scheusal. Aber warte, du wirst jetzt für deine Taten büßen. Wir wissen, dass Addi, dein letztes Opfer, an seinem Todestag 10 giftige Pilze in seiner Tasche gesammelt hatte und die hast du mitgefressen. Deine Strafe hast du jetzt!“ Noch bevor der Zwergenälteste zu Ende gesprochen hatte, tat der Wolf einen letzten, langen Seufzer und wurde ganz still. So hatte der Wolf seine Untaten mit dem Tode bezahlt.