Weihnachtslicht
Ein Hirte aus Bethlehem
[Er ist erkennbar am Stab]
Das war eine Freude für uns Hirten.
Fast wären wir ausgeflippt,
so tobte in uns die Überraschung.
Erst der Schock
und dann die Ausgelassenheit.
Als die Erscheinung der Engel
vorüber war, sind wir
losgelaufen.
Keine Frage,
wer mitdurfte
und wer bleiben mußte.
Das ist bei uns organisiert.
Auf dem Weg
merkten wir,
dass niemand sonst
von der himmlischen Botschaft
gehört zu haben schien.
Wir waren ganz unter uns.
Wohl trafen noch andere
Hirten im Städtchen ein.
Aber keine Bürger,
keine Handwerker,
keine Bauern
waren auf der Suche.
Sollten sie alle
an den Chören und
der Verkündigung
kein Interesse haben?
Der anfängliche Jubel,
in dem wir über die Hochfläche
zur Stadt gerannt waren,
verstummte heimlich.
Wir wurden immer stiller.
Wir wollten niemanden wecken,
wollten keine Konkurrenten
heraufbeschwören.
Wenn der Retter
der Welt
uns geschenkt wurde,
brauchten wir nicht
mit anderen zu teilen.
Wir verbündeten uns
ohne Verabredung
gegen die schlafende Welt.
Und dann fanden wir
das Kind in einem Futtertrog
der Karawanserei.
Das sah den Stadtleuten ähnlich.
Jede Woche ins Bethaus rennen,
an allen Türrahmen
fromme Sprüche anschlagen,
aber den Heiland
in der Scheune einquartieren.
Als wir aber eine Weile
verschnauft hatten,
da verging uns
die hochfahrende Einbildung.
Mich traf es
wie ein Schlag vor den Kopf.
Obwohl uns die Fundstelle
und die Umstände
der Kinderstube
vorher beschrieben worden waren,
konnte ich es auf einmal
nicht mehr fassen.
Das soll der Messias sein?
Gott als armer Teufel?
Nicht zu glauben.
Ich mußte heulen.
Den andern ging es
nicht besser.
Was wurde jetzt
aus unseren himmelstürmenden
Plänen und Wünschen?
Wenn Gott sich so klein macht,
wie sollten wir dann
auf große Herden
und Geldsäcke hoffen?
Was wird dann
aus unseren Träumen
von Ansehen und Macht?
Ich kann es nun
nicht mehr für mich behalten.
Meine Zukunft liegt nicht
in seidenen Kissen,
sondern auf Heu und Stroh.
Ich kann nicht mehr
ein großer Scheich werden,
sondern werde da bleiben,
wo Vater und Großvater
schon hergekommen sind.
Meinen Geschichten
werden leider nicht
die Weisen vom Königshof
sondern eher
die rotznasigen Hütebuben
lauschen.
Aber denen werde ich
was zu erzählen haben.
Ihnen sollen
die Augen aufgehen.
Schließlich habe ich
den Herrn der Welt selbst
auf dem Arm gehabt.