Prosastücke
Koffermann und Zimmermann.
K o f f e r m a n n u n d Z i m m e r m a n n .
Ein bekannter und rühriger Verleger, unternehmungslustig wie er war, sagte
eines schönen Tages zum Schriftsteller Koffermann: »Lieber Koffermann,
packen Sie sofort Ihren Koffer oder meinetwegen Köfferchen und reisen Sie,
ohne dass Sie sich vorher lange besinnen, nach Japan. Haben Sie verstanden?«
Der flinke und behende Koffermann, sogleich entschlossen, den
schmeichelhaften Auftrag auszuführen, besann sich keine zehn Minuten lang,
sondern machte sich auf die Beine, packte alle seine Gedanken und Utensilien in
seinen Handkoffer, stieg in den Eisenbahnwagen und dampfte, reiste und fuhr ab
nach dem berühmten und sehenswerten Lande Japan. Der Verleger oder
Verlagsmann telephonierte einem mächtigen Zeitungsmann, er möchte so
freundlich sein und es in die Zeitung setzen, dass Koffermann seinen Koffer
gepackt habe und nach Japan abgeflogen und fortgeflutscht sei. Das las bald ein
anderer Verleger oder Verlagsmann und er forderte den Schriftsteller
Zimmermann auf, so rasch wie möglich zu ihm zu kommen, denn er habe ihm
etwas Wichtiges zu sagen. Zimmermann war gerade damit beschäftigt, eine
höfliche und weitläufige Ansprache an seine Katze zu halten, auch schlürfte er
Thee, und rauchte er eine Cigarette, als der Brief anlangte, der ihm ankündigte,
er solle zu seinem Verleger rennen, weil ihm derselbe etwas Wichtiges zu sagen
habe. Er zog seinen bessern Anzug an, bürstete, säuberte, kämmte, wusch und
verschönerte sich, wie es sich schickte, und marschierte in aller Seelenruhe zu
seinem Geschäftsmann. »Lieber Zimmermann,« sagte derselbe zu Zimmermann,
»ich weiss, dass Sie ein ruhiger Mensch sind, der seine Ruhe liebt! Jetzt aber
müssen Sie aus aller Behaglichkeit heraus und mit der grössten Unruhe, Hast
und Schleunigkeit nach der Türkei fliegen. Koffermanns Verleger hat
Koffermann nach Japan entsandt, weshalb ich nun Sie, mein lieber
Zimmermann, nach der Türkei senden muss. Haben Sie begriffen?«
Zimmermann aber begriff nicht so leicht; er besass keine so leichte und flinke
Auffassungsgabe wie Koffermann. Er bat sich eine Bedenkzeit von acht Tagen
aus und ging wieder in sein Zimmer zurück, wo er sich ebenso vergnüglich wie
nachdenklich auf seinen alten Reisekorb setzte, der unter der Last zu ächzen und
zu seufzen begann, wie Reisekörbe bei solcher Gelegenheit zu tun pflegen. Zimmermann, der seine Ruhe und seinen stillen Aufenthalt im Zimmer liebte,
war unfähig, von demselben Abschied zu nehmen. »Ich bin unfähig, vom
Zimmer Abschied zu nehmen, auch ist mein Reisekorb alt, und es würde mir
weh tun, ihn auf eine so weite Reise zu schicken,« schrieb Zimmermann seinem
Geschäftsmann, »ich habe mir die Sache überlegt, und bitte Sie versichert zu
sein, dass ich nicht nach der Türkei reisen kann. Ich eigne mich nicht dafür. Ich
bin soeben in Gedanken eine halbe Stunde lang in der Türkei gewesen und habe
es dort sehr langweilig gefunden. Mit dem ehemaligen Königreich Polen möchte
ich es wohl eher probieren. Lassen Sie mich bitte Ihre Meinung wissen. Ich gebe
Ihnen acht Tage Bedenkzeit. Nach Polen passe ich nämlich besser als nach der
Türkei.« Der Verleger lachte, als er den Brief las und sagte: »Mit Zimmermann
ist nichts anzufangen.«