Schein und Sein: Nachgelassene Gedichte

Wilhelm Busch · Kapitel 62 von 67

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Schein und Sein: Nachgelassene Gedichte

Was das Großmütterlein sang.

 

Surre surre surre!

Mein gutes Rädchen schnurre!

Für unser kleines Kätchen

Dreh mir ein feines Fädchen

So lang von hier bis Köllen

Wohl mehr als tausend Ellen.

Wir wollen es winden

Und Docken von binden,

Meister Weber es geben,

Soll Leinen uns weben,

Das breiten wir beide

Auf blumige Heide

Auf Anger und Wiesen

Und wollen es sonnen

Benetzen und gießen

Aus Bächen und Bronnen.

Ach, komm du lieber Sonnenschein

Und bleiche unser Leinen rein.

Dann kriegt mein Herzenstäubchen

Wohl manch ein feines Hemd

Und Tüchlein oder Häubchen,

Bis daß der Freier kömmt.

Schön guten Tag, Herr Freiersmann!

Was schaut er so mein Kätchen an?

Das Kätchen geben wir nicht her,

Und wenn's für Tausend Thaler wär.

Ei, Mutter, nur nicht gleich geschmält!

Den hübschen jungen Knaben

Den will und muß ich haben;

Den Krauskopf, den Krauskopf

Hab ich mir auserwählt.

Und willst du denn ein Bräutchen sein,

So geb ich meinen Segen drein.

So manches Blümlein wachsen mag Von Ostern bis Michelistag,

So manches Körnlein, als man sät,

So mancher Halm in Aehren steht,

So vielmal Gutes wünsch ich dir

Aus meines Herzens Grund herfür.

Und wenn die Pfeifen klingen,

Dann tanzen wir und springen;

Dann spring ich wohl und tanz ich

Von Danzig bis nach Nanzig –

Knipp knapp!

Da reißt mein Faden ab!