Schein und Sein: Nachgelassene Gedichte

Wilhelm Busch · Kapitel 65 von 67

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Schein und Sein: Nachgelassene Gedichte

Das traurige Röslein.

 

Ein Röslein war gar nicht munter,

Weil es im Topfe stand,

Sah immer traurig hinunter

Auf die Blumen im freien Land.

Die Blumen nicken und winken.

Wie ist es im Freien so schön

Zu tanzen und Thau zu trinken

Bei lustigem Windeswehn.

Von bunten Schmetterlingen

Umgaukelt, geschmeichelt, geküßt;

Dazwischen der Vöglein Singen

Anmuthig zu hören ist.

Wir preisen dich und loben

Dich, fröhliche Sommerzeit;

Ach, Röslein am Fenster droben

Du thust uns auch gar zu leid.

Da ist ins Land gekommen

Der Winter mit seiner Noth.

In Schnee und Frost verklommen

Die Blumen sind alle todt.

Ein Mägdlein hört es stürmen,

Macht fest das Fenster zu.

Jetzt will ich dich pflegen und schirmen,

Du liebes Röslein du.