Zaubermärchen

Albert Ehrenstein · Kapitel 13 von 19

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Zaubermärchen

Alte Geschichte

 

Es war einmal ein junger Dichter namens Eduard, der lebte in einem

Palast. Und in ihm war nichts als Sehnsucht. Seine Diener aber brachten ihm

Schinkensemmeln mit Kaffee. Sehr traurig war der junge Dichter, und seine

Sehnsucht ging von einem Zimmer in das andere. Herrliche Bilder konnte er sich

vorgaukeln, und das junge Mädchen, das er liebte und haßte: Kunigunde!

Doch wenn sein junger Leib, der sich sehnte, einen Schritt vorwärts tat, die

geschaute Gestalt zu umarmen, schwand alles, und seine Lippen, die nach einem

Kuß lechzten und glühten, sie sanken kümmerlich zusammen, und sein Kopf fiel

schulterwärts . . . und er war wieder allein mit seinen Zimmern, Dienern und

Schinkensemmeln. Da haderte der junge Dichter mit Gott und seinem Palast und

weinte über sie die Tage und Nächte, daß sie ihm nicht geben wollten, wonach er

flammte . . . und hätte am liebsten die Wände geküßt und die Bäume seines

Gartens umarmt: so sehnte er sich. Und er vergoß sieben Tränenströme. Und

wollte nichts essen und zerfleischte sich das Gesicht und die lieben Hände und

raufte sein Haar und zerriß seine Gedichte und lag wie ein Toter da auf seinen

Teppichen.

Sandte der liebe Gott zu ihm in den Traum eine ausgezeichnete Fee, und die

sprach: „Was gibst du deinem Körper Wunden und üble Farben? Sieh, sei wieder

brav und gut — Gott wird dein Haar streicheln, und dein Haupt soll liegen in

dem Schoß deines jungen Mädchens.“ Da sprach der junge Dichter: „Ich will ja

gern wieder an den lieben Gott und meinen Palast glauben, aber warum ward ich

so schwer geschlagen? Es ist ja wahr, ich habe vor sieben Jahren, zehn Monaten

und drei Tagen beinahe eine Ameise zertreten!“

Küßte die ausgezeichnete Fee dem jungen Dichter langen Schlaf an und tat

von seinem Leib die Wunden und üblen Farben, nahm von seinen Händen die

Betrübtheit . . . und als er erwachte, da taten sich alle seine Zimmer auf und

strahlten, und sein Haupt lag gebettet in den Schoß des jungen Mädchens, und

sie streichelte sein Haar und küßte ihn und klebte seine Gedichte wieder zusammen.

Glaubt ihr das? Ich nämlich glaube es auch nicht! Sondern, als von dem

jungen Dichter der Schlaf trat, da stand zu seinen Häupten ein Freund und wies

ihm die Kritik, in der Eduard niederträchtiger Weise gelobt wurde, ein

Briefträger feierte seinen Einzug mit einer Drucksorte, laut der sich Kunigunde

mit Archangelus Lardschneider, jenem niederträchtigen Kritiker, verheiratet

hatte, und eine jähe Drahtung zwang ihn, die Premiere seines letzten Stückes

abzusitzen, des Schiffahrtsaktiendramas „Eduard und Kunigunde“, das ihm vom

Lesen her übel bekannt war. Und zu Füßen seines Bettes stand ein Diener, in der

Hand haltend eine Tasse Kaffee mit Senf.