Weihnachtslicht

Alfred Mignon · Kapitel 6 von 20

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Weihnachtslicht

Krippenkind

Es begab sich aber,

so schreibt es Lukas auf,

vor fast zweitausend Jahren,

- nun's g'schah dann öfter drauf -

dass alle röm'schen Länder

für Steuerzwecke wohl

sie schrieben ein in Listen.

Den Aufwand trieb man toll.

Ein jeder Mann des Landes

mußt sich, wo er geborn

eintragen in die Rolle,

so ging keiner verlorn.

Quirinius war Verwalter

von Syrien, dieser Zeit.

Drum steht er in der Bibel.

Hätt ihn der Ruhm erfreut?

Josef aus Galiläa,

dem Städtchen Nazaret,

verließ zum Zählenlassen

sein Haus, den Tisch, das Bett.

Er stammt' von König David

drum zwang man ihn hinauf

nach Betlehem in Juda.

Das gab ein' langen Lauf.

Maria ging wohl mit ihm,

obwohl es ihr nicht recht.

Für ihre andern Umständ'

war weites Reisen schlecht.

Gern hätt' er 's ihr erlassen.

Versucht hat er es schon. Armselig, bei den Tieren,

kriegt sie den ersten Sohn.

Ein Bettchen gab es nirgends,

in keinem Herbergshaus,

drum setzten sie ihr Kindchen

der Futterkrippe aus.

So kam der Herr der Himmel,

so kam Gott selbst zur Welt,

als obdachloser Kleiner

und nicht als Herrscher, Held.

Willst du auf seine Seite?

Dann sagt dir die Geschicht':

Du findest Gott beim Menschen.

Dort oben wohnt er nicht.

Weil's Licht ins Dunkel kommen,

fürchte das Dunkle nicht.

Wer hier zu ihm sich wendet,

hat auch in Nacht das Licht.

Es waren grad' die Hirten

der alten Davidsstadt,

die hörten in der Nacht noch,

was sich ereignet hat.

Sie galten als nicht redlich,

nicht ehrenhaft und drum

ihr Ruf als eher schädlich.

Ihr Lebensweg schien krumm.

Und gradewegs zu denen

schickte aus Himmelshöh'n

der Herr Gott seine Boten

und ließ sie Wunder sehn.

Die Hirten hörten Singen,

sah'n Licht und staunten an, denn ihnen wurd' verkündigt:

Gott kommt zu uns heran.

Die armen Hirtenbuben

war'n durch die Bank verschreckt,

als würde unsereiner

vom Alptraum aufgeweckt.

Den Burschen war es mulmig,

doch hielt der Schock nicht lang.

Sie hörten klar und deutlich:

Mensch, seid doch nicht so bang.

Ihr braucht euch nicht zu fürchten,

's gibt keinen Grund dazu.

Wir Gottesboten bringen

euch echte Seelenruh'.

Nicht nur für euch, für alle

kommt nun das Heil der Welt.

Das kann sonst keiner schaffen,

für keine Summe Geld.

In Betlehem, dem Städtchen,

das früher mal 'nen Rang

und einen Namen hatte,

der recht nach König klang,

'dort kam im Augenblicke

ein Kleinkind für euch an,

das alles das erfüllet,

was man nur wünschen kann.

Das Bündel in der Krippe

so unscheinbar und klein,

soll euer Herr und Heiland

und euer Friede sein.

Mit ihm wird's euch gelingen,

was ihr allein nicht schafft.

Gebt ihr ihm euer Leben,

schenkt er euch seine Kraft.

Die Hirten rannten eilig

zum angesagten Ort.

Sie fanden alles richtig

nach Gottes Botenwort.

Josef und auch Maria

die staunten gar nicht schlecht,

als sie's von ihnen hörten,

s' war beiden nicht so recht.

Es mußt' den Eltern scheinen

zu viel, zu hoch, zu schwer.

Kann denn ein Mensch ertragen,

was das an Last ihm wär'?

Wer sollte die Berufung,

die diesem Kind gestellt,

als Sterblicher erfüllen:

Heil sein für alle Welt?

Sie konnten es nicht fassen,

es ging ihnen durchs Herz.

Ein jeder mußte merken:

Die Nachricht ist kein Scherz:

Was auch das neue Leben

für uns noch bringen mag,

Gott ist kein Ding unmöglich.

Er bring' es an den Tag."

Die Hirten kehrten wieder

vom Kind zurück zum Vieh.

Was sie erfahren hatten,

vergaßen sie doch nie.

Solange sie auch lebten

erzählten s' weit und breit, dass Gott für seine Menschen

die Zukunft hat bereit'.

Die kleinen Leute damals,

die Gauner, Strolche, Hur'n,

die sollten sich einfahren

in Gottes Segensspur'n.

Von denen keiner dachte,

dass sie beachtet sei'n,

holt sich der Herr Gott selber

in seine Herde 'rein.

Jetzt gilt es allen Leuten,

nicht nur von Judas Stamm.

Auch wir sind aufgerufen,

zu folgen diesem Lamm.

Uns hat sich der geopfert,

der Huldigung verdient.

Am Kreuz wurde vollendet,

was unsre Schuld versühnt.