Der "Mensch des Dienstes" bei Fethullah Gülen: Nachfolger des "vollkommenen Menschen" in der islamischen Mystik?
2.1.3.5 Kirgisien
Der aktuelle Lehrplan der Schule zeigt sich wie folgt:
Timefordeling og læseplaner
Skoleåret 2009/10
1.kl. 2.kl. 3.kl. 4.kl. 5.kl. 6.kl. 7.kl. 8.kl. 9.kl.
Dansk (Dänisch) 12 10 10 9 9 8 8 7 7
Engelsk (Englisch) 1 2 2 3 4 4 4 4 5
Religion 1 1 1 1 1 1 1 1 2
Samfundsfag (Staatsbürgerkunde) - - - - - - - - 2
Historie - - 1 1 1 1 1 1 1
Idræt (Sport) 1 1 2 2 2 2 2 2 -
Musik 1 1 2 - - - - - -
Billedkunst (Bildende Kunst) 1 1 2 2 2 2 - - -
Hånd./Sløjd/Hjemk./Edb
(Hand./Woodwork/Hjemk./Computer) - - - 2 2 2 2 - -
Matematik 5 5 5 5 4 5 5 5 5
Natur/teknik 1 2 2 2 2 2 - - -
Geografi - - - - - - - 1 -
Biologi - - - - - - 1 1 -
Fysik/kemi (Physik/Chemie) - - - - - - 2 3 3
Tysk (Deutsch) - - - - - - 3 4 4
Klassens tid (Unterrichtszeit) 1 1 1 1 1 1 1 1 1
Lektioner pr. uge ialt (Lektionen pro
Woche Gesamt) 24 24 28 28 28 28 30 30 30
Modersmålsundervisning
(Muttersprachenunterricht) 2 2 2 2 2 2 - - -
2.1.3.5 Kirgisien
In Kirgisien gründete die Sebat-Education-Gesellschaft, derer Initiatoren durch Gülens Lehre inspirierte türkische Unternehmer waren, 1992 mit Genehmigung des kirgisischen Staates drei Schulen. Letztes Jahr feierten diese ihr 20. Jubiläum, und die Zahl ist inzwischen auf 14 Gymnasien, 6 Grundschulen, eine internationale Schule und eine Universität angewachsen. In diesen Institutionen folgen grundsätzlich dem kirgisischen Kurrikulum. Unterrichtssprache ist Englisch, Türkisch wird als zweite Sprache angeboten. Die Absolventen (heute zirka 9000) beherrschen insgesamt vier Sprachen (die genannten zuzüglich ihrer Muttersprache und Russisch). In den nationalen und internationalen Wissenschaftsolympiaden haben diese Schulen bis heute 22 Mal Gold, 60 Mal Silber, 89 Mal Bronze und 56 Ehrenmedaillen gewonnen. Der Lehrkörper besteht aus 141 türkischstämmigen und 565 heimischen Lehrern, nicht selten selbst Absolventen der Schulen. 1496
Eine von diesen Schulen ist die Internationale Silk Road School in Bishkek, deren Lehrplan vom britischen Nationallehrplan übernommen wurde.1497 In ihrer Grundschule werden strukturierte Gelegenheiten für die akademische, physische und soziale Entwicklung angeboten, indem die Kinder dazu ermutigt werden, unabhängig zu werden und Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu übernehmen. Die Kinder werden in relativ kleinen Klassen unterrichtet, wo sie von erfahrenen Lehrern und Klassenzimmer-Helfern unterstützt werden. Im Laufe der primären Jahre studieren Schüler eine volle Reihe von Themen, nämlich: Lese- und Schreibkundigkeit, Rechnen, Wissenschaft, die Sprachen Russisch, Kirgisisch und Türkisch, Kunst, Handwerk, Musik, Tanz, Leibeserziehung, Informationstechnologie, persönliche, soziale und hygienische Aufklärung, um das Lernen zu stärken oder zu erweitern.
In der Mittelschule lernen die Schüler im Alter von 11 bis 17 für die mittlere Reife. The Silk Road Schools stellt eine strukturierte, disziplinierte und wissenschaftliche Umgebung zur Verfügung, in der Schüler dazu ermutigt werden, hohe Standards zu erreichen. In den kleinen Klassenzimmern (ungefähr 15 Schüler in einem Zimmer) werden die Schüler durch Fachleute unterrichtet. Die Themen sind: Mathematik, Englisch, Literatur, Geschichte einschließlich Weltgeschichte und Geschichte Kirgisistans, Erdkunde, Französisch oder Türkisch (eine fakultative Wahl für Studenten), russische Sprache und Literatur, kirgisische Sprache und Literatur, Informations- und Nachrichtentechnologie, Leibeserziehung, Wissenschaft einschließlich Chemie, Physik, Biologie und Astronomie, Wirtschaft und Staatsbürgerschaft sowie Kunst und Design. 1498
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Kurrikula von Land zu Land verschieden sind. Alle Schulen legen die jeweiligen nationalen staatlichen Kurrikula zugrunde und bestimmen in diesem Rahmen die Einzelheiten. Religionsunterricht wird angeboten, solange das Kurrikulum es erlaubt. In den
1496 Interviews mit Orhan Inandı, 2010, Bishkek; http://www.turkokullari.net/content/
view/ 642/23/ (07.04.2012)
1497 Es kann auch im Internet an www.nc.uk.net gefunden werden. 1498 http://www.sris.com.kg/index.php?option=com_content&view=article&id=83&Ite Zusatzstunden werden kulturelle und bei Bedarf muttersprachliche Themen unterrichtet. Einige problematische Themen wie der Geschichtsunterricht oder der Darwinismus im Biologieunterricht werden entweder gar nicht behandelt oder nur recht oberflächlich. Gut 40 % der Lehrer haben einen türkischen Pass oder einen türkischen Migrationshintergrund. Die Schulleitungen bestehen aus gemischten Kadern. Die Schüler kommen von Land zu Land aus unterschiedlichen Milieus bzw. haben unterschiedliche Hintergründe: in Dänemark, Deutschland und in den Niederlanden überwiegend türkisch, während die Schüler in den USA und Kirgisien aus lokalen einheimischen Familien kommen.
Zudem gibt es kein Kopftuchverbot in diesen Schulen und Frauen können auch als Lehrerinnen oder Direktorinnen tätig sein. In Dänemark, Deutschland, den Niederlanden und den USA können alle Kinder in diese Schulen gehen, doch aufgrund der großen Nachfrage gibt es eine Aufnahmeprüfung, um die Quoten nicht zu überschreiten. Private Ersatzschulen in Europa müssen grundsätzlich kostenlos sein, und wenn sie anerkannt sind, werden sie gemäß den europäischen Gesetzen teilweise oder ganz vom Staat finanziert. Trotzdem haben die Privatschulen das Recht, eine bestimmte Menge an Geld von Eltern bzw. Erziehungsberechtigten der Kinder zu fordern, um ihre Nebenkosten auszugleichen. Im Gegensatz dazu ist der Zugang zu den Privatschulen in Kirgisien kostenpflichtig, und die Eltern bezahlen jährlich eine beachtliche Summe.
Hinsichtlich der Lehrpläne stellt sich beim Typ der Internatsschule die Frage, wie viel Zeit nach Erfüllung aller schulischen Aufgaben durch die organisierten Aktivitäten der Schüler/Schülerinnen noch verbleibt bzw. wie viel Zeit den Schülern innerhalb oder auch außerhalb des Schulgeländes zur eigenen Verfügung steht. Die Schulen bevorzugen überwiegend das Ganztagessystem. In den Schulen, die über ein Internat verfügen, verbringen die Schüler die ganze Zeit in der Woche auf dem Schulgelände. Zum Beispiel haben sie im Eringerfelder Gymnasium, dessen Schulgelände mehr als Zehntausende Quadratmeter groß ist, genug Platz für alle sportlichen und sozialen Aktivitäten, wie eigene Sporthallen, ein Schwimmbad, Lesesäle, Freizeit- und Hobbyräume, eine Bibliothek und einen Kinosaal. Die Kinder können all dies in ihrer Freizeit, besonders nachmittags nach der Schule, nutzen. Sie können aber auch in ihren Zimmern bleiben, die Platz für maximal drei Personen bieten. Auch gibt es die Möglichkeit, die Computerräume zu nutzen, wo sie im Internet surfen können. Abends gibt es zwei Stunden Zeit, in der die Kinder ihre Hausaufgaben machen oder einen Nachhilfekurs belegen können. Im Internat gibt es ein System der Selbstkontrolle, dennoch stehen die Kinder zusätzlich unter der Kontrolle ihrer groß ist. Mithilfe der Mentoren behandelt die Schule die Probleme der Kinder schnell und zuverlässig. Es gibt keine Moschee oder Gebetsräume, sondern nur kleine Mehrzweckerholungszimmer, wo die Kinder ihre traditionellen und religiösen Praktiken, wenn sie möchten, persönlich und freiwillig verrichten können.