Briefe an Ludwig Tieck, Vierter Band
Kapitel II
ausführlich gesprochen.
Doch es ist Zeit zu schließen. Darum die Versicherung aufrichtiger Hochachtung und freundlicher Erinnerung von
Ihrem
ergebenen
A. Wendt.
II.
Leipzig , 29ten Juni 1822.
Ach wie gütig sind Sie, mein verehrter Freund! Zwei Briefe in einer Woche von Ihrer Hand, das ist unerhört! aber auch den herzlichsten Dank dafür. Hiermit sende ich Ihnen das Erste von dem Druck, und werde damit immer fortfahren. Wolfsberg musste Wolfsberg bleiben, da sein Name schon im ersten Bogen vorgekommen war, und ich Ihre Entscheidung später erhielt. Ich corrigire sorgfältig, und sollten Sie doch — kein Auge ist untrüglich — einen Fehler von Bedeutung finden, so schreiben Sie mir, und es kann allenfalls am Schlusse des Büchleins angezeigt werden. Dem Setzer habe ich den Auftrag gegeben, das Mscpt. zurückzubehalten, Sie können es dann wohl Ihrem Wunsche gemäß erhalten. Von Eulenböck aber waren nur einige Fetzen übrig. Ueber Esslair’s Tell werden Sie einen Aufsatz nächstens in der eleganten Zeitung finden, auch habe ich an das Morgenblatt Einiges über ihn gesendet. — Nun hab’ ich auch die Stich gesehen — eminentes mimisches Talent, aber unerträgliche Manier, geschraubter affectirter Ton, fatales Singen, und Coquetterie hinter Allem. Julie sehr ausgezeichnet — versteht sich, wenn man den Maaßstab des Gewöhnlichen anlegt. — Aber die Jungfrau hat fast misfallen wegen jenes affectirten Vortrags.
Dr. Löbel hat mich besucht und mich durch Nachricht von Ihrem Wohlseyn erfreut; es scheint Ihnen unbekannt gewesen zu seyn, daß er an Rüders Stelle zu Brockhaus gegangen ist. Ich werde mit Vergnügen seine nähere Bekanntschaft zu machen suchen.
Zu meinem großen Misvergnügen habe ich durch nähere Erkundigung bei Barth erfahren, daß das orthographische Mscpt. noch nicht an den Verfasser zurückgegangen ist. Letzterer bittet auch, auf ihn alle Schuld überzutragen, er habe dem Verf. ohnedies auf einen andern Antrag zu antworten, und wolle es bald, recht bald thun.