Briefe an Ludwig Tieck, Vierter Band
Kapitel II
Von meinem Landsmann und alten Freunde N.[8], an den Sie Sich damals gütig erinnerten, sind seitdem Nachrichten eingegangen; er ist ein fanatisch gläubiger Methodistenprediger in Nord-America; auch verheirathet; bezeichnend ist eine Stelle seines Briefs hierüber; am Abende der Trauung, schreibt er, wurde gebetet &c. „und da hatten wir einen Vorschmack von dem Reiche, wo man weder freit, noch sich freien läßt.“
Mit dem herzlichen Wunsche, daß Sie sich zur Ehre Deutschlands noch lange Jahre frisch und gesund erhalten möchten, bin ich
Euer Hochwohlgeboren
aufrichtiger Verehrer
Dr. D. F. Strauß.
II.
Stuttgart, 10. März 1840.
Euer Hochwohlgeboren
haben kürzlich einen Landsmann von mir, dem ich mir erlaubte ein Schreiben an Dieselben mitzugeben, unerachtet Sie Sich, wie leicht zu denken war, meines persönlichen Besuchs vor bereits 8 Jahren nicht mehr erinnerten — dennoch mit so viel Güte aufgenommen, daß ich dem Wunsche einer liebenswürdigen Frau und verdienstvollen Schauspielerin am hiesigen Hoftheater, der Madame Wittmann, nicht entgegen sein mag, sondern mir die Freiheit nehme, sie mit diesen Zeilen bei Euer Hochwohlgeboren einzuführen.
Madame Wittmann wünscht am Dresdner Theater einige Gastrollen zu geben, wo sie, wie ich denke, um so eher gefallen dürfte, als sie namentlich in mehreren Stücken Ihrer Prinzessin allerliebst spielt. Können Euer Hochwohlgeboren ihr hiebei Vorschub thun, so werden Sie Ihre Güte einer Künstlerin erweisen, welche derselben in jedem Betrachte würdig ist.
Entschuldigen Sie die Freiheit, die ich mir auch dießmal genommen, und genehmigen die Versicherung unwandelbarer Verehrung von
Ihrem
ergebensten
Dr. D. F. Strauß.