Briefe an Ludwig Tieck, Vierter Band
Kapitel III
Von Hrn. Bernhardi habe ich seitdem nichts weiter gesehen und gehört. Ich will ihn auszuforschen suchen.
Heute sehe ich den Grafen Kalkreuth, mit welchem ich gestern Abend zusammen war, und Dr. Kralup hat mich auch schon besucht. Sie sehen also, wie oft und angenehm ich an Dresden erinnert werde. Doch erweckte es mir ein Lächeln, daß Sie in Ihrem letzten Briefe schrieben, ich hätte doch wieder hinüber nach Dresden kommen sollen, weil ich daraus sehe, daß Sie mich für einen leichten Vogel halten, der höchstens eines Eilwagens zu seinem Fluge bedarf. So leicht wird es mir nicht, den Ausflug nach Dresden zu machen — und doch mache ich ihn weit öfter als andere.
Nun — ein andermal! Und nächstens mehr von
Ihrem
treuverbundenen
A. Wendt .
III.
Leipzig, 27ten Juli 1822.
Geliebter und verehrter Freund.
Hiermit erhalten Sie den Rest des Abdrucks Ihrer Erzählung. Ich wurde durch einige unangenehme Arbeiten jeden Posttag gehindert, Ihnen denselben zuzusenden. Und nun lesen Sie Allen, die es verdienen, zur erbauenden Unterhaltung das geistreiche Werk, das ich nun recht durch und durch kenne, und immer mehr als ein Ganzes zu erkennen genöthigt worden bin, mit der humoristischen Salbung vor, die Ihnen so schön von der Lippe strömt, und trösten Sie die gute Gräfin nun reichlich dafür, daß ich ihr das Manuscript noch rauchend entführte, worüber Sie mir (im Vertrauen nicht ganz mit Unrecht) böse war. — In diesen Tagen machte mich Jemand zu meinem großen Leidwesen darauf aufmerksam, daß Ihre Untersuchungen über Shakspeare, welche alle Kenner Ihres Geistes so lange vermissen, vielleicht durch Aufschieben des Abschlusses oder Ihrer öffentlichen Mittheilung an Neuheit und Interesse verlieren können, wenn nehmlich Ihre Ansichten durch Dritte, die sich damit viel wissen, und denen Sie sich vielleicht in geistiger Mittheilung hingeben, ins Publikum kommen.