Schein und Sein: Nachgelassene Gedichte

Wilhelm Busch · Kapitel 59 von 67

PDF-Seiten

Schein und Sein: Nachgelassene Gedichte

Gründliche Heilung.

 

Es saß der fromme Meister

Mit Weib und Kind bei Tisch.

Ach, seine Lebensgeister

Sind nicht wie sonst so frisch.

 

Er sitzt mit krummem Nacken

Vor seinem Leibgericht,

Er hält sich beide Backen,

Worin es heftig sticht.

 

Das brennt wie heiße Kohlen.

Au, schreit er, au, verdammt!

Der Teufel soll sie holen,

Die Zähne allesammt!

 

Doch gleich, wie es in Nöthen

Wohl öfter schon geschah,

Begann er laut zu beten:

Hilf, Apollonia!

 

Kaum daß aus voller Seele

Er diesen Spruch gethan,

Fällt aus des Mundes Höhle

Ihm plötzlich jeder Zahn.

 

Und schmerzlos, Dank dem Himmel,

Schmaust er, wie sonst der Brauch,

Nur war es mehr Gemümmel,

Und lispeln thät er auch.

 

Pohsit! Wie klingt so niedlich

Des Meisters Säuselton.

Er trank, entschlummert friedlich,

Und horch, da schnarcht er schon.

3. August 1907 an die »Lustige Woche« gegeben.