Weihnachtslicht

Alfred Mignon · Kapitel 18 von 20

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Weihnachtslicht

Sternen-Weise

Als Jesus einst geboren ward

in König Davids Betlehem,

da hat fast niemand das gemerkt.

Kaum einer wollte nach ihm seh’n.

Herodes saß auf Judas Thron.

Den Meisten war er unbequem.

Doch kamen Magier von weit

aus Osten nach Jerusalem.

Sie fragten nach ’nem Königskind.

Sie hätten dessen Stern geseh’n,

der leuchtete für läng’re Zeit

ganz hell am Himmel, wunderschön.

Sie schockten das Establishment.

Der Schreck ist recht gut zu versteh’n:

Herodes fürchtet’ Konkurrenz.

Konfus war ganz Jerusalem.

Man hatte sich doch eingericht’.

An Herrschaft kann man sich gewöhn’n.

Die Sternendeuter merkten kaum,

was ihre Frage angericht’.

Herodes rief Berater ein

und forschte, forderte Bericht.

„Was sagt die Lehre, sagt das Wort?

Sag’ keiner mir, ihr wisst es nicht.“

„Der König, den uns Gott versprochen,“

ein Rabbi endlich ’s Schweigen bricht,

„der stammt aus Betlehem bestimmt,

was anderes ist nicht in Sicht.

Die Davidsstadt seit frühster Zeit

gilt als der Herd, von dort kommt’s Licht.

So steht bei Micha, dem Profet’:

Du Betlehem versteck’ dich nicht.

Bist keineswegs die kleinste Stadt.

Auf dich wird niemals je verzicht’.

Von dir kommt einst der Hirte her,

der mir mein Volk führt, zugericht’.

Herodes ist den Juden fremd,

aus Edom, Heidenland stammt er,

erzählt den Magiern flugs das Märchen,

er intressiere sich auch sehr,

den neuen König anzubeten.

Das sei sein wichtigstes Begehr.

„Wenn ihr das Kind heraus gefunden,

weist mir den Weg dann ungefähr.

Ich schulde ihm auch meine Huld,

drum kommt doch bitte wieder her.“

So schleimt der falsche Fünfziger,

der tut als ob er fromm nun wär’.

Die Reisenden hören sich an:

Nach Betlehem geht, bitte sehr.

Sie machen sich gleich auf den Weg,

vertrödeln keine Stunde mehr.

Das Sternenlicht kommt wieder auf.

Zu finden ist das Haus nicht schwer.

Maria’s Kind in seinem Heim

wird königlich sogleich geehrt.

Die Magier sich zur Erde neigen.

Wer hätte ihnen das verwehrt?

Die Fremden bringen Gaben mit,

die haben sie dem Kind verehrt.

Gold, Weihrauch, Myrrhe schenken sie,

wie man von Lukas sagen hört.

Wohl war’s nicht viel, doch zeigt es klar:

Den Heiden war der Herr recht wert.

Sie hatten nur den Stern geseh’n

und sich d’rauf Jesus zugekehrt.

Dass sie nur seinen Anfang sah’n,

die Magier hat dies nicht beschwert.

Ein neuer Mose wird erweckt.

Herodes hätte gern gestört.

Vom Traum bestimmt die Fremden sind

doch andern Weges heimgekehrt.