Erlebtes und Fiktives

Aida Vita · Kapitel 25 von 27

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Erlebtes und Fiktives

Mein Traum –ein Aquarellkurs in der Toskana

 

Schon viele Jahre übte ich das Hobby „Aquarelle malen“ aus . Immer wieder war ich von den vielfältigen Möglichkeiten, ein Motiv farblich zu gestalten, begeistert, doch leider hatte mein Lehrer uns Schüler nie in die Natur begleitet und uns eine andere Sichtweise vorgeführt. Zu jeder Jahreszeit saß ich während des Unterrichtes in einem Raum und malte von Kalender-Fotografien ab. Als ich per Zufall eine Anzeige in der Tageszeitung las, in der ein Aquarellkurs in der Toskana von einem deutschen Maler angeboten wurde, wollte ich diese Gelegenheit ergreifen, endlich meinen Traum vom Malen in der Natur zu verwirklichen. Die schöne toskanische Landschaft hatte ich schon in mehreren Variationen von Bildern abgemalt, aber nun konnte ich die Gelegenheit bekommen, meinen Traum, vom Malen in der Toskana zu erfüllen. Im Geiste sah ich mich schon auf einem Stühlchen zwischen bunten Pflanzen sitzen und den Pinsel schwingen. Ich stellte mir das naturnahe Malen wunderbar vor.

Gemäß der Anzeige rief ich in Berlin an und hatte die Mutter eines Malers am Telefon. Ihr Sohn Ulf –Künstler von Beruf - wohnte und arbeitete in einem kleinen, idyllisch gelegenen Bergdorf in Azzano in der Toskana. Im Sommer gab er verschiedene künstlerische Kurse, u.a. auch Kurse für Aquarell-Malerei. Frau Meyer nahm die Anmeldungen der zukünftigen Schüler für ihren Sohn entgegen und so meldete ich mich für einen 2-wöchigen Aquarellkurs im Juni an. Sie organisierte für mich auch die Fahrt per PKW von München nach Azzano, wo der Kurs stattfinden sollte. Eine Münchener Kursteilnehmerin namens Kathrin hatte mit mir vereinbart, mich am Bahnhof in München abzuholen, zur selben Zeit auch ihre Freundin Meike, die sie aus Hamburg erwartete. So setzte ich mich also kurz nach Mitternacht im Juni in den Schnellzug nach München, müde, aber sehr gespannt und neugierig auf meinen Kurs.

In München traf ich dann Kathrin mit ihrem Dalmatiner Kai und ihre Freundin Meike. Gemeinsam verstauten wir unser Gepäck. Zuerst wurde der Hund in den hinteren Teil des Kombis eingepackt samt Zubehör (Futtertonne, Napf, Decke usw.), danach alle unsere Koffer, Reisetaschen und andere Kleinigkeiten. Zahlreiche Tüten mit Lebensmitteln waren bereits im Auto verstreut. Schließlich platzierten wir drei uns. Ich zog es vor, hinten zu sitzen, Meike hatte sich bereit erklärt, die Autokarte zu studieren und ihrer Freundin den Weg zu erklären. Sie saß vorn neben Kathrin. Ich quetschte mich in eine Ecke hinter Meike, froh, noch ein Plätzchen ergattert zu haben. Links neben mir türmten sich größere und kleinere Gepäckstücke und versperrten einen Teil des hinteren Fensters. Das sei nicht weiter schlimm, meinte Kathrin, sie sehe noch genug. Ich hoffte inständig, sie möge sich nicht täuschen.

Mir war die nahe Gegenwart des Hundes direkt hinter mir sehr unangenehm. Seine Geräusche machten mich nervös. Wohl etwas irritiert in einer für ihn ungewohnten Umgebung konnte er nicht schlafen, sondern drehte sich hin und her. Auch strömte er einen unangenehmen Geruch aus. Gut gelaunt fuhren wir gen Süden, machten eine kurze Pause zwischendurch und aßen unser erstes Frühstück. Nach weiteren 2 Stunden Fahrt machten wir eine ausgedehnte Kaffee-Pause am Gardasee, erquickten uns an dem Anblick der südlichen Landschaft und dem herrlichen Wetter. Es war einfach wunderbar, sich endlich einmal zu recken und zu strecken. Ich sah mich schon im Geiste eifrig meine Farben mischen und herrliche Landschaftsbilder zu Papier bringen. Leider konnten wir nicht allzu lange dort bleiben; unsere Fahrt nach Azzano mußte schließlich fortgesetzt werden.

Von Pietrasanta führte eine Serpentinenstraße zu unserem Künstler-Camp hinauf. Diese Strecke sollte Meike fahren. Sie schien mir nicht begeistert zu sein. Ein breiter Kombi kam uns auf der schmalen Straße entgegen und erschreckte uns - es gab kaum Gelegenheit, entgegenkommenden Fahrzeugen auszuweichen. Die Straße war extrem schmal. Während der Fahrt sah ich ständig den nahen Abgrund neben mir. Mein einziger Gedanke war, entweder wir kommen oben gut an oder links unten als Tote. Das ist nun mal unser Schicksal. Kathrin hatte nun endlich Zeit, sich mit anderen Dingen als dem Autofahren zu beschäftigen. Nach einer Weile fragte sie mich, welchen Kurs ich denn gebucht hätte. Voller Vorfreude antwortete ich: „Den Aquarellkurs bei Ulf Meyer“. Kathrin informierte mich, dass sie und ihre Freundin zur gleichen Zeit den Akt-Malkurs bei Herrn Meyer gebucht hätten und dass es unmöglich für ihn sei, 2 Kurse gleichzeitig zu geben. Ein Malkurs-Tag umfasse 6 Stunden. Beide Frauen waren sich sicher, zum Akt-Malkurs zu fahren. Aber man würde ja bald herausfinden, wer von uns im geplanten Kurs sein würde und wer nicht. Voller Entsetzen schaute ich sie an. Sollte sich die ältere Dame in Berlin etwa geirrt haben? Meine bis dahin gute Stimmung war mir plötzlich völlig verdorben. Aber noch waren wir ja nicht im Maler-Camp angekommen. Herr Meyer würde uns bald informieren. Ich stellte mich innerlich schon auf ‚Kampf’ ein. Schließlich hatte ich ja „meinen“ Kurs, ausdrücklich einen Aquarellkurs, direkt bei seiner Mutter in Berlin gebucht, von einem Akt-Malkurs war keine Rede gewesen.

Nach einer einstündigen , anstrengenden Serpentinenfahrt kamen wir glücklich am Ziel unserer Reise in Azzano, einem toskanischen winzigen Bergdorf an. Es versprach uns Ruhe vom Stress und der Hektik in Germany. Vor der Bar „Clara“ saßen bereits erwartungsvoll einige müde Kursteilnehmer und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Als erstes erschien auch Annegret, die für die Organisation zuständig war. Sie riet uns, sobald wie möglich von Stress auf ‚dolce far niente’ umzuschalten. Nicht leicht, wenn man aus dem durchorganisierten Deutschland in ein Dorf, das am Ende der Welt zu sein schien, kommt. Aber wir versprachen, uns alle Mühe zu geben.

Um 18 Uhr trafen sich dann alle Angereisten zum Abendbrot. Ulf Meyer erschien und begrüßte uns. Er erklärte allen, wann wir uns wo am nächsten Tag treffen würden. Ich fragte nach Einzelheiten des Aquarell-Kurses und erhielt als Antwort, daß jetzt ein Bildhauer-Kurs und ein Akt-Malkurs stattfinden würden, lediglich diese 2 Kurse. Der Aquarellkurs war für September 97 geplant. Mir wurde fast schwindelig, hatte ich doch alle Hürden auf mich genommen, um in diesem abgelegenen Nest meinem Hobby nachzugehen und meinen lang gehegten Traum zu verwirklichen und nun sollte der gebuchte Kurs wirklich nicht stattfinden! Die alte Dame in Berlin wusste nicht, was sie mir damit angetan hatte....oder hatte sie es doch gewusst ? Diese überraschende Situation machte mich fassungslos. Man beruhigte mich und wollte eine Lösung finden, eine Lösung, die darin bestand, dass mir der Zeichenlehrer Ulf gut zuredete und vorschlug, ich solle doch erst einmal 1 oder 2 oder vielleicht 3 Tage in seinen Kurs kommen, eine neue Malkunst kennenlernen und dann entscheiden, ob ich nicht vielleicht doch in seinem Kurs bleiben wollte. Vielleicht würde ich ja Gefallen an der Nackt-Malerei finden. Wutschnaubend betonte ich mehrmals, ich hätte einen Aquarell-Kurs gebucht und keinen „Nackedei-Kurs“, auch wenn der noch so lehrreich für mich sein könnte. Es blieb mir vorerst jedoch nichts anderes übrig, als den nächsten Tag abzuwarten. Schicksalsergeben und voller Misstrauen, war ich schließlich bereit, mir diese für mich neue Maltechnik anzuschauen und auszuprobieren. Ich verhielt mich abwartend, nahm 3 Tage an Ulfs Kurs teil: morgens 3 Stunden, dann Mittagspause und nachmittags 3 Stunden. Gegen 19.00 Uhr waren wir fertig. Morgens fand der Unterricht in einer alten Kapelle ohne Dach statt, in „La Capella“, nachmittags im Künstler-Camp, dem sogenannten „Campo“. Ulfs Meinung nach stellte ich mich gar nicht so schlecht an. Angeblich war er mit mir als Anfängerin zufrieden, ich selbst jedoch überhaupt nicht. Er gab uns - 1o Frauen mit sehr unterschiedlichen Malkenntnissen – Anleitungen, während unsere Nackt-Modelle Ute, Jule und Rüdiger sich vor unseren Augen bewegten. Für mich war das Zeichnen anstrengende Arbeit, da ich noch nie mit Kohle gezeichnet hatte und auch noch nicht ein solches Gebiet der Malerei betreten hatte. Es war völliges Neuland für mich. Während die Nacktmodelle sich hüllenlos und leichtfüßig in der warmen Sonne reckten, wurde mein Frust immer größer. Ich war mit meinen „Werken“ total unzufrieden. Unsere erste Aufgabe bestand darin, die drei Nackt-Modelle in ihren Bewegungen zu zeichnen, eine Unmöglichkeit für mich als Anfängerin. Ich sollte Menschen in Bewegung auf Papier bringen, viel schwerer als wenn sie still auf einem Stein oder einer Mauer gesessen hätten. Während ich in Gedanken abwägte, ob ich mir diesen „Circus“ noch weiter antun oder besser aufgeben sollte, unterbreitete mir Ulf dann seinen Vorschlag, ich könnte mich doch probeweise als Nackt-Modell versuchen – vielleicht hätte ich daran mehr Freude- war meine ganze Motivation zu Ende. Plötzlich wurde mir bewusst, dass mein Traum vom Aquarellmalen in der idyllischen toskanischen Landschaft in eine „Prostitution“ als Aktmodell enden sollte. Fluchtartig verließ ich am nächsten Tag das Bergdorf. Seitdem träume ich nicht mehr vom Malen in der Toskana.

Schon viele Jahre übte ich das Hobby „Aquarelle malen“ aus . Immer wieder war ich von den vielfältigen Möglichkeiten, ein Motiv farblich zu gestalten, begeistert, doch leider hatte mein Lehrer uns Schüler nie in die Natur begleitet und uns eine andere Sichtweise vorgeführt. Zu jeder Jahreszeit saß ich während des Unterrichtes in einem Raum und malte von Kalender-Fotografien ab. Als ich per Zufall eine Anzeige in der Tageszeitung las, in der ein Aquarellkurs in der Toskana von einem deutschen Maler angeboten wurde, wollte ich diese Gelegenheit ergreifen, endlich meinen Traum vom Malen in der Natur zu verwirklichen. Die schöne toskanische Landschaft hatte ich schon in mehreren Variationen von Bildern abgemalt, aber nun konnte ich die Gelegenheit bekommen, meinen Traum, vom Malen in der Toskana zu erfüllen. Im Geiste sah ich mich schon auf einem Stühlchen zwischen bunten Pflanzen sitzen und den Pinsel schwingen. Ich stellte mir das naturnahe Malen wunderbar vor.

Gemäß der Anzeige rief ich in Berlin an und hatte die Mutter eines Malers am Telefon. Ihr Sohn Ulf –Künstler von Beruf - wohnte und arbeitete in einem kleinen, idyllisch gelegenen Bergdorf in Azzano in der Toskana. Im Sommer gab er verschiedene künstlerische Kurse, u.a. auch Kurse für Aquarell-Malerei. Frau Meyer nahm die Anmeldungen der zukünftigen Schüler für ihren Sohn entgegen und so meldete ich mich für einen 2-wöchigen Aquarellkurs im Juni an. Sie organisierte für mich auch die Fahrt per PKW von München nach Azzano, wo der Kurs stattfinden sollte. Eine Münchener Kursteilnehmerin namens Kathrin hatte mit mir vereinbart, mich am Bahnhof in München abzuholen, zur selben Zeit auch ihre Freundin Meike, die sie aus Hamburg erwartete. So setzte ich mich also kurz nach Mitternacht im Juni in den Schnellzug nach München, müde, aber sehr gespannt und neugierig auf meinen Kurs.

In München traf ich dann Kathrin mit ihrem Dalmatiner Kai und ihre Freundin Meike. Gemeinsam verstauten wir unser Gepäck. Zuerst wurde der Hund in den hinteren Teil des Kombis eingepackt samt Zubehör (Futtertonne, Napf, Decke usw.), danach alle unsere Koffer, Reisetaschen und andere Kleinigkeiten. Zahlreiche Tüten mit Lebensmitteln waren bereits im Auto verstreut. Schließlich platzierten wir drei uns. Ich zog es vor, hinten zu sitzen, Meike hatte sich bereit erklärt, die Autokarte zu studieren und ihrer Freundin den Weg zu erklären. Sie saß vorn neben Kathrin. Ich quetschte mich in eine Ecke hinter Meike, froh, noch ein Plätzchen ergattert zu haben. Links neben mir türmten sich größere und kleinere Gepäckstücke und versperrten einen Teil des hinteren Fensters. Das sei nicht weiter schlimm, meinte Kathrin, sie sehe noch genug. Ich hoffte inständig, sie möge sich nicht täuschen.

Mir war die nahe Gegenwart des Hundes direkt hinter mir sehr unangenehm. Seine Geräusche machten mich nervös. Wohl etwas irritiert in einer für ihn ungewohnten Umgebung konnte er nicht schlafen, sondern drehte sich hin und her. Auch strömte er einen unangenehmen Geruch aus. Gut gelaunt fuhren wir gen Süden, machten eine kurze Pause zwischendurch und aßen unser erstes Frühstück. Nach weiteren 2 Stunden Fahrt machten wir eine ausgedehnte Kaffee-Pause am Gardasee, erquickten uns an dem Anblick der südlichen Landschaft und dem herrlichen Wetter. Es war einfach wunderbar, sich endlich einmal zu recken und zu strecken. Ich sah mich schon im Geiste eifrig meine Farben mischen und herrliche Landschaftsbilder zu Papier bringen. Leider konnten wir nicht allzu lange dort bleiben; unsere Fahrt nach Azzano mußte schließlich fortgesetzt werden.

Von Pietrasanta führte eine Serpentinenstraße zu unserem Künstler-Camp hinauf. Diese Strecke sollte Meike fahren. Sie schien mir nicht begeistert zu sein. Ein breiter Kombi kam uns auf der schmalen Straße entgegen und erschreckte uns - es gab kaum Gelegenheit, entgegenkommenden Fahrzeugen auszuweichen. Die Straße war extrem schmal. Während der Fahrt sah ich ständig den nahen Abgrund neben mir. Mein einziger Gedanke war, entweder wir kommen oben gut an oder links unten als Tote. Das ist nun mal unser Schicksal. Kathrin hatte nun endlich Zeit, sich mit anderen Dingen als dem Autofahren zu beschäftigen. Nach einer Weile fragte sie mich, welchen Kurs ich denn gebucht hätte. Voller Vorfreude antwortete ich: „Den Aquarellkurs bei Ulf Meyer“. Kathrin informierte mich, dass sie und ihre Freundin zur gleichen Zeit den Akt-Malkurs bei Herrn Meyer gebucht hätten und dass es unmöglich für ihn sei, 2 Kurse gleichzeitig zu geben. Ein Malkurs-Tag umfasse 6 Stunden. Beide Frauen waren sich sicher, zum Akt-Malkurs zu fahren. Aber man würde ja bald herausfinden, wer von uns im geplanten Kurs sein würde und wer nicht. Voller Entsetzen schaute ich sie an. Sollte sich die ältere Dame in Berlin etwa geirrt haben? Meine bis dahin gute Stimmung war mir plötzlich völlig verdorben. Aber noch waren wir ja nicht im Maler-Camp angekommen. Herr Meyer würde uns bald informieren. Ich stellte mich innerlich schon auf ‚Kampf’ ein. Schließlich hatte ich ja „meinen“ Kurs, ausdrücklich einen Aquarellkurs, direkt bei seiner Mutter in Berlin gebucht, von einem Akt-Malkurs war keine Rede gewesen.

Nach einer einstündigen , anstrengenden Serpentinenfahrt kamen wir glücklich am Ziel unserer Reise in Azzano, einem toskanischen winzigen Bergdorf an. Es versprach uns Ruhe vom Stress und der Hektik in Germany. Vor der Bar „Clara“ saßen bereits erwartungsvoll einige müde Kursteilnehmer und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Als erstes erschien auch Annegret, die für die Organisation zuständig war. Sie riet uns, sobald wie möglich von Stress auf ‚dolce far niente’ umzuschalten. Nicht leicht, wenn man aus dem durchorganisierten Deutschland in ein Dorf, das am Ende der Welt zu sein schien, kommt. Aber wir versprachen, uns alle Mühe zu geben.

Um 18 Uhr trafen sich dann alle Angereisten zum Abendbrot. Ulf Meyer erschien und begrüßte uns. Er erklärte allen, wann wir uns wo am nächsten Tag treffen würden. Ich fragte nach Einzelheiten des Aquarell-Kurses und erhielt als Antwort, daß jetzt ein Bildhauer-Kurs und ein Akt-Malkurs stattfinden würden, lediglich diese 2 Kurse. Der Aquarellkurs war für September 97 geplant. Mir wurde fast schwindelig, hatte ich doch alle Hürden auf mich genommen, um in diesem abgelegenen Nest meinem Hobby nachzugehen und meinen lang gehegten Traum zu verwirklichen und nun sollte der gebuchte Kurs wirklich nicht stattfinden! Die alte Dame in Berlin wusste nicht, was sie mir damit angetan hatte....oder hatte sie es doch gewusst ? Diese überraschende Situation machte mich fassungslos. Man beruhigte mich und wollte eine Lösung finden, eine Lösung, die darin bestand, dass mir der Zeichenlehrer Ulf gut zuredete und vorschlug, ich solle doch erst einmal 1 oder 2 oder vielleicht 3 Tage in seinen Kurs kommen, eine neue Malkunst kennenlernen und dann entscheiden, ob ich nicht vielleicht doch in seinem Kurs bleiben wollte. Vielleicht würde ich ja Gefallen an der Nackt-Malerei finden. Wutschnaubend betonte ich mehrmals, ich hätte einen Aquarell-Kurs gebucht und keinen „Nackedei-Kurs“, auch wenn der noch so lehrreich für mich sein könnte. Es blieb mir vorerst jedoch nichts anderes übrig, als den nächsten Tag abzuwarten. Schicksalsergeben und voller Misstrauen, war ich schließlich bereit, mir diese für mich neue Maltechnik anzuschauen und auszuprobieren. Ich verhielt mich abwartend, nahm 3 Tage an Ulfs Kurs teil: morgens 3 Stunden, dann Mittagspause und nachmittags 3 Stunden. Gegen 19.00 Uhr waren wir fertig. Morgens fand der Unterricht in einer alten Kapelle ohne Dach statt, in „La Capella“, nachmittags im Künstler-Camp, dem sogenannten „Campo“. Ulfs Meinung nach stellte ich mich gar nicht so schlecht an. Angeblich war er mit mir als Anfängerin zufrieden, ich selbst jedoch überhaupt nicht. Er gab uns - 1o Frauen mit sehr unterschiedlichen Malkenntnissen – Anleitungen, während unsere Nackt-Modelle Ute, Jule und Rüdiger sich vor unseren Augen bewegten. Für mich war das Zeichnen anstrengende Arbeit, da ich noch nie mit Kohle gezeichnet hatte und auch noch nicht ein solches Gebiet der Malerei betreten hatte. Es war völliges Neuland für mich. Während die Nacktmodelle sich hüllenlos und leichtfüßig in der warmen Sonne reckten, wurde mein Frust immer größer. Ich war mit meinen „Werken“ total unzufrieden. Unsere erste Aufgabe bestand darin, die drei Nackt-Modelle in ihren Bewegungen zu zeichnen, eine Unmöglichkeit für mich als Anfängerin. Ich sollte Menschen in Bewegung auf Papier bringen, viel schwerer als wenn sie still auf einem Stein oder einer Mauer gesessen hätten. Während ich in Gedanken abwägte, ob ich mir diesen „Circus“ noch weiter antun oder besser aufgeben sollte, unterbreitete mir Ulf dann seinen Vorschlag, ich könnte mich doch probeweise als Nackt-Modell versuchen – vielleicht hätte ich daran mehr Freude- war meine ganze Motivation zu Ende. Plötzlich wurde mir bewusst, dass mein Traum vom Aquarellmalen in der idyllischen toskanischen Landschaft in eine „Prostitution“ als Aktmodell enden sollte. Fluchtartig verließ ich am nächsten Tag das Bergdorf. Seitdem träume ich nicht mehr vom Malen in der Toskana.

Schon viele Jahre übte ich das Hobby „Aquarelle malen“ aus . Immer wieder war ich von den vielfältigen Möglichkeiten, ein Motiv farblich zu gestalten, begeistert, doch leider hatte mein Lehrer uns Schüler nie in die Natur begleitet und uns eine andere Sichtweise vorgeführt. Zu jeder Jahreszeit saß ich während des Unterrichtes in einem Raum und malte von Kalender-Fotografien ab. Als ich per Zufall eine Anzeige in der Tageszeitung las, in der ein Aquarellkurs in der Toskana von einem deutschen Maler angeboten wurde, wollte ich diese Gelegenheit ergreifen, endlich meinen Traum vom Malen in der Natur zu verwirklichen. Die schöne toskanische Landschaft hatte ich schon in mehreren Variationen von Bildern abgemalt, aber nun konnte ich die Gelegenheit bekommen, meinen Traum, vom Malen in der Toskana zu erfüllen. Im Geiste sah ich mich schon auf einem Stühlchen zwischen bunten Pflanzen sitzen und den Pinsel schwingen. Ich stellte mir das naturnahe Malen wunderbar vor.

Gemäß der Anzeige rief ich in Berlin an und hatte die Mutter eines Malers am Telefon. Ihr Sohn Ulf –Künstler von Beruf - wohnte und arbeitete in einem kleinen, idyllisch gelegenen Bergdorf in Azzano in der Toskana. Im Sommer gab er verschiedene künstlerische Kurse, u.a. auch Kurse für Aquarell-Malerei. Frau Meyer nahm die Anmeldungen der zukünftigen Schüler für ihren Sohn entgegen und so meldete ich mich für einen 2-wöchigen Aquarellkurs im Juni an. Sie organisierte für mich auch die Fahrt per PKW von München nach Azzano, wo der Kurs stattfinden sollte. Eine Münchener Kursteilnehmerin namens Kathrin hatte mit mir vereinbart, mich am Bahnhof in München abzuholen, zur selben Zeit auch ihre Freundin Meike, die sie aus Hamburg erwartete. So setzte ich mich also kurz nach Mitternacht im Juni in den Schnellzug nach München, müde, aber sehr gespannt und neugierig auf meinen Kurs.

In München traf ich dann Kathrin mit ihrem Dalmatiner Kai und ihre Freundin Meike. Gemeinsam verstauten wir unser Gepäck. Zuerst wurde der Hund in den hinteren Teil des Kombis eingepackt samt Zubehör (Futtertonne, Napf, Decke usw.), danach alle unsere Koffer, Reisetaschen und andere Kleinigkeiten. Zahlreiche Tüten mit Lebensmitteln waren bereits im Auto verstreut. Schließlich platzierten wir drei uns. Ich zog es vor, hinten zu sitzen, Meike hatte sich bereit erklärt, die Autokarte zu studieren und ihrer Freundin den Weg zu erklären. Sie saß vorn neben Kathrin. Ich quetschte mich in eine Ecke hinter Meike, froh, noch ein Plätzchen ergattert zu haben. Links neben mir türmten sich größere und kleinere Gepäckstücke und versperrten einen Teil des hinteren Fensters. Das sei nicht weiter schlimm, meinte Kathrin, sie sehe noch genug. Ich hoffte inständig, sie möge sich nicht täuschen.

Mir war die nahe Gegenwart des Hundes direkt hinter mir sehr unangenehm. Seine Geräusche machten mich nervös. Wohl etwas irritiert in einer für ihn ungewohnten Umgebung konnte er nicht schlafen, sondern drehte sich hin und her. Auch strömte er einen unangenehmen Geruch aus. Gut gelaunt fuhren wir gen Süden, machten eine kurze Pause zwischendurch und aßen unser erstes Frühstück. Nach weiteren 2 Stunden Fahrt machten wir eine ausgedehnte Kaffee-Pause am Gardasee, erquickten uns an dem Anblick der südlichen Landschaft und dem herrlichen Wetter. Es war einfach wunderbar, sich endlich einmal zu recken und zu strecken. Ich sah mich schon im Geiste eifrig meine Farben mischen und herrliche Landschaftsbilder zu Papier bringen. Leider konnten wir nicht allzu lange dort bleiben; unsere Fahrt nach Azzano mußte schließlich fortgesetzt werden.

Von Pietrasanta führte eine Serpentinenstraße zu unserem Künstler-Camp hinauf. Diese Strecke sollte Meike fahren. Sie schien mir nicht begeistert zu sein. Ein breiter Kombi kam uns auf der schmalen Straße entgegen und erschreckte uns - es gab kaum Gelegenheit, entgegenkommenden Fahrzeugen auszuweichen. Die Straße war extrem schmal. Während der Fahrt sah ich ständig den nahen Abgrund neben mir. Mein einziger Gedanke war, entweder wir kommen oben gut an oder links unten als Tote. Das ist nun mal unser Schicksal. Kathrin hatte nun endlich Zeit, sich mit anderen Dingen als dem Autofahren zu beschäftigen. Nach einer Weile fragte sie mich, welchen Kurs ich denn gebucht hätte. Voller Vorfreude antwortete ich: „Den Aquarellkurs bei Ulf Meyer“. Kathrin informierte mich, dass sie und ihre Freundin zur gleichen Zeit den Akt-Malkurs bei Herrn Meyer gebucht hätten und dass es unmöglich für ihn sei, 2 Kurse gleichzeitig zu geben. Ein Malkurs-Tag umfasse 6 Stunden. Beide Frauen waren sich sicher, zum Akt-Malkurs zu fahren. Aber man würde ja bald herausfinden, wer von uns im geplanten Kurs sein würde und wer nicht. Voller Entsetzen schaute ich sie an. Sollte sich die ältere Dame in Berlin etwa geirrt haben? Meine bis dahin gute Stimmung war mir plötzlich völlig verdorben. Aber noch waren wir ja nicht im Maler-Camp angekommen. Herr Meyer würde uns bald informieren. Ich stellte mich innerlich schon auf ‚Kampf’ ein. Schließlich hatte ich ja „meinen“ Kurs, ausdrücklich einen Aquarellkurs, direkt bei seiner Mutter in Berlin gebucht, von einem Akt-Malkurs war keine Rede gewesen.

Nach einer einstündigen , anstrengenden Serpentinenfahrt kamen wir glücklich am Ziel unserer Reise in Azzano, einem toskanischen winzigen Bergdorf an. Es versprach uns Ruhe vom Stress und der Hektik in Germany. Vor der Bar „Clara“ saßen bereits erwartungsvoll einige müde Kursteilnehmer und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Als erstes erschien auch Annegret, die für die Organisation zuständig war. Sie riet uns, sobald wie möglich von Stress auf ‚dolce far niente’ umzuschalten. Nicht leicht, wenn man aus dem durchorganisierten Deutschland in ein Dorf, das am Ende der Welt zu sein schien, kommt. Aber wir versprachen, uns alle Mühe zu geben.

Um 18 Uhr trafen sich dann alle Angereisten zum Abendbrot. Ulf Meyer erschien und begrüßte uns. Er erklärte allen, wann wir uns wo am nächsten Tag treffen würden. Ich fragte nach Einzelheiten des Aquarell-Kurses und erhielt als Antwort, daß jetzt ein Bildhauer-Kurs und ein Akt-Malkurs stattfinden würden, lediglich diese 2 Kurse. Der Aquarellkurs war für September 97 geplant. Mir wurde fast schwindelig, hatte ich doch alle Hürden auf mich genommen, um in diesem abgelegenen Nest meinem Hobby nachzugehen und meinen lang gehegten Traum zu verwirklichen und nun sollte der gebuchte Kurs wirklich nicht stattfinden! Die alte Dame in Berlin wusste nicht, was sie mir damit angetan hatte....oder hatte sie es doch gewusst ? Diese überraschende Situation machte mich fassungslos. Man beruhigte mich und wollte eine Lösung finden, eine Lösung, die darin bestand, dass mir der Zeichenlehrer Ulf gut zuredete und vorschlug, ich solle doch erst einmal 1 oder 2 oder vielleicht 3 Tage in seinen Kurs kommen, eine neue Malkunst kennenlernen und dann entscheiden, ob ich nicht vielleicht doch in seinem Kurs bleiben wollte. Vielleicht würde ich ja Gefallen an der Nackt-Malerei finden. Wutschnaubend betonte ich mehrmals, ich hätte einen Aquarell-Kurs gebucht und keinen „Nackedei-Kurs“, auch wenn der noch so lehrreich für mich sein könnte. Es blieb mir vorerst jedoch nichts anderes übrig, als den nächsten Tag abzuwarten. Schicksalsergeben und voller Misstrauen, war ich schließlich bereit, mir diese für mich neue Maltechnik anzuschauen und auszuprobieren. Ich verhielt mich abwartend, nahm 3 Tage an Ulfs Kurs teil: morgens 3 Stunden, dann Mittagspause und nachmittags 3 Stunden. Gegen 19.00 Uhr waren wir fertig. Morgens fand der Unterricht in einer alten Kapelle ohne Dach statt, in „La Capella“, nachmittags im Künstler-Camp, dem sogenannten „Campo“. Ulfs Meinung nach stellte ich mich gar nicht so schlecht an. Angeblich war er mit mir als Anfängerin zufrieden, ich selbst jedoch überhaupt nicht. Er gab uns - 1o Frauen mit sehr unterschiedlichen Malkenntnissen – Anleitungen, während unsere Nackt-Modelle Ute, Jule und Rüdiger sich vor unseren Augen bewegten. Für mich war das Zeichnen anstrengende Arbeit, da ich noch nie mit Kohle gezeichnet hatte und auch noch nicht ein solches Gebiet der Malerei betreten hatte. Es war völliges Neuland für mich. Während die Nacktmodelle sich hüllenlos und leichtfüßig in der warmen Sonne reckten, wurde mein Frust immer größer. Ich war mit meinen „Werken“ total unzufrieden. Unsere erste Aufgabe bestand darin, die drei Nackt-Modelle in ihren Bewegungen zu zeichnen, eine Unmöglichkeit für mich als Anfängerin. Ich sollte Menschen in Bewegung auf Papier bringen, viel schwerer als wenn sie still auf einem Stein oder einer Mauer gesessen hätten. Während ich in Gedanken abwägte, ob ich mir diesen „Circus“ noch weiter antun oder besser aufgeben sollte, unterbreitete mir Ulf dann seinen Vorschlag, ich könnte mich doch probeweise als Nackt-Modell versuchen – vielleicht hätte ich daran mehr Freude- war meine ganze Motivation zu Ende. Plötzlich wurde mir bewusst, dass mein Traum vom Aquarellmalen in der idyllischen toskanischen Landschaft in eine „Prostitution“ als Aktmodell enden sollte. Fluchtartig verließ ich am nächsten Tag das Bergdorf. Seitdem träume ich nicht mehr vom Malen in der Toskana.