Prosastücke

Robert Walser · Kapitel 4 von 19

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Prosastücke

Der Flinke und der Faule.

D e r F l i n k e u n d d e r F a u l e .

 

Ich gestehe, dass mich die Erfindung der Geschichte, die ich hier erzähle, die

grösste Mühe gekostet hat, obwohl man vielleicht finden wird, dass sie ein

wenig läppisch sei. Sie handelt von einem faulen Flinken und von einem flinken

Faulen. Zu beachten ist, dass der Flinke mit all seiner eichhornhaften Flinkheit

weit hinter des Faulen grober Faulheit zurückblieb, worüber er sich nicht wenig

verwunderte, was recht sehr zu begreifen ist. Das Seltsame und Bemerkenswerte

an der einfältigen und albernen Geschichte, die glücklicherweise nicht allzu

lange und breite Umstände macht, ist, dass der Flinke im Grunde der Faule ist

und der Faule im Grunde der Flinke, und zwar deshalb, weil der Flinke

eigentlich leider nur zu flink war und weil der Faule mit der gesamten Summe

seiner Faulheit sich glücklicher- oder unglücklicherweise glänzend bewährte,

indem er gar nicht flink und dennoch, im Grunde, viel flinker war als der flinkste

Flinke, während leider der Flinke mit dem ganzen Reichtum seiner Flinkheit und

Behendigkeit zwar durchaus nicht faul und dennoch viel fäuler war als der

fäulste Faule, was jedenfalls recht sehr bedauerlich ist. Der Flinke übertraf

freilich den Faulen an regelrechter Flinkheit, aber er kam dennoch zu kurz und

stand zuletzt weit hinter dem Faulen, welcher, falls wir uns nicht gröblich irren,

freilich den Flinken hoch an Faulheit überragte, indem er faul war wie die

personifizierte Faulheit, dennoch aber lange nicht so faul und viel flinker war, als

der Flinke dachte, den er weit hinter sich liess und prächtig besiegte, über

welchen ausserordentlichen Umstand der bedauernswürdige arme Flinke fast vor

Schreck umkam. Dieses, mein bester Leser, ist die Geschichte vom Flinken und

vom Faulen oder vom Faulen und vom Flinken, je nachdem du willst und wie es

dir gefällt. Beurteile sie milde, belache sie und zürne nicht allzustark ihrem

Verfasser, dem sie so fest im Kopf sass, dass er sich genötigt sah, sie

niederzuschreiben, um sie loszubekommen.