Versuch einer Kritik aller Offenbarung
Vorrede.
V O R R E D E .
Dieser Aufsatz heißt ein Versuch, nicht als ob man überhaupt bei
Untersuchungen der Art blind herumtappen und nach Grund fühlen müsse, und
nie ein sicheres Resultat finden könne; sondern darum, weil ich mir noch nicht
die Reife zutrauen darf, die dazu gehören würde, dies sichere Resultat
hinzustellen. Wenigstens war diese Schrift ihrer ersten Bestimmung nach nicht
für die Presse; verehrungswürdige Männer beurtheilten sie gütig, und sie waren
es, die mir den ersten Gedanken, sie dem Publicum vorzulegen, gaben.
Hier ist sie. Stil und Einkleidung sind meine Sache; der Tadel oder die
Verachtung, die diese trift, trift nur mich, und das ist wenig. Das Resultat ist
Angelegenheit der Wahrheit, und das ist mehr. Dieses muß einer strengen, aber
sorgfältigen, und unpartheiischen Prüfung unterworfen werden. Ich wenigstens
verfuhr unpartheiisch.
Ich kann geirrt haben, und es wäre ein Wunder, wenn ich es nicht hätte.
Welchen Ton der Zurechtweisung ich verdiene, entscheide das Publicum.
Jede Berichtigung, in welchem Tone sie auch abgefaßt sey, werde ich
dankbar anerkennen; jedem Einwurfe, der mir der Sache der Wahrheit zuwider
scheint, begegnen, so gut ich kann. Ihr, der Wahrheit, weihe ich mich feierlich,
bei meinem ersten Eintritte in's Publicum. Ohne Rücksicht auf Parthei, oder auf
eigne Ehre, werde ich immer dafür anerkennen, was ich dafür halte, es komme,
woher es wolle, und nie dafür anerkennen, was ich nicht dafür halte. — Das
Publicum verzeihe es mir dieses erste und einzige mal, vor ihm von mir
gesprochen zu haben. Ihm kann diese Versicherung sehr unwichtig seyn; aber
mir war es wichtig für mich selbst, dasselbe zum Zeugen meines feierlichen
Gelübdes zu nehmen.
Königsberg, im December 1791.
DEM