Kolbe
14. Der Sonne entgegen
14
Der Sonne entgegen
Dann haben wir Berlin verlassen. Das, was davon übrig war. Es muss furchtbar gewesen sein, als die Russen einrückten und es zu diesen vollkommen sinnlosen Häuserkämpfen kam.
Fritz spießt ein Stück Käse und ein Radieschen auf. Für ein Bier haben wir noch Zeit, sagt er.
Wegner nickt, die Zahl der Seiten, die er noch umzublättern hat, ist niedrig, er macht wieder Kringel.
Mir war, als führen wir der Sonne entgegen. Das alles, es schien endlich wirklich zu Ende zu gehen. Es wäre so schön gewesen.
Er geht hinaus. Es ist dunkel und Sterne stehen am Himmel, die Gipfel der Berge schimmern weißlich wie mit matten Farben gemalt. Unten auf dem Bach bewegen sich ein paar salzkorngroße Lichtpunkte. Die Flaschen, die er aus dem Brunnen zieht, sind kühler als die des Tages und er geht damit in die Hütte zurück. Er fühlt sich recht gut, er fühlt sich freier, obwohl er weiß, dass da noch ein großer Brocken ist. Aber er spürt, dass er endlich dazu bereit ist.
Also allmählich habe ich einen kleinen Schwipps, sagt Veronika Hügel.
Und ich müsste eigentlich nachher noch Auto fahren, sagt Wegner.
Unterm Dach sind zwei Schlafkammern, sagt Fritz. Also, trinken Sie noch ein Bier mit mir. Das würde mich freuen.
Marlene bleibt lange fort, sagt Veronika Hügel.
Sie ist gerne in der Stadt, sagt Fritz.
Er beginnt die Papiere zu ordnen, faltet sie, legt sie zu Themenstapeln zusammen.
Frau Meiner, sagt er. Ich fand das ganz amüsant. Die Vorstellungen, die man so im Kopf hat. Irgendwie denkt man doch, wenn man hört, dass jemand eine Affäre hat, schnell an eine ganz tolle Frau, hochattraktiv oder deutlich jünger als der Mann oder an so eine aufgetakelte Fregatte. Aber Frau Meiner war in von Günthers Alter und wirklich vollkommen unscheinbar, ein sehr angenehmer Mensch. Ich habe versucht herauszukriegen, wie und wo sie von Günther kennengelernt hatte, aber ich wollte auch nicht indiskret sein. Wir sind ganz gut durchgekommen. Einmal wurden wir von der Gestapo angehalten. Diesen Männern bedeuteten meine Papiere nicht viel. Es gab Streit. Dann schaffte ich es, dass einer von denen im Marinehauptquartier anrief. Er bekam tatsächlich von Günther an den Apparat. Danach konnten wir weiterfahren. Wir setzten Frau Meiner am Niedersonthofener See ab. Sie wünschte uns viel Glück. Sie sagte, wir seien ein schönes Paar.
Jetzt wird es doch noch schwer, denkt Fritz und wischt sich über die Augen. Die Worte Frau Meiners, er hört sie, als sei es gestern gewesen. Er sieht sie ihnen hinterherwinken und obwohl einige Leute aus dem Haus kommen und sie begrüßen, wirkt sie einsam und alleine.
Marlene und ich fuhren weiter und ich weiß noch, dass ich irgendwann mitten in den Wiesen des Allgäus stehen blieb. Wir sahen uns um. Wir konnten es kaum begreifen. Kein einziger Bombentrichter, keine Flakgeschütze, nirgends eine Militärkolonne. Marlene lachte. Sie war glücklich. Sie stieg aus und hüpfte über die Wiese, sie winkte einer Kuh. Ich habe mich so gefreut, dass ich dachte, jeden Moment winke die Kuh zurück. Für die Nacht fanden wir Unterschlupf auf einem Bauernhof. Nette Menschen. Sie setzten uns Schalen frischer Milch vor, gebratene Eier, eingelagerte Äpfel. So was kannten wir ja kaum noch. Es war herrlich. Das Leben, sagte Marlene. Wir bekamen ein eigenes Zimmer, eine winzige Kammer, es roch nach Misthaufen und Luft aus den Bergen. Wir haben uns die ganze Nacht nicht losgelassen.
Er trinkt einen Schluck Bier.
Warum vernachlässigen wir die kurzen Momente des Glücks?, fragt er. Hätten wir nicht an Glück gedacht, wären wir umgekommen in diesem Krieg. Marlene dachte immer irgendwie an Glück, es war der Hintergrund ihres Lebens. Das liebe ich so an ihr.
Warum hört man Männer selten so über Frauen reden?, fragt Veronika Hügel.
Der Mann, dem Sie irgendwann erlauben, Sie zu küssen, der wird so über Sie reden, sagt Fritz.
Denk ich auch, sagt Wegner. Er starrt seine Bierflasche an. Veronika Hügel sieht ihn von der Seite an.
Das ist ja nett, sagt sie.
Am nächsten Tag kamen wir in Lindau an. Ich bin sofort in diese Außenstelle. War ein ziemlicher Witz. Da arbeiteten zwei Leute in einem Büro. Unter dem strengen Blick von Adolf Hitler. Einer war völlig verschüchtert, der andere markierte den Nazi. Ein richtiges Großmaul, SS-Mitglied ehrenhalber, so wie es von Ribbentrop mochte. Ich habe mich da nicht lange aufgehalten. Marlene wartete am Hafen auf mich, sie saß unter dem steinernen Löwen und sah über den Bodensee. Ich hatte ihr nichts von Wills Plänen erzählt. Am Abend setzten wir uns aus Lindau ab. Auf dem See patrouillierte ein Boot mit einem aufmontierten Scheinwerfer, am Ufer wachten Soldaten. Meine Papiere halfen, wir wurden nur einmal angehalten.
Ich merke, dass ich immer schneller berichte, dass ich dem Ende zustrebe, einem Ende, das keins war. Aber Zeit war ihnen geschenkt worden, bevor der Krieg noch einmal zuschlug.
An der vereinbarten Stelle lag ein Ruderboot im Wasser. Ich sah den Mann erst nicht, aber ich hörte seine Stimme. Sie war mir so vertraut geworden, sie gehörte so eng zu dem Leben, das ich im Nazireich geführt hatte. Hallo Fritz, sagte er.
„Hallo Fritz.“ Er hatte sich nicht vorstellen können, wie der Klang dieser Stimme auf ihn wirken würde. Es war die Stimme der Freiheit und der ersehnten Demaskierung. Mit Marlene an der Hand tastete er sich durchs Dunkel, drückte Äste zur Seite, sie spannten sich wie die Sehnen von Bögen.
„Will? Will, sind Sie das?“
„Ich bin es. Endlich sind Sie angekommen.“
Fritz konnte jetzt die Silhouette von Priest erkennen und das schräg auf den Sand gefahrene Boot, dessen nasse Außenhaut blinkte. „Schön bewölkt heute Nacht“, sagte Priest, „gut für uns.“ Er kletterte aus dem Boot, ein kühler Wind strich am Ufer entlang. Priest reichte Marlene die Hand.
„Freut mich, Sie kennenzulernen, Frau Wiese. Der Mann hier redet über nichts anderes als Sie.“
„Richtig so“, sagte Marlene. „Sie sind mein erster echter Amerikaner.“
Fritz lachte. Er spürte, dass Priest sich wirklich freute, ihn zu sehen. Er reichte ihm die beiden Koffer und Priest verlud sie in dem Boot. Dann half er Marlene hinein, Fritz folgte ihr, das Boot schwankte unter seinen Füßen. Priest stieß es ab, Wasser rauschte geschwind an den Außenwänden entlang und Priest schwang sich mit tropfenden Beinen über die Bordwand. Er setzte sich in die Mitte und griff nach einer Kiste vor seinen Füßen. Im Dunkeln sah Fritz zwei Maschinenpistolen funkeln, Priest reichte ihm eine, das Metall war kühl. „Safari“, sagte er. Die unerklärliche Albernheit Priests war ansteckend. Erlösung lag in dem Boot, Freude. Die Gefahr, die ihnen noch bevorstand, war kaum spürbar. „Haben Sie die geheimen Whiskyvorräte von Allen Dulles getrunken, Will? Der ist nicht immer so, Marlene.“ Marlene lachte leise. „Ist doch nett“, flüsterte sie.
„Haben Sie das gehört, Fritz?“
„Will, jetzt halten Sie die Klappe.“
Langsam und sachte begann Priest zu rudern, er achtete darauf, die Blätter lautlos ins Wasser zu senken und je stetiger das Wasser an dem Boot vorbeirauschte, desto euphorischer wurde Fritz. Er sah Marlene am Bug sitzen, erkannte die Kontur ihrer Wangen und wäre am liebsten zu ihr, um sie zu küssen. Er atmete die kühle gute Luft und sah nach den Lichtern am anderen Ufer. Das Patrouillenboot warf weit entfernt seinen Scheinwerferschleier aus. Jetzt würde alles gut werden. Nur noch diese Strecke über den See, nur noch Wills Ruderzüge und dann abtauchen in ein sicheres Versteck in der Schweiz. Als er im Heck des Bootes saß und Priest ruhig und gleichmäßig die Riemen durchs Wasser zog und Marlene vorne im Bug die Fingerspitzen in den See senkte, kam alles noch einmal wieder. Er lief am Strand von Camps Bay Katrin hinterher, er spürte die Hände der Männer auf seinen Schultern an Bord der „Louisiana“, er sah von Günther zum ersten Mal im Amt und sein eigenes verzerrtes Gesicht, Walter und Käthe lachten ihn an und dann wurde Käthe immer kleiner, ganz grau, die Augen jeglichen Lebens beraubt, er sah die Akten mit Hakenkreuz und Reichsadler und hörte Marlene lachen im kleinen Büro von Frau Hansen, er wurde von William Priest in den Flur gewunken, er traf Allen Dulles und Greta Stone und er beobachtete die Blicke zwischen Weygand und der Gattin von Lützows, er hörte den Jungen in Berlin „Papa, Papa“ schreien und sah Marlene nackt und bloß, er spürte die Steine der Berner Gassen unter seinen Füßen, von Ribbentrop starrte ihn an und Hitler ging durch den Baumschatten an der Wolfsschanze und dann saß Marlene in blauem Mantel vor dem Amt und wartete auf ihn, ganz undeutsch für eine deutsche Dame und es war ihr gleich und auf den Fluren des Weißen Hauses wurde über George Wood geredet und Marlenes gerade, schlanke Nase, die schönste Nase die er jemals gesehen hatte.
Es musste aufgeschrieben werden. Sein Name würde dabei nicht genannt werden müssen, aber die Geschichte des Aufbegehrens gegen die Tyrannei musste gehört werden und die derer, die dafür hatten bezahlen müssen.
Als das Boot am anderen Ufer auf den Sand rutschte und Priest die Riemen einholte, schloss Fritz die Augen. Er hörte Marlenes Stimme. „Ist das tatsächlich die Schweiz?“
„Seien Sie willkommen, gnädige Frau“, sagte Priest. Er kletterte an ihr vorbei aus dem Boot und hielt ihr die Hand hin. Fritz blieb noch einen Moment sitzen und sah sich über die Schulter um. Die Lichter Lindaus glimmten schüchtern in der Verdunklung. Sie kamen ihm vor wie von einem anderen Planeten. Als er an Land trat, fühlte er sich wie ein Entdeckungsreisender, der eine unbekannte Insel betrat.
Priest nahm ihm die Maschinenpistole ab und hing sie sich über die Schulter. Marlene stand an einem Auto und unterhielt sich mit einem grauhaarigen Mann, der eine Pfeife rauchte.
„Mister Wood.“
„Mister Dulles.“
„Ich wusste gar nicht, dass du mir nie deinen wahren Namen gesagt hast“, sagte Marlene.
„George Wood“, sagte er und küsste ihr die Hand.
„Wird sie in Sicherheit sein, Mister Dulles?“
„Das wird sie. Haben Sie vielleicht auch diesmal etwas für uns mitgebracht?“
Selbst jetzt, dachte Fritz. Er zog dünne Papiere aus Taschen und Strümpfen und übergab sie Dulles.
„Das war’s“, sagte er.
„Abwarten“, murmelte Dulles. „Ich war mit all dem hier nicht einverstanden. Mister Priest wird mir ein wenig zu selbstbewusst.“
„Ich habe ihm von dem Lindau-Auftrag erzählt“, sagte Fritz. „Er hat lediglich die Hand ausgestreckt. Wir wären sowieso abgehauen. Hätten es jedenfalls versucht. Ohne Ihre Hilfe, Mister Dulles.“
Sie fuhren durch die Dunkelheit, Marlene und Fritz saßen hinten im Wagen und hielten sich an den Händen. Priest saß am Steuer und Dulles drehte sich ab und an zu ihnen um und erzählte Marlene von Washington und New York und, dass es einen erlesenen, sehr kleinen und absolut hochrangigen Kreis von Menschen in den Staaten gebe, die von George Wood wüssten.
„Ich persönlich habe dem Präsidenten gesagt, Wood ist der wichtigste Spion dieses ganzen Krieges.“
„Dem Präsidenten?“ Marlene sah Fritz an. Es war ihm unangenehm, als Held dargestellt zu werden, das hatte er nie gewollt. Trotzdem kribbelte etwas in seiner Brust und er straffte die Schultern. Marlene drückte seine Hand und sah aus dem Fenster auf einen grau vorbeirauschenden Wald.
„Dem … Präsidenten?“, wiederholte sie. „Von Amerika. Fritz! Wo bin ich denn hier?“
„Bei mir“, sagte Fritz. „Wo bringen Sie uns unter?“
„Da, wo Sie mit Sicherheit niemand vermutet“, sagte Priest.
„Mitten in Bern, Mister Wood“, sagte Dulles. „Eine kleine Wohnung, nichts Besonderes, aber ausreichend. Sie werden die Wohnung nicht verlassen können, aber wir sorgen dafür, dass es Ihnen an nichts fehlen wird. Es sind nur noch ein paar Wochen.“
„Danke, Will. Das ist sehr nett von Ihnen.“
„Wir haben es geschafft, Fritz“, sagte Marlene. „Wir haben es geschafft. Mein Gott, wir werden leben.“
Die Wohnung lag in einem mittelalterlichen Haus auf dem Langmauerweg unweit dem Rauschen der Aare, und nach rechts hin konnten sie die Kornhausbrücke sehen. Zeit existierte nicht in den zwei Zimmern mit dem Kaminofen und der kleinen Küche und obwohl sie beide Menschen waren, die das Alleinsein ab und zu brauchten, standen die Türen immerzu offen und es gab keinen Moment des Überdrusses oder der Langeweile. Sie unterhielten sich, sie lasen oder lasen sich vor, sie kochten und lagen viel im Bett. Fritz hatte seinen Globus aufgestellt. „Jetzt kann die liebe Welt sich wieder besser drehen“, sagte er. Er freute sich an Marlenes Glück. Es schien, dass sie ihr Fortgehen aus der Charité verwunden und damit abgeschlossen hatte, das Gewissen quälte sie nicht mehr, und sie begann zaghaft und dann immer entschlossener über ihre gemeinsame Zukunft zu reden. Zwei Mal in der Woche kam William Priest vorbei, brachte Verpflegung und internationale Presse.
Priest erzählte kaum von der Spionagetätigkeit des OSS. Einmal erwähnte er Greta Stone, er solle Grüße ausrichten. „Die gute Greta ist auf dem Weg zurück nach Europa. Direkt zu Eisenhower an die Westfront, höchste Geheimhaltungsstufe.“
„Wie geht es Greta?“
„Na, wie wohl? Die ist weit vorne.“
„Weit vorne, auf Dauer funktioniert so was nicht.“
„In Amerika schon.“
„Will, bitte.“
„Es ist, wie es ist.“
„Wissen Sie, was aus Weygand geworden ist?“
„Ist ins Reich zurückbeordert worden. Hat sich aber abgesetzt. Ein kleiner Fisch.“
„Und Gehlen?“
Priest zündete sich eine Zigarette an. Jetzt, wo der Krieg zu Ende gehe, fange er an zu rauchen. Verrückt. Er werde sich das schnell wieder abgewöhnen.
„General Gehlen, Will?“
„Geheim, Fritz. Klar? Und lassen Sie in den nächsten Tagen immer schön das Radio laufen. Es kann jetzt nicht mehr lange dauern.“
Um sie herum lagen aufgeschlagene Bücher im Bett. Wurst, Käse und Radieschen kippelten auf einem Teller, der auf einer Lakenwelle stand. Fritz küsste die Außenseite von Marlenes Brust, während sie einen Rest Senf von ihren Fingern leckte.
„Der Wonnemonat Mai beginnt heute“, sagte Fritz.
„Wonne ist gut“, sagte Marlene. Fritz begann, ihre Brustwarzen zu küssen. Aber schon nach wenigen Sekunden drückte Marlene ihn weg. Das hatte sie noch nie getan. Nicht in solch einem Moment. Was war jetzt los? Mit harten Armen presste sie ihn von sich, sie starrte ihn fassungslos an. „Hör mal. Hör, was die da im Empfänger sagen.“
„Der Führer Adolf Hitler ist heute Nachmittag auf seinem Befehlsstand in der Reichskanzlei, bis zum letzten Atemzuge gegen den Bolschewismus kämpfend, für Deutschland gefallen.“
Es dauerte, bis er es fassen konnte, bis sie es fassen konnten. Eine Zeit lang waren sie ganz still, dann tasteten sie nach den Händen des anderen und hielten sie lang und fest.
Er war tot.
„Es ist vorbei, Fritz.“
Langsam stieg Fritz aus dem Bett. Ein Wiederauferstandener. So dachte er es in diesem Moment. Die Worte waren groß in seinen Gedanken und es war ihm gleich. Er spannte die Muskeln an, bis sie zitterten.
Er schrie ein langes Jaaaa in die Wohnung.
„Sie dreht sich zu mir um, Marlene. Sie dreht sich zu mir. Sie winkt.“
„Wer denn, Fritz?“
„Katrin. Meine Tochter.“
„Mein Gott, und wir leben.“
Sie kam aus dem Bett, nackt und bloß und sie umarmten sich und Fritz schloss die Augen und hielt die Frau fest.
Eine Woche später wurden die Urkunden zur bedingungslosen Kapitulation unterzeichnet. Der Krieg in Europa war vorüber.
Fritz und Marlene stießen die Tür zur Straße auf. Sie lachten und umarmten sich im Sonnenschein und sie konnten nicht fassen, dass es vorbei war und dann fassten sie es. Sie verließen ihr Asyl und spazierten durch Bern, wie Fritz es immer gewollt hatte. Die Frühlingssonne scheine nur für sie, sagte Fritz und zeigte Marlene das Haus auf der Herrengasse, wo das geheime Büro des OSS untergebracht war. Er ging mit ihr an der deutschen Gesandtschaft am Willadingweg vorbei. Die Türen standen offen, Kisten stapelten sich im Vorgarten, es roch nach Blüten und irgendwer hatte alle Gardinen abgenommen. Er überlegte, Marlene die Büros von Weygand und von von Lützow zu zeigen, aber er ließ es und zeigte Marlene stattdessen das Hotel am Bubenbergplatz.
„Da hast du also immer gewohnt?“, fragte sie.
Er zeigte auf das Fenster seines Zimmers. „Genau da“, sagte er und es fühlte sich an, als sei das vor Jahrzehnten gewesen.
„Das waren gute Zeiten“, sagte er.
Marlene zog ihn zu sich herum. „Ist nicht dein Ernst, oder?“
„Nein, Quatsch.“ Oder? Ihm war klar bewusst, dass er getragen wurde vom Ende des Krieges, vom Tod Hitlers und der Freiheit, die er jetzt wieder hatte, aber da war noch etwas. Ein Gespür, der Hauch eines Gefühls, der zusammenhing mit dem Zimmer hinter diesem Fenster dort. George Wood. Capa. Gab es den noch? Oder war ein Teil von ihm mit Adolf Hitler zusammen gestorben?
Er rief Eugen Sacher an und sie trafen sich zum Abendessen in einem Restaurant an der Herrengasse. Fritz und er umarmten sich und es war ihnen gleich, dass von vielen Tischen zu ihnen geguckt wurde.
„Schönes Restaurant“, sagte Sacher. Er legte Fritz eine Hand auf den Unterarm. „Fritz Kolbe, Mann, habe ich Angst gehabt.“ Er erzählte, dass er als in Zentraleuropa tätiger Geschäftsmann jetzt viel zu tun habe.
„Da bahnen sich Wahnsinnsunternehmungen an. Ihr könnt euch nicht vorstellen, welches Hin-und-Her an Waren jetzt schon in Gang kommt.“
„Mit Ex-Nazis?“, fragte Fritz.
„Ach, alter Freund.“
„Wir waren in Lebensgefahr, Eugen. Walter und Käthe sind tot und noch ein paar Millionen andere.“
„Ich weiß das doch. Aber es geht weiter. Wie immer. Das ist doch schön so.“
„Weiter geht es, wenn ein Kapitel abgeschlossen ist.“ Marlene griff nach seiner Hand. Er war überzeugt, dass Marlene seiner Meinung war, aber sie wollte jetzt nicht streiten und das verstand er. Vielleicht war es nicht richtig, jetzt auszuweichen, aber der Hammerschlag der Kriegsmüdigkeit war groß, und Fritz wollte Marlene in der Ruhe und dem Genuss des Essens nicht stören. Er küsste ihre Wange und winkte dem Kellner nach mehr Weißwein zum Fisch. Sacher, der das Einverständnis zwischen Fritz und Marlene zu erahnen schien, sagte nur noch, dass er natürlich keine Geschäfte mit Ex-Nazis betreiben werde.
„Erkenne die erst einmal“, sagte Fritz.
„Da muss sich ein Freund von mir aber mehr Sorgen machen.“
„Bitte, Männer, bitte“, sagte Marlene. „Jetzt ist Schluss.“
Am nächsten Tag rief William Priest an und bestellte Fritz in die OSS-Zentrale an der Herrengasse. Fritz fragte, ob er Marlene mitbringen dürfe. „Fritz, reden Sie doch keinen Scheiß, Mensch. Natürlich nicht,“ sagte Priest und hängte auf.
Fritz kannte die Räume nur still und mit Greta Stone, Priest und Dulles. Jetzt klingelten etwa ein Dutzend zusätzlich installierte Telefone, über deren Kabel wahllos Teppiche und Läufer gelegt waren. Zwanzig Männer, viele von ihnen in Uniform, redeten durcheinander, reichten Hörer hin und her und blätterten durch Akten.
Dulles sagte, er freue sich auf ein neues, stets verschlossenes Büro in Berlin und danach in den Staaten. Er saß an seinem Schreibtisch, blickte missbilligend auf die Männer und sog an seiner erloschenen Pfeife.
„Ganz im Vertrauen, Mister Wood …“
„Kolbe.“
„Hm?“
„Kolbe, Fritz Kolbe.“
„Nun, ganz im Vertrauen, das hier“, Dulles benutzte die Pfeife als Zeigestock, „das ist nichts für mich. Konzentration erfordert eine kleine Gruppe von Menschen, die einer großen Gruppe sagen, was sie tun soll.“
Priest nahm Fritz beiseite.
„Wir haben noch einige Aufgaben für Sie. Sie werden offiziell eingestellt. Kriegen Dollars. Genaueres erfahren Sie in den nächsten Tagen. Aber hören Sie, Fritz: Halten Sie sich bedeckt. Wooldrige vom MI6 war noch einmal bei uns, Sie wissen, der Brite. Der ist immer besessener von dem Gedanken, dass es ein dickes Leck direkt in London gibt. Die Briten haben längst erkannt, dass Sie eine Topquelle waren und sind, aber die sind auch davon überzeugt, dass der neue Feind jetzt noch heftiger die Finger nach Ihnen ausstrecken wird. Es ist ein heilloses Durcheinander. Berlin, Bern. London, Washington, Moskau. Wien, ganz neu auf dem Markt. Da blickt im Moment niemand durch.“
„Aber ich kann jetzt endlich Katrin kontaktieren?“
Priest schüttelte den Kopf. „Warten Sie noch. Es war sehr klug von Ihnen, Ihre Tochter aus all dem herauszuhalten. Warten Sie noch. Es ist zu chaotisch. Wenn sich erste Strukturen herausbilden, wenn wir unsere Position bestimmt und eingenommen haben, dann, Fritz, dann. Sie haben das jetzt so lange durchgehalten. Lassen Sie Katrin noch raus.“
„Haben Sie ihr denn eine Botschaft zukommen lassen?“
„Natürlich.“ Priest legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Sie haben sich mächtig viele Feinde gemacht. Diese Feinde, jedenfalls einige von ihnen, stehen jetzt auf völlig neuem Boden. Die reagieren anders, die denken anders. Ich weiß, dass sich das alles ziemlich verworren anhört, aber genau so ist es im Moment. Also, Fritz, geduckt bleiben.“
„Ich habe die Schnauze voll davon, Will.“
„Ist egal.“
„Und Marlene?“
„Eine Frau an Ihrer Seite ist ein Druckmittel.“
Fritz fluchte.
„Hier in Bern sollte alles klar sein. Tanzen Sie nur nicht auf zu vielen Partys.“
Priest drückte Fritz die Hand. „Übrigens“, sagte er, „sie ist eine tolle Frau.“
„Und diese Nase, Will. Meine Güte. Aber im Ernst, ohne Marlene hätte ich es nicht geschafft.“
Fritz drängte sich zwischen den Männern hindurch in das ehemalige Büro von Greta Stone. Ein junger Leutnant redete ihn leise an.
„Verzeihen Sie bitte, Sir, sind Sie George Wood?“ Fritz sah sich um, ein weiterer Mann blickte ihn an, in der Tür stand William Priest. Will schien seine Unentschlossenheit zu erkennen, kam zu ihm und seine Lippen berührten beinahe Fritz’ Ohr. „Kein Wort.“
Der Leutnant lächelte fast schüchtern. Etwas an ihm erinnerte Fritz an Horst Braunwein.
„Es ist mir eine Ehre“, sagte Fritz. Priest stöhnte.
„Und mir erst, Mister Wood.“ Der Leutnant schüttelte ihm die Hand. „Großartig. Wirklich großartig.“
Als Fritz den Raum und das Schrillen und die Stimmen verlassen wollte, hörte er den anderen Mann murmeln.
„Verräter.“
Fritz drehte sich um, ging auf den Mann zu und schlug los.
Kein Schattenboxen mehr, keine imaginären Nazischergen. Ein junger, klargesichtiger, uniformierter Amerikaner, der plötzlich eine Faust da hatte, wo seine Lippen sein sollten.
Fritz schloss die Tür hinter dem Wort, den zu Puppen erstarrten Männern und dem stöhnenden Mann mit dem gesprungenen Blutmund, ging die Treppe hinab, nahm nicht den Haupteingang zur Herrengasse sondern ging durch den Flur zur Gartenpforte. Hier hatte William Priest ihn bei seinem ersten Bernbesuch empfangen, hatte im Dunklen gestanden und ihn zu sich gewunken in eine andere Welt.
Ich bin von dort aus schnurstracks in eine Zeitungsredaktion und habe mich zum Chefredakteur durchgefragt. Dem habe ich gesagt, ich hätte eine 1-A-Spionagegeschichte zu liefern. Nur mein Name dürfe nicht genannt werden.
Das war nicht so klug, sagt Veronika Hügel.
Fritz sieht aus dem Nachtfenster, das Licht der Lampe spiegelt sich darin und das bewegliche Orange hinter den Gittern des Kachelofens.
Ich weiß, sagt er.
Ich habe mit dem Reporter gesprochen, sagt Wegner. Er diente im Krieg in einer Freiwilligenbrigade. Hat gegen die Nazis gekämpft und den linken Arm verloren. Der Mann war eine Ausgeburt an Wut. Dem haben Sie berichtet, Herr Kolbe?
Als ich das Büro der Amerikaner verließ und hörte, dass mich dort jemand Verräter nannte … Ich habe Ihnen doch erzählt, wie früh mir der Gedanke kam, meine Geschichte müsse aufgeschrieben werden. Immerhin hat sich dieser Reporter dar auf eingelassen, die Veröffentlichung hinauszuschieben und meinen Namen geheim zu halten. Mir ging es gut, als ich es endlich erzählt hatte. Nicht alles, nie alles. Nichts Persönliches, nichts über die Braunweins oder von Lützow, nichts über Marlene. Aber die groben Züge meiner Spionagetätigkeit. Es musste raus, verdammt noch mal.
Ich kann Sie verstehen, Herr Kolbe, sagt Veronika Hügel.
Wo ist Marlene?, fragt Wegner. Fritz sieht ihn an, im Lampenlicht wirkt das Gesicht des jungen Mannes gelblich, seine Augen sind dunkle Murmeln.
Sacher hat es Ihnen erzählt, oder? Er hat Ihnen gesagt, was passiert ist. Er macht sich Sorgen um mich, richtig?
Veronika Hügel und Wegner zünden sich gleichzeitig eine Zigarette an und nebeln sich ein. Fritz sortiert die Papiere und will sie in den Schrank zurückräumen. Er hält inne, klappt die Schranktür wieder zu und öffnet das Glutmaul des Ofens.
Sie haben alles, was Sie brauchen?, fragt er.
Haben Sie alles, was Sie brauchen, Herr Kolbe?, fragt Veronika Hügel.
Fritz begreift nicht, warum die beiden jungen Leute ihm so zugetan sind. Aber das sind sie, jeder auf seine Art. Sie mögen ihn, sie nehmen Anteil, warum auch immer.
Ich werde versuchen, es mir wiederzuholen, sagt Fritz.
Warum hat sie Sie verlassen?, fragt Veronika Hügel.
Fritz setzt sich, Papiere auf dem Schoß, Erinnerungen im Körper, Stille.
General Gehlen, sagt er, stellte sich in Süddeutschland den Amerikanern. Er forderte, mit einem hochrangigen Offizier zu sprechen. Als Dulles davon hörte, ist er sofort aus Bern abgereist. Gehlen wurde in die Staaten gebracht, zusammen mit einigen anderen. Er sagte, er habe Hunderte Kisten mit Geheimmaterial über die Russen in den Alpen versteckt. Er wurde monatelang verhört. Dulles erzählte mir später davon. Er sagte, der Mann sei wirklich gut, der sei auch kein Nazi, sondern erstaunlich unpolitisch, lediglich im Kommunismus sehe er den Feind. Alles andere sei ihm gleich, Gehlen sei ein Diener und ein großer Geheimdienstmann, hoch professionell, sehr klug, geradezu unverzichtbar. Es war genau, wie Musorksky vorausgesagt hatte. Ich sagte Dulles, Gehlen sei ein überzeugter Nazi. Nein, sagte Dulles, der sei nur von seiner Arbeit überzeugt. Die Richtung würden die Amerikaner vorgeben.
Ich arbeitete dann einige Zeit für den OSS in Berlin, sammelte Material gegen Nazis, koordinierte sogar eine kleine Dienststelle, wurde aber nach recht kurzer Zeit wieder abgezogen. Berlin sei zu gefährlich für mich, meinte Priest, wegen der Russen. Ich bin auf einem Schiff mit Marlene nach Amerika gereist, war zu Gast bei Dulles. Der hatte allerdings kaum Zeit für mich. Wegen der Untätigkeit und auch wegen Marlene, die nicht wusste, was wir in den Staaten sollten, bin ich mit ihr auf eigene Faust zurück nach Deutschland. Mittlerweile war der Artikel dieses einarmigen Mannes erschienen. Sie können sich denken, dass es für einige Leute nicht schwer war, herauszufinden, wer dieser ominöse Aktenschmuggler aus dem Amt gewesen ist. Der Name Fritz Kolbe wurde bekannt. Priest war in Berlin zu dieser Zeit. Er sagte nur: Verdammt, Fritz, was machen Sie denn? Sind Sie verrückt geworden?
Und Marlene, fragt Veronika Hügel. Was hat Marlene denn dazu gesagt?
Sie warf die Zeitung auf den Tisch. Das Papier stieß gegen ein aufgerissenes Päckchen amerikanischer Zigaretten, einzelne weiße Stäbchen rollten über die Platte. Durch das geklebte Fenster schien die Sonne auf die zusammengetragenen Möbel und den pappedünnen Teppich und die paar Bücher, die überlebt hatten. Marlene stemmte die Hände in die Hüften. Sie stammelte, fand keinen Satz, mit dem sie beginnen konnte, nahm die Zeitung wieder auf und warf sie Fritz in den Schoß.
„Seite drei“, sagte sie.
Fritz überflog den Artikel, zwei weitere Teile würden folgen. „Der Spion, der Hitler verriet.“ Auf einer Schwarz-Weiß-Zeichnung beugte sich ein glatzköpfiger Mann mit Hakennase über einen spärlich beleuchteten Schreibtisch, an dem Tisch saß ein älterer Mann in Anzug, hinten in einer dunklen Ecke stand ein weiterer Mann. Der Glatzköpfige drückte den Finger auf eine an den Rändern eingerollte Landkarte. „Bombardieren Sie“, stand unter dem Bild.
„Ich habe keine Glatze“, sagte Fritz. Marlene stampfte auf. Sie schrie ihn an. Das hatte Fritz nie zuvor erlebt, er wurde weich in seinem abgeschabten Sessel, er suchte Marlenes Blick.
„Ich dachte, du wolltest kein Held sein!“ Sie schlug nach der Zeitung. „Was ist das, Fritz? Was?“
Marlene riss ihren Schwesternkittel vom Haken. „Seit ein paar Monaten habe ich wieder eine Arbeit.“
„Mir geben die keine. Die Deutschen jedenfalls nicht.“
Sie zündete sich eine Zigarette an und wies mit den Fingern, zwischen denen die Zigarette steckte, auf sein Gesicht. „Wir haben diese Wohnung hier gefunden. Im kaputten Berlin-Charlottenburg. Weil ich Krankenschwester bin. Zwei Zimmer, auch wenn die Zwischenwand nur ein Vorhang ist. Wenn wir wollen, können wir durch den ebenso kaputten Schlossgarten spazieren. Endlich gibt es ein wenig Ruhe, eine winzig kleine Zukunftsperspektive. Und du?“ Sie fluchte und schlug die Tür hinter sich zu. Fritz starrte auf die Zeichnung. Um nichts in der Welt hatte er Marlene verstimmen wollen. „Ich will Gerechtigkeit“, sagte er, als stünde sie noch vor ihm. Er rief William Priest im OSS-Büro nahe der Gedächtniskirche an. Als Priest seinen Namen hörte, wurde seine Stimme unwirsch. „Greta war hier“, sagte er. „Wissen Sie, was sie gesagt hat?“
„Sie werden es mir sicher mitteilen.“
„Dummer Fritz Kolbe.“
„Ich dachte, Fritz Kolbe sei tot.“
„Jetzt lebt der wieder.“
„Ihr könnt mich alle mal“, sagte Fritz und schlug den Hörer auf die Gabel.
Ich sagte für die Nürnberger Prozesse aus. Wenn Priest in meiner Nähe war, kniff er immer wieder die Lippen zusammen, da stimme etwas nicht, sagte er. Ich streckte die Finger aus nach Arbeit in den neu entstehenden Abteilungen der Verwaltung und den Vorläufern eines neuen Auswärtigen Amtes. Dann kam alles zurück. Von Lützow wurde zu einem Anti-Nazi stilisiert, der durch seltsame Ereignisse in Bern in den Selbstmord getrieben worden sei. Ehemalige Beamte des AA, denen die Untersuchungshaft auf die Gesamthaft angerechnet worden war und die jetzt wieder in Position gingen, bezogen Stellung gegen mich. Weygand und von Lützows Gattin spielten irgendwie da rein, obwohl Weygand nicht nach Deutschland zurückgegangen war, wie Sie mir ja bestätigten, Herr Wegner. Es dauerte nicht lange und ich galt als Vaterlandsverräter und Mörder. Die Feindschaft zwischen den Russen auf der einen und den Westalliierten auf der anderen Seite wurde immer deutlicher, Berlin immer heißer.
Wissen Sie, was von Günther gesagt hat, Herr Kolbe? Halten Sie sich fest, sagt Wegner. Von Günther hat als einer der Wenigen eine gewisse Mitschuld eingestanden und bekam ein sehr mildes Urteil, weil ihm keine Teilnahme an Verbrechen nachgewiesen werden konnte. Als dann für eine Zeit das Thema Fritz Kolbe aufflammte, hat er Sie zum Helden stilisiert. Er hat gesagt, dass er es nicht gewagt hätte, so zu handeln, wie Sie es getan haben. Aber, warten Sie, ich habe das hier irgendwo, ja, hier, ich zitiere:
„Ich wusste sehr früh, was Herr Kolbe tat. Es muss ihm klar gewesen sein, dass er nicht direkt unter meinen Augen streng geheime Akten aus dem Amt entfernen und den Amerikanern übergeben konnte. Ich will keinesfalls sagen, dass mein Tun mit dem Herrn Kolbes vergleichbar ist, ich hatte nicht die Kraft dieses Mannes, mich gegen Hitler aufzulehnen. Aber, und das möchte ich erwähnen dürfen, ich war es, der Herrn Kolbe den Rücken freigehalten hat. Er wusste das nicht, ich habe ihm auch nie gesagt, was ich alles getan habe, damit er agieren konnte. Wenn Sie also gestatten, und ich bitte das nicht falsch zu verstehen, wenn Sie gestatten, könnte man also sagen, dass ich der direkte – der unsichtbare – Gehilfe von Fritz Kolbe gewesen bin. Die Tragödie dieses Mannes liegt natürlich darin, dass er aus seiner Position im Amt heraus nicht den Überblick haben konnte, den jemand wie ich hatte. Was dann in Bern geschehen ist, als Herr Kolbe den Gesandten von Lützow unter Druck setzte, beruhte auf fürchterlichen Fehleinschätzungen seitens Fritz Kolbes. Ein großer Mann, der im falschen Spiel die falschen Schlüsse zog. Was nun die Bemühungen Herrn Kolbes betrifft, in der neu entstehenden Verwaltung Deutschlands wieder Fuß zu fassen … es ist ein heikles Thema, zu dem ich mir in aller Bescheidenheit kein Urteil anmaßen möchte. Ich habe für meine Taten gebüßt. Ich versichere Ihnen, dass gerade wir Männer im Auswärtigen Amt doch immer ein kleines Bollwerk gegen die Auswüchse des Nationalsozialismus gewesen sind. Tragischerweise könnte man fragen, ob Fritz Kolbe sich die richtigen Freunde innerhalb dieses Systems gesucht hat.“
Fritz starrt Wegner an. Das Herz pumpt ihm in der Brust. Er springt vom Stuhl auf, er will etwas zertrümmern.
„Das hat der gesagt?“
Wegner hält ihm das Papier mit der Aussage hin.
Fritz zerrt es ihm aus der Hand und zerreißt es. Er tritt die Ofenluke auf und wirft die Schnipsel in die Glut.
„Dieses verfluchte, feige Schwein!“, schreit er.
„Er ist jetzt Rechtsanwalt in Mannheim. Lebt immer noch mit seiner Frau und den Kindern zusammen.“
Fritz schlägt die Hände vor das Gesicht. Aus der Vergangenheit hört er wieder den Ruf: Kolbe? Kolbe!
„Der hat mir also den Rücken freigehalten“, stammelt Fritz. „Der mir? Dieser gottverdammte Scheißkerl.“
Er setzt sich wieder, schüttelt den Kopf.
„Stimmt es, dass man nie herausgefunden hat, wer dann diesen Anschlag verübt hat?“, fragt Veronika Hügel.
„William Priest hat alles versucht“, sagt Fritz mit gesenktem Kopf. „Er ist überzeugt, dass deutsche Finger im Spiel steckten, aber er hat nie Beweise gefunden. War ja mit daran beteiligt, als die Amerikaner Gehlen auf den Thron gesetzt haben. Die Organisation Gehlen ist schon 1946 von den Amerikanern finanziert worden, satt finanziert. Gehlenleute, die Russen, alte Seilschaften, die Angst vor meinem Wissen hatten? Priest sagte, ich solle mit Marlene für einige Wochen raus aus Berlin, da seien Dinge im Gange, die ihn stark beunruhigten. Wir hatten unsere Wohnung gerade hübsch gemacht, in den Trümmern Berlins, vielleicht die größte und absurdeste Baustelle, die die Welt je gesehen hatte. Wir fanden in ein Leben hinein, in dem keine Bomben fielen, keine Leichen auf den Straßen lagen. Es war eine seltsame Atmosphäre, als das Leben zurückkehrte in diese vollkommen verwüstete Stadt, wie Menschen vor einem Café saßen und um sich herum nur Schuttberge und Lastkarren auf Schienen und all das. Wir konnten es nicht richtig fassen. Aber wir lebten. Hitler war tot, keiner war je ein Nazi gewesen – und wir lebten. Wir liebten uns zum ersten Mal im Frieden. Die Hoffnung auf das Kriegsende war zur Realität geworden. Marlene, sie war so glücklich. Wir lebten bescheiden, aber das machte nun wirklich gar nichts. Ich weiß noch, dass mitten auf unserem kleinen Wohnzimmertisch mein Globus stand, der, den Marlene geklebt hatte. Der, der hier in der Hütte steht. Priest also, der gute Will, er drängte mich, Berlin für eine Zeit zu verlassen, zusammen mit Marlene. Sie wollte nicht. Sie war furchtbar böse auf mich wegen dieses Artikels. Mein Gott, sie hatte ja recht. Aber ich habe sie überredet. Hätte ich das nicht getan, wäre sie in Berlin geblieben, dann wäre alles anders gekommen.“
Er geht in die Küche, lässt Wasser in den Kessel laufen und setzt ihn auf die Gasflamme. Er bereitet die Teekanne vor und stützt sich auf dem Tisch ab. Nachdem es passiert war, hatte er von allem Abstand gehalten. Was Wegner ihm gerade zitiert hat, kannte er nicht. Von Günther habe ihm den Rücken frei gehalten. Er zieht die Schublade auf, die Küchengeräte darin scheppern und er sieht den Revolver an. Es stimmt alles nicht. Er hat lange gebraucht, bis er begriffen hat, dass die Lüge und das Sich-Verstellen ihm zum zweiten Ich geworden waren, so wie er es damals in jenem Zeitungsbericht über Sigmund Freud gelesen hatte. Die ganze Spionagetätigkeit war viel tiefer in ihn hineingewachsen, als er wahrhaben wollte, tiefer, als er es zu erkennen vermochte. Als er Veronika Hügel und Wegner sagte, Marlene sei zum Einkaufen in Bern, hat er sich selbst geglaubt, er hat sich vertraut. Dieser Satz war so klar und unmissverständlich gewesen, als hätte er gesagt, der Himmel ist blau oder der Bach rauscht. Unumstößlich. Alles fließt ineinander, von Günthers Aussage, die Geschehnisse in Süddeutschland, seine Erinnerungen an die Prothesen in Marlenes Charité-Zimmer.
Wasserdampf stößt aus dem Kessel, Fritz gießt den Tee auf und holt Tassen aus dem Schrank und eine antike Zuckerschale aus Porzellan. Himmel, ja, Sacher hatte ihn zum Psychiater schicken wollen. Um Gottes willen. Mit einem Tablett in den Händen geht er in die Stube zurück, es ist warm dort durch das Feuer, in dem die papierenen Dokumente seiner Erinnerungen brennen.
„Priest gab mir den Auftrag, mich vorübergehend in Kempten einer Einheit anzuschließen, die Nazis identifizierte und auch das weniger wichtige Material von General Gehlen sichtete, ordnete und an Dulles in Berlin weitergab. Will meinte, zwei, drei Wochen würden reichen, dann hätten sich die Wogen geglättet.“
Er erinnert sich jetzt klarer, die Mauern in ihm sind so weggebombt wie die Häuser Berlins, vom Erinnerungshimmel regnet es Steine und die Brocken krachen auf die Erde, sinken ein und dann ist es still.
„Wir sind von der Straße abgedrängt worden“, sagt er. „Von einem anderen Auto. Einen Hang hinab, alles überschlug sich, wirbelte. Ich hörte Marlenes Schreie. Es ging immer weiter, alles verbog sich um mich herum, mal war Licht, dann Dunkelheit, mal war der Himmel oben, dann unten. Glas regnete, es sah aus wie Diamanten. Der Wagen krachte gegen einen Felsen, wackelte noch und lag dann still, irgendetwas zischte, als atme jemand ganz lang aus. Ich war eingeklemmt, ich konnte mich nicht zu Marlene umdrehen. Verstehen Sie? Ich hörte sie, Marlene, verstehen Sie? Ich spürte ihr Leid, ihren Schmerz, sie flüsterte meinen Namen, aber ich konnte mich nicht umdrehen. Ich hörte Schüsse. Kurz darauf drang eine Stimme zu mir, die mir so vertraut war. Es war Will. Ich schrie ihn an, er solle zuerst Marlene rausholen, zuerst Marlene.“
Fritz schreit: „Marlene! Marlene!“
Er springt auf, der Stuhl stürzt. „Es ist alles da. Alles.“
Die Zeit steht oder überlappt sich, in Fritz schreit Chaos und ist Ruhe. Er starrt die Bilder und Schriften an der Hüttenwand an, sein Leben, seine zwei Leben oder noch mehr.
„Bitte verzeihen Sie, ich rede die ganze Zeit über jemanden, der ich nie sein wollte“, sagt er.
„Größtenteils“, sagt Veronika Hügel.
„Ja, vielleicht größtenteils, schlimm genug. Ich dachte, ich tue etwas Unvergessliches. Aber, nun, der Einzige, der es nicht vergessen hat, bin ich.“
„Nein“, Herr Kolbe. „Sind Sie nicht“, sagt Veronika Hügel. Wegner hebt den Stift. „Der vergisst gar nichts“, sagt er.
„Ich weiß nicht, was dann geschah“, erzählt Fritz. „Als Will mich aus dem Auto zog, verlor ich das Bewusstsein. Ich bin erst in einem Krankenhaus wieder aufgewacht.“
Er trug einen turbanartigen Verband um den Kopf, sein linkes Bein war geschient, die Hände dick verbunden. Es war schwer, eine Tasse zwischen diesen Händen zu halten. Doch Fritz ging jeden Morgen über den Krankenhausflur in die andere Abteilung und brachte Marlene eine Tasse Kaffee. Er sah aus den Fenstern auf die hügeligen Wiesen des Allgäus hinaus. Grüne Wellen vor Himmelblau. Sein Herz raste wie zu den gefährlichsten Zeiten in Bern oder Berlin. Marlenes Bett stand so, dass sie hinaussehen konnte. Betrat er ihr Zimmer, drehte sie den Kopf zum Fenster und er sah die Morgensonne auf ihrem Gesicht. Er stellte ihr den Kaffee hin und versuchte, mit ihr zu reden. Marlene sagte kein Wort. Wandte sie sich ihm dann nach einigen Minuten zu, schwammen ihre Augen in Tränen. Fritz wusste seit Tagen von ihrem Zustand, aber er blieb in vollkommener Fassungslosigkeit gefangen.
„Es tut mir so leid, Marlene“, sagte er. Sie drehte den Kopf wieder zum Fenster und sah hinaus, die Haut über ihrem Wangenknochen spannte sich. Fritz erkannte ihre Sehnsucht nach Frieden.
„Rede mit mir, Liebste. Bitte. Sag was. Irgendetwas. Schrei mich an. Verfluche mich. Aber sag doch bitte etwas.“ Sie trug einen grauen Krankenhauspyjama, zugeknöpft bis oben hin. Die Bettdecke war weiß. Da, wo Marlenes linkes Bein hätte sein sollen, lag sie flach.
„Marlene, es war … es war wie ein Reflex. Als dieser amerikanische Offizier mich einen Verräter nannte, da …“ Seine bandagierten Hände zitterten.
„Ich hab das doch nicht gewollt, Marlene. Ich liebe dich doch.“
Sie wischte sich über die Augen.
„Ich liebe dich“, sagte er. „Ich liebe dich.“
„Ich weiß, Fritz.“
„Es war doch nur ein einziger Moment“, weinte er. „Ich habe doch nur ein Mal, ein einziges Mal an mich gedacht.“
Er versuchte, sich mit den zu Stümpfen gebundenen Händen die Augen zu wischen.
„Katrin wird dich lieb haben, Marlene.“
Sie sah ihn an und lächelte. Er kniete sich vor ihr Bett und sie streichelte sein lichtes Haar.
„Ich liebe dich doch auch, Fritz.“
„Wirklich?“
„Ja. Ich liebe dich.“
Sie nahm die Hand von seinem Kopf und zeigte auf ihn.
„Ich will leben, Fritz. Leben.“
Sie griff in seinen Nacken, zog ihn heran und küsste ihn. „Du hast uns verraten.“
Am nächsten Tag war sie fort. Eine Krankenschwester gab Fritz einen Brief, der für ihn abgegeben worden sei – von einer sehr lustigen Frau.
„Lieber Fritz,
über Schuld zu reden, das ist nicht so meins. Ich glaube nicht so recht
daran, jedenfalls nicht bei Menschen wie Ihnen, Marlene oder mir –
auch nicht bei Jimmy, dem amerikanischen Soldaten, mit dem ich in
diesem komischen Berlin um die Häuser ziehe. Er ist ein ganz
hinreißender Kerl. Aber was ich sagen wollte, in all dem, was jetzt
wieder passiert ist: Ich achte auf Ihre Marlene und wenn Sie mir sagen,
wie und wo ich Sie erreichen kann, dann schreibe ich Ihnen immer mal,
wie es ihr geht. Und natürlich schreibe ich Ihnen, wann meiner Ansicht
nach der Moment gekommen ist, in dem Sie es mal wieder bei ihr
versuchen sollten. Sie liebt Sie wirklich. Glaube ich. Es war alles zu viel.
Wer sollte das nicht verstehen können? Mensch, Fritz, Marlene und Sie –
was Sie sich getraut haben!
Machen Sie sich nicht allzu viele Gedanken, lieber Fritz. Herzliche
Grüße,
Gisela.“
So etwas passiert, wenn man in meiner Nähe ist.
Herr Kolbe, nein, sagt Veronika Hügel.
Wegner hat alles mitgeschrieben, er sieht Fritz an und nippt an der Teetasse. Er will etwas sagen, aber er schafft es nicht. Er trinkt Tee. Eigentlich besser als Bier, sagt er. Priest war uns nach einigen Tagen gefolgt. Ein Informant in Berlin hatte ihm gesteckt, einige Leute wären sehr unruhig wegen Fritz Kolbe. Wieder nichts Genaues. Wer in dem Auto war, hat er nicht erkennen können. Er hat geschossen. Der Wagen wurde einen Tag später völlig ausgebrannt gefunden, keinerlei Spuren. Will hat noch lange versucht herauszufinden, wer hinter dem Anschlag steckte. Aus der Organisation Gehlen kamen leise Andeutungen, es könne ein Unfall gewesen sein, mit Fahrerflucht. Jedenfalls stellte man von dort aus keine Untersuchungen an, sagte nur, man freue sich, dass niemand getötet worden sei. Mein Gott, stellt euch das vor: Ich weiß bis heute nicht, wer versucht hat, mich und Marlene umzubringen. Ich weiß es nicht. Irgendwo sitzen die Leute, die es wissen, irgendwo sitzen die, die es waren. Kurz nach dem Anschlag wurde in Deutschland noch einmal der Druck gegen mich erhöht. Ich hatte in meiner Heimat keine Chance mehr. Dann kam Eugen Sacher, er hat mich …
Aufgefangen?, fragt Veronika Hügel.
Es ist schwer für einen Mann, das zu sagen, sagt Fritz.
Irrtum, Herr Kolbe. Sie können das. Sie tun das.
Eine ungeheure Müdigkeit überfällt Fritz, sie macht seine Arme und seine Brust weich und das Sehen schwer.
Bleiben Sie, sagt er. Ich muss jetzt ins Bett. Nehmen Sie die beiden Kammern oben.
Sein Schlafzimmer ist so klein, dass um das Bett herum nur ein schmaler Pfad existiert. Fritz starrt in die Dunkelheit, hört manchmal Bewegungen der Bäume durch das offene Fenster und den Wind und er atmet die gute Luft und denkt an seine Liebe zu Marlene Wiese mit dem silbernen Bein und an Katrin, die irgendwann eine obskure, anonyme Nachricht bekommen hat, sie solle nicht glauben, was sie über ihren Vater hören werde – und bei der Nachricht lag ein Paket, voll mit Blechdosen, in denen sich Bodenproben befanden, Berlin, Paris, Bern. Wolfsschanze.
Er ist lange vor den jungen Leuten auf und bereitet ein Frühstück, trinkt eine Tasse Kaffee vor der Hütte. Die Sonne scheint, das Tal liegt grün und schwingt sich an den Hängen hoch.
Als Wegner und Veronika Hügel sich zu ihm setzen, unterdrückt Fritz ein Grinsen. Er ist sehr sicher, dass er die beiden in der Nacht gehört hat, nicht ganz sicher, aber ziemlich.
Die Sonne scheint, sagt er.
Kann ich ein Foto machen? Von Ihnen hier vor der Hütte?
Klar.
Nachdem Veronika Hügel ihre Kamera geholt hat, stellt Wegner sich zu ihr, ihre Schultern berühren sich, die beiden jungen Leute sehen Fritz an, Veronika Hügel durch die Kamera. Sie flüstern miteinander und lachen. Fritz spürt das Holz der Hüttenbalken am Rücken und die Sonnenwärme auf seinem Gesicht, er riecht den Kaffee und das Land. Er hört die Kamera klicken. Wegner setzt sich zu ihm, Veronika Hügel sieht in die Landschaft.
Ich werde mir Zeit lassen, Herr Kolbe. Ich werde einen erstklassigen Bericht schreiben, verlassen Sie sich darauf. Und bevor ich den veröffentliche, schicke ich ihn an Sie, einverstanden? Ich will viel mit diesem Bericht, aber ich will zuvor Ihre Zustimmung.
Gut, Herr Wegner. Ich weiß nicht, wo ich sein werde, aber Eugen Sacher wird jederzeit einen Kontakt herstellen können.
Eine halbe Stunde später hält Eugen Sachers Auto vor dem kapitulierenden Tor. Sacher steigt aus, nimmt den Hut ab und lacht. Fritz und er sehen sich an. Eugen Sacher öffnet fragend die Hände, er steht da und ist zugleich Bitte um Verzeihung als auch Aufforderung.
Alles?, fragt er.
Alles, sagt Fritz. Er blinzelt Sacher gegen die Sonne an.
Die beiden wussten etwas mehr, als sie wissen sollten, Eugen, sagt er. Sacher hebt die Hände.
Es waren nur Andeutungen, Fritz. Und jetzt?
Ich steige jetzt auf diesen Berg da, sagt Fritz. Du bleibst hier und kochst etwas Anständiges, kräftig und deftig. Wenn ich heute Abend zurück bin, habe ich Hunger, Eugen. Richtigen Hunger. Morgen nimmst du mich mit nach Bern. Dann fahre ich mit dem Zug nach Berlin. Ich werde Marlene holen. Ich liebe diese Frau. So sehr, das reicht für zwei. Ich hole Marlene raus aus Deutschland. Sie muss zu mir.
Deutschland braucht Zeit, sagt Veronika Hügel.
Ja, sagt Fritz. Nach all dem.
Er klopft sich auf die Schenkel, sieht die drei Menschen nacheinander an.
Ich werde endlich Katrin in Afrika anrufen. Sie wird gut auskommen mit Marlene. Wie sagte …
Wie sagt Marlene immer? Leben.
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