Weihnachtslicht

Alfred Mignon · Kapitel 1 von 20

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Weihnachtslicht

Weihnachtsmarkt

Ein Fremder übern Markt hin schlendert,

zunächst noch ohne ein Bedenken.

Die Masse sucht hier nach Geschenken.

Das Straßenbild wirkt sehr verändert.

Zunächst noch ruhig und bedächtig

sucht der Passant nach Orientierung.

Der große Platz, die ganze Vierung,

scheint ihm erst gar nicht sehr verdächtig

Doch mehr und mehr keimt der Verdacht: Hier läuft etwas nicht ganz normal.

Das Einkaufstrei ben wächst global.

Es wird viel Kitsch zu Geld gemacht.

Der Unbedarfte möchte wissen:

Was heizt denn so die Stim mung an?

Wer hat den Leuten was getan,

dass sie so hek tisch rennen müssen?

Drum fragt er einen Ruten schläger,

den mit dem Kittel, diesem roten:

Was wird hier eigentlich geboten?

Weshalb die vielen Päckch en träger?

HoHo, da kommt er an den Rechten,

der kann ihm sagen, was hier läuft,

weshalb er fast im Schund ersäuft,

für was für’n Fest die Leut sich knech ten.

Ich bin bloß eine Randfigur,

sagt dieser rote Rutenmann.

Ich weis auf den, der helfen kann.

Wir all sind seine Zeichen nur.

Wen du auch hier an Zeugen síehst,

ja wen man aus der Meute fragt,

ein jeder dir das selbe sagt,

der Heiland stets die Hauptsach ist.

Doch wie man merkt, stehn wir im Licht

und nehmen uns schon viel zu wichtig.

Du liegst mit deiner Frage richtig,

man schaut den Rand, die Mitte nicht.

Ich darf, um das Manko kleiner zu machen, das ein und andere erzählen.

Ich werd die bekann ten Figuren wählen,

mit diesen erklärn sich auch weitere Sachen.

Ganz unbescheiden fang ich gleich mit mir an. Ich stelle den Niklaus von Myra dar.

Der liebte die Menschen alle gar,

erwies sich als gottesfürchtiger Mann.

Das Rot meines Mantels, den ich trage

gilt als des Bischofs Würdenzier.

Das Zeichen des Lehrers, die Rute hier,

streichelt nur sanft, ganz ohne Frage.

Der Rüpel von Knecht an meiner Seite

begleitet mich auf langen Wegen.

Es ist ihm genau wie mir dran gelegen,

die Näh unsrers Gotts zu künden der Weite.

Vom Nikolaus finden sich Typen ganz viel. Die Völker, sie machen sich Bilder en masse. Wir lassen ihnen gerne den Spaß,

wenn sie nur mit uns auch kommen ans Ziel.

Nun sieh mal den Engel, da auf dem Balkon. Eine weitere Rolle im Weihnachtsgeschehn. Die göttlichen Boten, sie singen sehr schön, sind Brücke vom Himmel zum Menschensohn.

 

Ein weiteres Bild kannst du drüben erblicken, da hängt so ein Kranz ganz aus Tannengrün. Unendliche Güte läßt die Sünder erblühn, der Schöpfer des Alls nie vom Mensch will abrücken.

Siehst du den Lichterbaum, grün und geschmückt? Ein weitres Symbol für die Güte des Herrn. Er leuchtet ins Dunkel, erhellt es uns gern. Das Licht wird in jeden Winkel gerückt.

Das Schenken ist auch eine Predigt an alle. So wie sich die Leute an Gaben erfreun,

so will Gott der Herr die Berührung nicht scheun und gibt sich dem Menschen sogar in die Kralle.

Die Kälte strenger Winterszeit

verdeutlicht zeichenhaft den Graben,

den schuldhaft wir aufgerissen haben,

der trennt von Gottes Herrlichkeit,

Wir Kinder Gottes, ohne Not,

ein Jedes von uns gerne entfaltet,

sein eigenes Leben, selbstverwaltet.

Wir meiden des Herren Lebensbrot.

So hat er uns im Dunkeln zu suchen,

weil wir sein Licht nie selbst wollen sehn. Er muss zu uns ins Finstre gehn,

stellt sich mit unter der Sünde Verfluchen.

Ganz in der Mitte finden wir,

das größte, wichtigste der Zeichen.

Damit will der Vater uns endlich erreichen: Das Kind der jung Frau Marja hier.

Vertrau dich dem, der so begonnen,

der wurde ein Mensch. Er ward wie du.

Er bringt dich zum Höchsten zurück im Nu noch ehe der heutige Tag ist verronnen.