Weihnachtslicht

Alfred Mignon · Kapitel 13 von 20

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Weihnachtslicht

Ein Hirte aus Bethlehem

[Er ist erkennbar am Stab]

Das war eine Freude für uns Hirten.

Fast wären wir ausgeflippt,

so tobte in uns die Überraschung.

Erst der Schock

und dann die Ausgelassenheit.

Als die Erscheinung der Engel

vorüber war, sind wir

losgelaufen.

Keine Frage,

wer mitdurfte

und wer bleiben mußte.

Das ist bei uns organisiert.

Auf dem Weg

merkten wir,

dass niemand sonst

von der himmlischen Botschaft

gehört zu haben schien.

Wir waren ganz unter uns.

Wohl trafen noch andere

Hirten im Städtchen ein.

Aber keine Bürger,

keine Handwerker,

keine Bauern

waren auf der Suche.

Sollten sie alle

an den Chören und

der Verkündigung

kein Interesse haben?

Der anfängliche Jubel,

in dem wir über die Hochfläche

zur Stadt gerannt waren,

verstummte heimlich.

Wir wurden immer stiller.

Wir wollten niemanden wecken,

wollten keine Konkurrenten

heraufbeschwören.

Wenn der Retter

der Welt

uns geschenkt wurde,

brauchten wir nicht

mit anderen zu teilen.

Wir verbündeten uns

ohne Verabredung

gegen die schlafende Welt.

Und dann fanden wir

das Kind in einem Futtertrog

der Karawanserei.

Das sah den Stadtleuten ähnlich.

Jede Woche ins Bethaus rennen,

an allen Türrahmen

fromme Sprüche anschlagen,

aber den Heiland

in der Scheune einquartieren.

Als wir aber eine Weile

verschnauft hatten,

da verging uns

die hochfahrende Einbildung.

Mich traf es

wie ein Schlag vor den Kopf.

Obwohl uns die Fundstelle

und die Umstände

der Kinderstube

vorher beschrieben worden waren,

konnte ich es auf einmal

nicht mehr fassen.

Das soll der Messias sein?

Gott als armer Teufel?

Nicht zu glauben.

Ich mußte heulen.

Den andern ging es

nicht besser.

Was wurde jetzt

aus unseren himmelstürmenden

Plänen und Wünschen?

Wenn Gott sich so klein macht,

wie sollten wir dann

auf große Herden

und Geldsäcke hoffen?

Was wird dann

aus unseren Träumen

von Ansehen und Macht?

Ich kann es nun

nicht mehr für mich behalten.

Meine Zukunft liegt nicht

in seidenen Kissen,

sondern auf Heu und Stroh.

Ich kann nicht mehr

ein großer Scheich werden,

sondern werde da bleiben,

wo Vater und Großvater

schon hergekommen sind.

Meinen Geschichten

werden leider nicht

die Weisen vom Königshof

sondern eher

die rotznasigen Hütebuben

lauschen.

Aber denen werde ich

was zu erzählen haben.

Ihnen sollen

die Augen aufgehen.

Schließlich habe ich

den Herrn der Welt selbst

auf dem Arm gehabt.