Zaubermärchen
19. Bild
1 9 . B I L D
8. Jos. Halb erblindet und auf Vieren wankend, hier und da von mitleidigen
Schiffern aufgenommen, irrt Homer von Stadt zu Stadt, von Insel zu Insel. Keine
Bürgerschaft will ihn ernähren, er wird immer wieder als lästiger Ausländer
abgeschoben, die Stadtväter jeglicher Gemeinde verwahren sich energisch
dagegen, daß dieser schnorrende Krüppel ihrer Polis entsprossen sei. Am
Strande von Jos ruht er endlich erschöpft aus. Fischerknaben, leere Netze auf
den Schultern, steigen aus Booten und necken ihn. Geben ihm ein Rätsel auf:
„Was wir gefangen haben, ließen wir zurück. Was wir nicht gefangen haben,
tragen wir bei uns.“ Homer sinnt verzweifelt, kann die Lösung nicht finden. Ein
Phron ähnlicher Knabe: der Sohn des Phron, klärt ihn auf; da sie keine Fische zu
fangen vermocht, hätten sie sich am Strande die Läuse gesucht, die gefangenen
getötet, die nichtgefangenen unfreiwillig nach Hause mitgenommen . . . Die
Lausbuben ziehen ab. Homer schüttelt klagend das Haupt; vor Gram, nun auch
geistig gealtert über das einfache Rätsel der Jungen gestrauchelt zu sein, stürzt er
sich von den Klippen ins Meer.
2 0 . B I L D
Das arme Grab Homers auf Jos. Inschrift: „Hier deckt die Erde das heilige
Haupt Homers, der in seinen Liedern die Helden sang.“
2 1 . B I L D
Zeigt den Bauch des Regierungsrats Professor Methusalem Leichenstil, der,
um schneller zu avancieren, sich allen bildlichen Schmuck des achilleischen
Schilds auf den Bauch tätowieren ließ.
2 2 . B I L D
Unterrichtsstunde bei Professor Leichenstil. Neben dem Katheder steht, Phron
und dessen das Rätsel erklärendem Sohne sehr ähnlich sehend, der Primus
Eugen Pelideles. Schnattert: Sieben Städte stritten um die Ehre, Homer geboren
zu haben: „Smyrna, Rhodos, Kolophon, Salamis, Chios, Skyros, Athenai.“
Meer wogt gegen das Kathederpodium, auf den Wellen daher treibt ein
Leichnam: Homer. Wie der Tränen-Blick seiner toten Augen auf Pelideles fällt,
beginnen seine Wunden zu bluten . . . und rauschend über alles und alle stürzt
das Wasser der Zeit.