Versuch einer Kritik aller Offenbarung

Johann Gottlieb Fichte · Kapitel 1 von 24

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Versuch einer Kritik aller Offenbarung

Vorrede.

V O R R E D E .

 

Dieser Aufsatz heißt ein Versuch, nicht als ob man überhaupt bei

Untersuchungen der Art blind herumtappen und nach Grund fühlen müsse, und

nie ein sicheres Resultat finden könne; sondern darum, weil ich mir noch nicht

die Reife zutrauen darf, die dazu gehören würde, dies sichere Resultat

hinzustellen. Wenigstens war diese Schrift ihrer ersten Bestimmung nach nicht

für die Presse; verehrungswürdige Männer beurtheilten sie gütig, und sie waren

es, die mir den ersten Gedanken, sie dem Publicum vorzulegen, gaben.

 

Hier ist sie. Stil und Einkleidung sind meine Sache; der Tadel oder die

Verachtung, die diese trift, trift nur mich, und das ist wenig. Das Resultat ist

Angelegenheit der Wahrheit, und das ist mehr. Dieses muß einer strengen, aber

sorgfältigen, und unpartheiischen Prüfung unterworfen werden. Ich wenigstens

verfuhr unpartheiisch.

 

Ich kann geirrt haben, und es wäre ein Wunder, wenn ich es nicht hätte.

Welchen Ton der Zurechtweisung ich verdiene, entscheide das Publicum.

 

Jede Berichtigung, in welchem Tone sie auch abgefaßt sey, werde ich

dankbar anerkennen; jedem Einwurfe, der mir der Sache der Wahrheit zuwider

scheint, begegnen, so gut ich kann. Ihr, der Wahrheit, weihe ich mich feierlich,

bei meinem ersten Eintritte in's Publicum. Ohne Rücksicht auf Parthei, oder auf

eigne Ehre, werde ich immer dafür anerkennen, was ich dafür halte, es komme,

woher es wolle, und nie dafür anerkennen, was ich nicht dafür halte. — Das

Publicum verzeihe es mir dieses erste und einzige mal, vor ihm von mir

gesprochen zu haben. Ihm kann diese Versicherung sehr unwichtig seyn; aber

mir war es wichtig für mich selbst, dasselbe zum Zeugen meines feierlichen

Gelübdes zu nehmen.

 

Königsberg, im December 1791.

 

DEM