Weihnachtslicht

Alfred Mignon · Kapitel 2 von 20

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Weihnachtslicht

Sehnen, Muskeln, Haut und Geist

 

Mir dröhnt der Kopf, es lahmt mein Arm.

Ich bin per Zahnfleisch hergekrochen.

Noch friert das Herz. - Wird‘s wieder warm? Kein Wunder nach vier harten Wochen.

Ich komm nicht einfach so zur Ruhe.

Musik und Licht soll‘n Andacht schenken. Ohne dass ich was dafür tue

seh Bilder ich, kann sie nicht lenken.

Die Kinder lassen sich jetzt scheiden.

„Es geht nicht mehr.“ Sie müssten’s wissen! Sie schaffen sich seit länger‘m Leiden.

Man schreit am Tag, heult nachts in‘s Kissen.

Im großen Wohnturm fallen Müttern

die eignen Kinder auf die Nerven,

so dass sie bei der Arbeit zittern

und oft mal was zu Boden werfen.

Ein Nachbar sucht schon Jahre Arbeit.

Kein Werk hat für ihn mehr Verwendung.

Er wär‘ zu allem fast bereit

und fürchtet keine Image-Schändung.

Dafür weiß Schwager Heinrich nicht

wo ihm vor Druck das Haupt grad steht.

In seinem Büro brennt noch Licht,

wenn seine Frau zu Bett schon geht.

Die halbe Straße schnieft und schneuzt,

das ist zwar lästig, doch nicht schlimm.

Wenn Krankheit jeden Plan durchkreuzt,

hat dann das Leben noch ‘nen Sinn?

Da gibt es manchen Klinikflur,

den müde Schritte überziehen.

Wer tröstet diese Leute nur?

Wohin kann krank ein Mensch noch fliehen?

Was sag‘ ich dem, der dieser Tage

den liebsten Partner sehr vermisst?

Mir stockt das Denken, ohne Frage.

Ich weiss ja selbst wie trauern ist.

Und ich sitz hier und wart‘ auf Gott.

Kann das denn wirklich richtig sein?

Wo anders schlägt man sich halb tot,

hat Zoff, ist böse und gemein.

Die Braune Brut im eignen Lande

schürt Hass und Neid und fackelt ab.

Vordenker führ’n die Glatzenbande

und schaufeln lustvoll unser Grab.

In Israel herrscht blanker Hass.

Abu sprengt Abi in die Luft.

Mit Kindern führ‘n sie Krieg, wie krass.

Abrahams Söhne trennt die Kluft.

Im großen Indien zündet Glaube

dem andern Glauben Häuser an,

Muslim dem Hindu, Christ mit Taube

dem Muslim - ist dann selber dran.

Und im Sudan wie andern Ortes

bekriegen sich Nord gegen Süd.

Es geht im wahren Sinn des Wortes

um’s Ganze, das dem Sieger blüht.

Wer hat die Macht, wer will sie haben?

Die Religion ist nur wohlfeil.

Die Wirtschaft hat das große Sagen,

wer mitregiert, der kriegt sein Teil.

Wenn Qaida [IS] bombt, dann sterben Väter, und Mütter. Nein, auf diesem Grund,

ihr Ober-Überzeugungstäter,

wächst keine Freiheit je gesund.

Halb Afrika hat größten Kummer,

schon Kinder kommen krank zur Welt.

AIDS macht Unzählige zur Nummer

in Todeslisten: Es fehlt Geld.

Behandeln kann man nur die Reichen.

Die Medizin ist viel zu teuer.

Die Politik scheut kaum die Leichen,

reißt jedenfalls nicht ‘rum das Steuer.

Doch liegt die Not nicht nur so fern.

Ich komm‘ gedanklich grad zurück.

Auch hier bei uns, ich sag’s nicht gern,

läuft mancher Amok, stirbt das Glück.

Die Spannungen in unserm Leben

verkraften gar nicht alle Leute.

Sie können sich nicht d‘rüber heben

und werden eines Wahnsinns Beute.

Zum Wahn braucht es kein Stückchen Rind. Mir fällt es schwer, damit zu scherzen.

Meine Gedanken grad jetzt sind

bei Bauern und bei deren Schmerzen.

Mensch fürcht‘ sich panisch, krank zu werden, isst mal kein Rind, kein Fisch, kein Schwein.

Wir töten ganze Großviehherden,

woll’n vor dem Leiden sicher sein.

Und auf der andern Seit‘ erheben

wir Alltagsdinge hoch zur Sucht.

Wir essen, trinken, rauchen, leben

wie Halbverrückte, wie verflucht!

Die mal mit mir zur Schul‘ gegangen,

sie war ein ganz gescheites Haus,

ist oft in Depression gefangen.

Sie hält ihr Dasein meist nicht aus.

Ich will mit manchen meiner Seiten

nicht wirklich einverstanden sein.

Ich möcht‘ gern anders, kann nicht leiden, dass ich nicht groß schein’ sondern klein.

So bin ich letztlich angekommen

bei mir und meinen Schwächen jetzt.

Ich hab‘ mich noch nicht angenommen.

Wie kann so heilen, was verletzt?

Was ist denn auf der Welt gegeben,

wer hat die Kraft, das Recht, den Mut?

Zu wem soll’n alle Schwachen streben?

Wer macht es mit uns Menschen gut?

Da liest mir jemand den Profeten:

[Bibel: Hesekiel 37 (1-14) 24-28]

„Ihr liegt wie tot in einem Grab.

Ihr traut nicht recht, um Hilf‘ zu beten.

Ich helf‘ weil ich’s versprochen hab.“

An seiner Macht, den Tod zu brechen

erkennen wir den wahren Gott.

Herr über Krankheit, Dummheit, Schwächen ist er das Ende aller Not.

Dazu ist uns sein Kind geboren

in Betlehem im Judenland.

Wir sind nicht wirklich mehr verloren.

Der Friedensfürst reicht uns die Hand.

Der Vater allen Erdenlebens,

des Universums bis zum Ende,

er ist die Macht, tut nichts vergebens,

der kommt als Mensch in Menschenhände.

Aus einem Volk, das sehr verachtet

von Davids Stamm, der kleinster war,

hat er sich, wenn man’s recht betrachtet

den größten Fürst erwählt fürwahr.

Aus längst schon toten Menschenbeinen

formt sich der Schöpfer neues Heer.

Er stellt den aufgelebten Seinen

den Herzog vor, der ist wie er.

Der Herrscher, den uns Gott gegeben,

der führt uns nicht in eine Schlacht,

um selbst auf Ruhmgewölk zu schweben. Der leitet uns durch Nebelnacht.

Der Wundertäter stärkt die Müden,

baut auf, was sonst nur mickrig blieb,

baut Brücken zwischen Nord und Süden

verschafft dem Menschen Gottes Lieb.

Der Hirt’ hält zu uns, seinen Schafen.

Der sichert uns auf jedem Weg.

Er mag die Bösen und die Braven,

verachtet nicht, wenn ich auch träg’.

Mit diesem Herrn ist Gott im Haus.

Mit uns verbündet sich die Macht.

Der Heilige macht sich was d’raus,

dass Sündern wahres Glück nun lacht.

An Israel und Christenleuten

soll alle Welt erkennen bald:

Die sich am Judenkönig freuten,

die leiden länger nicht Gewalt.

Die Liebe Gottes zahlt die Schuld.

Er macht, was uns auch fehlt, komplett.

Der Himmel demonstriert Geduld:

Christus, der kommt aus Nazaret.

An Gottes Kind, dem Jesusknaben,

kann sich aufrichten, was verlor’n.

Wir können wieder Hoffnung haben:

Uns ist der Heiland heut’ geborn.