Weihnachtslicht
Gott besucht seine Menschen
Die Welt war voller Kriegsge schrei
und roch nach Blut und Haß,
wer stark war, lebte schön und gut,
indem er andre fraß.
Die einen liefen diesen Weg
mit List und Schlichen hin,
verkauften ihren Nächsten gern,
wenn es nur aufwärts ging.
Die andern redeten gewandt
den Mächt’gen nach dem Maul
und kamen so voran geschwind,
als säßens auf nem Gaul.
Und wieder andere - ganz krass -
die schlugen sich empor,
zertraten das, was schwächer war
und kamen so hervor.
Die Kleinen sehnten sich zumeist
zu’ n Besseren hinauf.
Wer so vermeintlich Gutes will,
nimmt Opfer gern in Kauf.
Im Dreck fiel eins das andre an,
um selbst ganz vorn zu sein.
Man buckelte und trat sich durch,
wollt groß sein, nicht mehr klein.
Ein winzger Haufe Leute hofft,
es werde anders bald:
Die Menschen würden liebevoll,
nicht mehr so hart und kalt.
Die hoben ihre Hände auf
zum Vater in der Höh.
Er mußte wenden das Geschick.
Ihm klagten sie ihr Weh.
Schon lange warteten sie zu.
Noch hatt’ sich nichts getan.
War denn der Herr im Himmel taub?
War Hilfe auf der Bahn?
Wollt Gott die Menschheit nicht befrei’n?
Hat er dazu kein Freud’?
Gab’s nicht zuviel an Unrecht hier?
War’s nicht genug an Leid?
Mit eigner Macht war nichts getan,
das wußten sie genau.
Das Böse steckt im Menschen drin,
in Kind und Mann und Frau.
Kaum einer ist im Ernst bereit
von sich mal abzusehn,
zu fragen, was ein andrer braucht
und dem zur Seit zu stehn.
Nicht alle hielten dieser Zeit
am Gottesglauben fest.
So mancher kam ganz davon ab,
entfernte sich vom Rest.
Die Wenigsten im Dunkeln drin
war’n standhaft, blieben treu.
Sie trauten ihrem Vätergott:
„Er schafft einst alles neu.”
Da machte sich der Himmelsherr
zu ihnen auf die Bahn.
Er kam als Mensch auf diese Welt
und fing ganz unten an.
Als Kind musst er geboren sein
so wurde er uns gleich.
Nicht anders konnte es geschehn,
so macht er Arme reich.
Er wurde arm wie unsereins,
verließ sein Glanz und Licht.
Er beugte sich bis her zu mir,
dem allerletzten Wicht.
Wir saßen in der Finsternis
und sahen nirgends Licht.
Da kam zu uns der Schöpfer selbst,
ließ uns im Dunkel nicht.
So hat er uns den Pfad gezeigt,
der aus dem Dunkel führt.
Hat an dem Beispiel seiner Lieb
zur Umkehr uns gerührt.
Doch nützt es mir, was er getan
erst wenn ich folge ihm.
Nur wer sich Gottes Hand vertraut,
der ändert eignen Sinn.
Werd’ völlig neu als Mensch und geh
dem Herrn zu folgen nur.
Sonst bleibst du ewig weit entfernt
von seiner Lebensspur.
Er hat mir seine Lieb gezeigt
und will mich zu sich ziehn.
Nun liegts an mir: Was antwort ich?
Bleib’ fern ich, geh ich hin?
Hier hast du meine beiden Händ’,
ich fasse dich fest an.
Ich weiß: Bei keiner Macht der Welt
bin ich je besser dran.
Sie alle wollen bloß von mir.
Nur du gibst, was ich brauch.
Zwar bin ich selbst ein schwacher Mensch, hilfst du mir, schaff’ ich’s auch.