Briefe an Ludwig Tieck, Vierter Band

Karl von Holtei · Kapitel 21 von 128

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Briefe an Ludwig Tieck, Vierter Band

Kapitel II

Was die Seidelsche Auction betrifft, so muß ich Ihre Commissionen jetzt an jemand anders überlassen, durch den sie aber sicher und gewissenhaft besorgt werden; auch habe ich schon einen beträchtlichen Theil der von Ihnen aufgezeichneten Bücher zu sehr guten Preisen erstanden. Nach meiner Rückkehr melde ich Ihnen das Weitere.

Sie entschuldigen mein flüchtiges Schreiben gewiß mit meiner Eil bei der nahen Abreise. Da ich in Berlin manches zu thun habe, so muß ich in den Osterferien auf das Vergnügen, Sie zu besuchen Verzicht thun, hoffe aber im grünenden Frühjahr, wenn Sie nichts dagegen haben, einige Tage bei Ihnen zuzubringen. Empfehlen Sie mich den Herren Grafen von Finkenstein und der Kadachschen Familie.

Mit der ausgezeichnetsten Verehrung

Ihr

ergebenster

Solger.

 

II.

 

Frankfurt, den 18ten Mai 1811.

Einige Strafe, verehrter Freund, habe ich von Ihnen verdient, daß ich Ihnen nicht früher von Ihrer Commission Rechenschaft abgelegt habe. Sie werden nun sehen, daß Sie die Hauptsachen unter den verlangten Büchern erhalten haben. Den Schelmufsky hätte ich Ihnen wohl noch gegönnt. Brentano und Arnim setzen ihn dem Don Quixote an die Seite. Indessen hat er wirklich seine Meriten. Die Bücher, welche Sie nicht bekommen, sind alle über den von Ihnen gesetzten Preis getrieben worden. Der Commissionär ist einer, der dies kleine Geschäft aus Gefälligkeit übernommen hat. Ich wollte, ich könnte Ihnen hier noch mehr dergleichen Dienste leisten, damit Sie sehn, daß ich nicht immer so nachlässig bin. Meine Reise nach Berlin kam dazwischen, und dann viele Arbeit und mancherlei Unruhe, welche die Verlegung der Universität bewirkt. Ich weiß bis jetzt noch nicht mit Gewißheit, ob ich nach Berlin oder nach Breslau komme. An beiden Orten soll ich ordentl. Professor der Philosophie werden, und da wird mir denn die Wahl schwer; aufrichtig gesagt, gefallen sie mir als Universitätsstädte beide nicht.