Weihnachtslicht

Alfred Mignon · Kapitel 5 von 20

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Weihnachtslicht

Gott besucht seine Menschen

Die Welt war voller Kriegsge schrei

und roch nach Blut und Haß,

wer stark war, lebte schön und gut,

indem er andre fraß.

Die einen liefen diesen Weg

mit List und Schlichen hin,

verkauften ihren Nächsten gern,

wenn es nur aufwärts ging.

Die andern redeten gewandt

den Mächt’gen nach dem Maul

und kamen so voran geschwind,

als säßens auf nem Gaul.

Und wieder andere - ganz krass -

die schlugen sich empor,

zertraten das, was schwächer war

und kamen so hervor.

Die Kleinen sehnten sich zumeist

zu’ n Besseren hinauf.

Wer so vermeintlich Gutes will,

nimmt Opfer gern in Kauf.

Im Dreck fiel eins das andre an,

um selbst ganz vorn zu sein.

Man buckelte und trat sich durch,

wollt groß sein, nicht mehr klein.

Ein winzger Haufe Leute hofft,

es werde anders bald:

Die Menschen würden liebevoll,

nicht mehr so hart und kalt.

Die hoben ihre Hände auf

zum Vater in der Höh.

Er mußte wenden das Geschick.

Ihm klagten sie ihr Weh.

Schon lange warteten sie zu.

Noch hatt’ sich nichts getan.

War denn der Herr im Himmel taub?

War Hilfe auf der Bahn?

Wollt Gott die Menschheit nicht befrei’n?

Hat er dazu kein Freud’?

Gab’s nicht zuviel an Unrecht hier?

War’s nicht genug an Leid?

Mit eigner Macht war nichts getan,

das wußten sie genau.

Das Böse steckt im Menschen drin,

in Kind und Mann und Frau.

Kaum einer ist im Ernst bereit

von sich mal abzusehn,

zu fragen, was ein andrer braucht

und dem zur Seit zu stehn.

Nicht alle hielten dieser Zeit

am Gottesglauben fest.

So mancher kam ganz davon ab,

entfernte sich vom Rest.

Die Wenigsten im Dunkeln drin

war’n standhaft, blieben treu.

Sie trauten ihrem Vätergott:

„Er schafft einst alles neu.”

Da machte sich der Himmelsherr

zu ihnen auf die Bahn.

Er kam als Mensch auf diese Welt

und fing ganz unten an.

Als Kind musst er geboren sein

so wurde er uns gleich.

Nicht anders konnte es geschehn,

so macht er Arme reich.

Er wurde arm wie unsereins,

verließ sein Glanz und Licht.

Er beugte sich bis her zu mir,

dem allerletzten Wicht.

Wir saßen in der Finsternis

und sahen nirgends Licht.

Da kam zu uns der Schöpfer selbst,

ließ uns im Dunkel nicht.

So hat er uns den Pfad gezeigt,

der aus dem Dunkel führt.

Hat an dem Beispiel seiner Lieb

zur Umkehr uns gerührt.

Doch nützt es mir, was er getan

erst wenn ich folge ihm.

Nur wer sich Gottes Hand vertraut,

der ändert eignen Sinn.

Werd’ völlig neu als Mensch und geh

dem Herrn zu folgen nur.

Sonst bleibst du ewig weit entfernt

von seiner Lebensspur.

Er hat mir seine Lieb gezeigt

und will mich zu sich ziehn.

Nun liegts an mir: Was antwort ich?

Bleib’ fern ich, geh ich hin?

Hier hast du meine beiden Händ’,

ich fasse dich fest an.

Ich weiß: Bei keiner Macht der Welt

bin ich je besser dran.

Sie alle wollen bloß von mir.

Nur du gibst, was ich brauch.

Zwar bin ich selbst ein schwacher Mensch, hilfst du mir, schaff’ ich’s auch.