Stufen: Eine Entwickelung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen

Christian Morgenstern · Kapitel 16 von 120

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Stufen: Eine Entwickelung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen

Kapitel 1908

Wie ein verzweifelndes Haupt Schutz, Ruhe und Wärme in seinen Händen, auf seinen Armen sucht, Seite 51so sucht Gott, der Mensch, Schutz, Ruhe und Wärme in jenem andern dumpferen Teile seines Wesens, den wir Natur nennen.

 

Durch die Natur beruhigt sich Gott selbst immer wieder. Wehe, wenn er als Mensch in dem unseligen Fieber der Zivilisaton sich selbst als Natur zerstört haben wird.

 

1908

Wer die Welt nicht von Kind auf gewohnt wäre, müßte über ihr den Verstand verlieren. Das Wunder eines einzigen Baumes würde genügen, ihn zu vernichten.

 

Ich glaube, wer blind wäre, müßte die Pflanzen viel besser verstehen.

 

Was tut die Blume wohl mit Gott? Sie läßt sich Gott gefallen. In der Blume, als Blume träumt er seinen schönsten Traum, da widerstrebt ihm nichts.

 

Ich kenne keine ‚getrennten Gebiete‘. —

 

Wie schön wird eine Henne als Mutter. Vorher wirkt sie immer ein wenig komisch. Mit den Küchlein an sich aber rückt sie für mich unter — Sternbilder. Eine schöne stattliche weiße Kuh mit geschwungenen Hörnern und einer großen sonoren Glocke — das ist schon ein Symbol, für den Gottesdienst eines Volkes. Oder ein Stier ..