Briefe an Ludwig Tieck, Vierter Band
Kapitel XIV
Von Berlin ist keine Antwort auf unsern Antrag Dich hier anzustellen gekommen. Loebell weiß von Allem und kann Dich über alle hiesige Verhältnisse völlig orientiren. So auch über die Lage des Theaters. Vertrauen verdient er durchaus.
Grüß die Gräfin Henriette, Deine Frau, Dorothea, Agnes. — Könnte ich Euch nur besuchen! Vier Monathe dauert das unglückliche Rectorat noch.
Dein
Steffens .
XIV.
Breslau, d. 5t. Sept. (Keine Jahreszahl.)
Du nimmst mir nicht übel, lieber Tieck! daß ich Dir einen jungen Mann auf seiner Durchreise nach Göttingen zu empfehlen wage. Ich werde es gewiß sehr selten thun und habe es bis jetzt immer ausgeschlagen. Dieser junge Mensch, Hermann Frank, ist aber in der That brav, gescheut und weiß recht viel und sein Vater hat mir Geld geliehen. Er gehört zu denen, die mich öfters besuchen. Morgen reise ich nach Berlin; weil ich muß. Wieder eine Reise, die wenn auch Gottlob! nicht so unangenehm, doch auch mich einer seltsamen Lage versetzt. Ich hoffe mit dieser Reise auf immer mit der verfluchten politischen Welt abzuschließen. Alles ekelt mir darin an.
Die Frau und Clärchen grüßen alle — und wenn Gott will hoffen wir gewiß Euch künftigen Sommer in Dresden zu sehen.