Zaubermärchen

Albert Ehrenstein · Kapitel 6 von 19

PDF-Seiten

Zaubermärchen

13. Bild

gelehnt. Nicht gerührt durch die Tafel „Diese Anlagen sind dem Schutze des

Publikums empfohlen“, langt ein Kamel über die Mauer und frißt, durch die

grüne Farbe verlockt, Homers Schädel rattenkahl. Seitdem trägt er eine Perücke.

 

1 3 . B I L D

 

2. Kolophon. Infolge zu starken Kolophoniumgebrauchs und unausgesetzten

Harfenschlagens beginnen Homers Finger zu eitern. Er fürchtet, die Hand werde

ihm abfaulen, sehnt sich nach Ruhe, Pflege. Geht halb verzweifelt, halb

sehnsüchtig einem schönen Weibe nach in den Tempel des Apollon

Kourotrophos. Beugt sich und fleht den Gott an, das Weib möge wilde

Liebesnächte und frische Jünglinge verschmähen und sich seiner erbarmen. Aber

sie neigt sich einem Tempeldiener, und Homer bleibt nichts anderes übrig, als

auch weiterhin die Ilias sowie die Odyssee zu verfassen.

 

1 4 . B I L D

 

3. Rhodos. Enttäuscht verläßt Homer Asien. Auf Rhodos wird ihm anfangs

guter Empfang bereitet. Aber dann wird er in die Königsburg geführt und, auf

einen sanft verblödenden Greis deutend, versichert man ihm, dies sei der

Heraklide Tlepolemos, den er in der Ilias von Sarpedons Hand habe fallen

lassen. Hierauf erklärt ein Sohn des idiotischen Greises, ein Tlepolemiker,

wütend, Homer habe einen Schlüsselroman geschrieben, und dem Dichter wird

der fernerweitige Aufenthalt auf der Insel behördlich untersagt.

 

1 5 . B I L D

 

4. Chios. Der gute Wein dieser Insel hebt wieder Homers Stimmung. Er singt

seine Lieder vor sich hin. Da nähert sich dem Vertrauensseligen ein Jüngling

phönikischen Aussehens: Phron. Bittet den Homer, ihm noch einiges vorzudeklamieren. Der Dichter tut es. Phron lobt ihn, bietet ihm an, selbst auch