Prosastücke

Robert Walser · Kapitel 12 von 19

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Prosastücke

Berta.

B e r t a .

 

Berta arbeitet als fleissige Angestellte im Kontor einer Fabrik. Ihr

Vorgesetzter, ein allerdings leider Gottes schon etwas ältlicher Herr, sehr galant

natürlich, spielt, so ist mir neulich zufälliger Weise zu Ohren gekommen, da er

den Tag über mit ihr in Berührung kommt, den Liebhaber bei ihr. Einmal tut er,

als sei er verliebt in sie bis über die Ohren und ein anderes mal wieder gebärdet

er sich wie der gestrenge Herr und Meister und behandelt das ganz gewiss nette

Mädchen mit ausgesuchter Kälte. Ist das nicht entweder ein Schlaukopf oder

aber einer, der nicht weiss, was er will. Heute ist er ein Verehrer und morgen ist

er ein Verächter des weiblichen Geschlechtes, je nachdem es ihm zu passen

scheint. Gewiss steht dieser Herr keineswegs in seiner Art einzig da, es gibt ihrer

mehr, die es genau so oder ähnlich machen. Zu der und der Stunde möchte er sie

vor lauter Verliebtheit auf den Händen tragen, ihr vielleicht gar die Hand

kniefällig küssen; zu einer andern Zeit hingegen scheint er sich besonnen zu

haben und alsdann kommt sie ihm nicht anders als ein armes Tröpfchen vor, das

nicht wert ist, auch nur flüchtig mit einiger Freundlichkeit und Achtsamkeit

betrachtet zu werden. O, so ein Schurke, so ein Hauptkerl! Bald ist er Herr, und

bald ist er Diener bei ihr, bald schnauzt und knurrt er sie mit groben

Vorgesetztentönen an; bald bettelt er mit flehender Miene und Stimme wieder

um Gnade, ganz je nachdem er geruht, aufgelegt zu sein. Sollte es nicht als

Verdienst und als wichtige Aufgabe gelten, dass jemand, der diese Art von

Arbeit über sich zu nehmen entschlossen wäre, dem wetterwendischen Halunken

einen gehörigen Puff gäbe. Gewiss sind hunderte von Menschen ganz meiner

Meinung, wenn ich sage, dass der Spitzbube zehntausend Rippenstösse

verdiente. Geht auf Verehrersfüssen und gleichzeitig noch auf andern Füssen. Ist

er etwa ein Vierfüsser? Ich weiss es nicht genau. So viel aber weiss ich, dass ich

nächstens Berta raten werde, alles aufzubieten, damit sie sich den launenhaften

Mann unterjoche. Teufel noch einmal, so einer sollte mir, wenn ich Frau wäre,

parieren!