Die Echsenwelt

Alan Dean Foster · Kapitel 1 von 20

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Die Echsenwelt

Kapitel 1

1

 

Wird man von bösen Zeitgenossen gejagt, wird das Leben gefährlich. Jagen einen die Guten, wird es un-angenehm. Doch jagt man sich selbst, können schon die einfachsten Dinge plötzlich beunruhigend, desta-bilisierend oder zu einer steten Quelle aufwühlender Verwirrung werden.

Das musste auch Flinx feststellen, der, auf der Su-che nach seiner Vergangenheit, einmal mehr auf dem heiligen, mystischen Boden jenes blauweißen Plane-ten wandelte, dem seine Spezies das Leben zu ver-danken hatte. Nur wurde der Boden, auf dem er ge-genwärtig schritt, von denen, die außer ihm noch hier waren, alles andere als ehrfürchtig behandelt – und einen Weg, um an die Informationen zu gelangen, die er aufzudecken hoffte, galt es nach wie vor erst noch zu finden.

Tacrica war ein trefflicher Ort, um den Mut zu ver-lieren. Pip, die seine Frustration spüren konnte, war schon seit Tagen zappelig und nervös. Immer wieder flatterte sie, ein irisierender Schemen aus pink-blauen faltbaren Flügeln und einem todbringenden rhom-benförmigen Körper, von seiner Schulter auf und sauste ziellos über seinem Kopf hin und her, nur um sich bald darauf erneut auf ihren angestammten Ru-heplatz zu begeben. Ebenso lebhaft wie farbenfroh, stellte der ausgewachsene weibliche Minidrache das Einzige dar, was Flinx in diesem Augenblick am Lei-be trug.

Seine Nacktheit erregte bei niemandem Anstoß, da alle anderen Sonnen- und Wasseranbeter, die umher-flanierten oder im Sand lagen, ebenfalls unbekleidet waren. Die menschliche Strandkultur des Jahres 554 A.A. hatte die Nutzlosigkeit von Bekleidung im Meer und entlang seiner Küsten schon lange erkannt. Schutzsprays hielten die schädliche UV-Strahlung ab, ohne dabei die Haut anzugreifen, und frivole aufge-malte Blickfänger schmückten sowohl attraktive Kör-per wie auch jene, die ihre besten Jahre hinter sich hatten. Es waren diese oftmals fantasievollen Bema-lungen, die im Blickpunkt bewundernder Aufmerk-samkeit standen, nicht etwa die banale Nacktheit, die sie umrahmte.

Flinx trug keinen augenfälligen Körperschmuck zur Schau, sah man von dem alaspinischen Minidra-chen ab, der sich um seinen Nacken und die linke Schulter ringelte. Modische Extravaganzen waren ihm ebenso fremd wie die urzeitlichen Sandkörnchen unter seinen Füßen. Sowohl kulturell als auch histo-risch gesehen war er hier ganz und gar fehl am Plat-ze. Abgesehen davon fühlte er sich in Menschenan-sammlungen unwohl. Moth, die Welt, auf der er auf-gewachsen war, war ihm mit ihren unbesiedelten Steppen und unerforschten Gebieten weitaus vertrau-ter. Zu Hause fühlte er sich eher in den Dschungeln Alaspins oder unter den blinden Sumacrea auf Long Tunnel, ja selbst im feindseligen, weltumspannenden Tropenwald von Midworld. An jedem anderen Ort, nur nicht hier. Überall, nur nicht auf der Erde.

Und doch war es die Erde, wohin es ihn schließlich erneut verschlagen hatte, auf der Suche nach sich selbst. Alle Wege führen nach Terra, so sagte man, und das schien auch für ihn zu gelten.

Außerhalb der Erde hatte die Vereinigte Kirche alle Informationen über die Meliorare-Society, die Gesell-schaft abtrünniger Eugeniker, die auch für seine Mu-tation verantwortlich war, mit dem Edikt des Morali-schen Imperativs belegt. Bei früheren Reisen und an-derenorts bestandenen Abenteuern hatte Flinx immer nur vage Hinweise auf die Machenschaften der Socie-ty erhalten, bruchstückhafte Erkenntnisse, die nie da-zu angetan waren, ihn auch nur ansatzweise zufrie-denzustellen. Sollte er jemals die letzten Geheimnisse seines Erbes enträtseln, dann hier.

Dennoch war er nur widerstrebend hierher gereist. Nicht weil er sich vor dem fürchtete, was er vielleicht entdecken würde – für solche Ängste war er längst zu alt. Nein, sondern weil es gefährlich war. Immerhin war er nicht der Einzige, der alle Einzelheiten über seine Herkunft erfahren wollte. Es gab auch andere. Aufgrund der Kontakte, die er gezwungenermaßen aufgenommen hatte, war er ins Visier der Vereinigten Kirche geraten, die ihn jetzt als Individuum wahr-nahm und nicht mehr als anonyme Ziffer in der Stati-stik irgendwelcher wissenschaftlichen Berichte. Und so hatte der Thranx und hochrangige Funktionsträger Druvenmaquez, seines Zeichens Zweiter Berater, an dem rothaarigen jungen Mann mit den strahlenden Augen, zu dem Flinx inzwischen geworden war, ein persönliches Interesse entwickelt.

Bei der Erinnerung lächelte Flinx still in sich hinein. Er hatte den leicht erregbaren Druvenmaquez auf Midworld abgehängt, hatte sich, als der Wissen-schaftsberater gerade beschäftigt gewesen war, ein-fach sang- und klanglos davongemacht. Bestimmt war der altehrwürdige Thranx darüber ziemlich ver-ärgert. Nun würde er sich mit dem wenigen zufrie-den geben müssen, was er bereits in Erfahrung ge-bracht hatte, denn auch seine Leute waren nicht im-stande gewesen, Flinx' Schiff, die Teacher, durch den Plusraum zu verfolgen.

Stets auf der Hut, hatte Flinx für den Augenblick entschieden, dem uralten Grundsatz zu folgen, wo-nach sich das beste Versteck direkt vor der Nase des Suchenden befindet. Welchen besseren Ort konnte es da geben als das Regierungs- und Religionszentrum einer der Commonwealth-Partnerwelten, auf der er vor Jahren schon einmal gewesen war, um nach In-formationen zu suchen? Früher oder später hätte er sowieso hierher zurückgemusst, wollte er jemals die Wahrheit über sich selbst in Erfahrung bringen.

Außer seiner Neugierde empfand Flinx seit ein paar Jahren eine zunehmende Dringlichkeit. Je mehr er sich dem vollen Erwachsenenalter näherte, umso deutlicher konnte er spüren, wie er sich veränderte. Es schien, als brächte jeder Monat eine neue Offenba-rung. Er konnte die Veränderungen nicht genau be-nennen, keine herausgreifen und ausloten, aber ihre Nebelhaftigkeit machte sie nicht weniger real. Etwas geschah mit ihm, in ihm. Sein Ich, wie er es kannte, wurde allmählich zu etwas anderem.

Und das machte ihm Angst. Und da es niemanden gab, mit dem er reden konnte, niemanden, dem er vertraute, einmal abgesehen von seiner hochempathi-schen, aber leider nicht vernunftbegabten fliegenden Schlange, blieb ihm nur übrig, bei sich selbst nach Er-klärungen zu suchen – nach Erklärungen, die er sich wünschte, solange er denken konnte, doch niemals bekommen hatte.

Und deshalb war er das Risiko eingegangen und auf die Erde zurückgekehrt. Denn wenn sich die nö-tigen Informationen irgendwo finden ließen, dann tief vergraben in der ungeheuren Menge an ange-häuftem Wissen, das einen der größten Schätze der Heimatwelt darstellte.

Doch wenn dies seine Heimatwelt war, sein Zuhau-se, wieso fühlte er sich dann so sehr wie ein Fremder? Die Frage machte ihm hier und jetzt noch mehr zu schaffen als bei seinem ersten Zwischenspiel auf Ter-ra vor ungefähr fünf Jahren.

Er versuchte an etwas anderes zu denken. Es brachte nichts, über irgendwelche Neurosen zu sinnieren, die sich im Lauf von zwanzig Jahren entwickelt hatten. Er war hier, um an Fakten zu gelangen; nicht mehr und nicht weniger. Es war wichtig, dass er sein Augenmerk und seine Bemühungen allein darauf konzentrierte, aber nicht nur, um sich endlich die gesuchten Informa-tionen zu beschaffen, sondern auch, um der Auf-merksamkeit der Behörden zu entgehen.

Welche anderen Dienststellen, abgesehen von dem Thranx und seinen Handlangern, die gezielt nach ihm fahndeten, noch ein Interesse an einem gewissen Philip Lynx hatten, vermochte Flinx nicht zu sagen. Aber es spielte auch keine Rolle. Bis er die Heimat-welt wieder verließ, war ein gesundes Maß an Para-noia gewiss nützlich, um etwaige Unachtsamkeiten zu vermeiden – doch nur, wenn er dafür sorgte, dass seine Gedanken nicht ziel- und steuerlos auf einer unruhigen See aus lückenhaften Erinnerungen und inneren Konflikten dahintrieben.

Natürlich hätte er die Antworten auf die ihn quä-lenden Fragen auch erlangen können, indem er sich einfach den Behörden stellte. Druvenmaquez oder die Spezialisten anderer maßgeblicher Abteilungen wür-den sicherlich nur allzu gern die Tiefen seiner Ge-heimnisse ausleuchten. Doch erklärte man sich erst einmal mit solchen Untersuchungen einverstanden, dann konnte man nicht mehr aufstehen und gehen, wann immer es einem beliebte. Versuchskaninchen besaßen keine Persönlichkeitsrechte. Unter Umstän-den würde er sich sogar einer eingehenden Überprü-fung seitens derjenigen aussetzen müssen, denen er tunlichst aus dem Weg gehen wollte – den großen Handelshäusern, anderen Privatfirmen, den etwaigen Resten gewisser ketzerischer und geächteter Gesell-schaften und Ähnlichem. Er würde zu einem ge-winnbringenden Laborobjekt werden, was seine ganz eigenen Folgen mit sich brächte – und die Aussicht auf eine lange, gesunde und glückliche Zukunft ge-hörte nicht dazu.

Irgendwie musste er es schaffen, seine Herkunft aus eigener Kraft aufzudecken, und zwar ohne dass die Behörden von seiner Gegenwart erfuhren, auch wenn sie möglicherweise dabei helfen könnten, seine Ängste zu verringern. Und er musste es rasch tun, bevor die Veränderungen, die er spürte, zu weit ge-diehen wären.

So wurden beispielsweise die grauenvollen Kopf-schmerzen, die blendende Lichtblitze in den Augen erzeugten und an denen er seit frühester Kindheit litt, spürbar schlimmer, sowohl was ihre Heftigkeit als auch was die Häufigkeit ihres Auftretens betraf. Wäre er im Fall des Falles überhaupt noch imstande, zwi-schen gewöhnlichen Kopfschmerzen und einer Ge-hirnblutung zu unterscheiden? Wäre er in der Lage, mit den physischen und den psychischen Konse-quenzen der Veränderungen fertig zu werden? Er brauchte Antworten auf die alten und auf die neuen Fragen, und er brauchte sie bald.

Unter all den Milliarden und Abermilliarden Men-schen auf den besiedelten Welten, die in den uner-messlichen Weiten des Commonwealth verstreut la-gen, gab es wohl niemanden, der die Klage »Nie-mand versteht mich« mit größerer Berechtigung aus-sprechen durfte als ein schlaksiger, junger Rothaari-ger namens Philip Lynx, genannt Flinx.

Bevor er sein kleines Transferschiff auf dem Nazca-Shuttlehafen im Norden von Tacrica abgestellt hatte, hatte er eine ganze Weile im freien Raum zugebracht, um seine Ankunft in der großen Bibliothek Erde vor-zubereiten. Zunächst hatte er von einer der zahlrei-chen Orbitalstationen aus versucht, auf die Shell zu-zugreifen – ein freies Informationsnetzwerk, das den gesamten Globus umspannte.

Es hatte ihn nicht sonderlich überrascht, dass das kleine Segment, auf das er aus dem Orbit heraus Zugriff hatte, keinerlei Informationen bot, die über die frei zugänglichen Basisdaten wie Name und Ge-burtstag hinausgingen – abgesehen von einem kurzen historischen Verweis auf die Zerschlagung der geäch-teten Meliorare-Society im Jahre 530, drei Jahre vor seiner Geburt.

Doch diese Fakten waren ihm bereits bekannt.

Um an das heranzukommen, was ihn wirklich in-teressierte, an Daten, die zweifellos einer Zugangsbe-schränkung unterlagen, verboten oder gar mit einem Kirchenedikt belegt waren, würde er intensive Nach-forschungen anstellen müssen.

Das bedeutete, dass er sich Zugang zu einem der Datenverteiler verschaffen musste, welche die Shell versorgten. Der Kirchen- und Wissenschaftsverteiler des Commonwealth auf Bali wäre dafür ideal. Aber sich an einem so unübersehbaren und gleichzeitig so streng gesicherten Ort blicken zu lassen, zu dem die Öffentlichkeit nur begrenzten Zutritt hatte, forderte den Ärger geradezu heraus – insbesondere da er die-se heiligen Hallen schon früher einmal betreten hatte. Damals hatte er lediglich etwas zu den näheren Um-ständen seiner Geburt erfahren wollen.

Da er nicht wusste, wie detailliert und umfänglich seine aktuelle Personenbeschreibung bei den örtli-chen Behörden vorlag, hielt Flinx es für ratsam, sich für den Zeitraum seiner Recherchen auf Terra so un-verdächtig wie möglich zu verhalten. Demnach ka-men die renommiertesten und bestüberwachten For-schungszentren für ihn nicht in Frage.

Namen und Gesichter der Vergangenheit stiegen in seiner Erinnerung auf. Ob wohl Pater Namoto noch immer durch die Tiefen der Genealogischen Abtei-lung auf Bali streifte? Ob wohl der Zweite Berater Jo-shua Jiwe noch für die Sicherheit zuständig war? Und wo mochte die äußerst fähige Thranx Sylzenzuzex wohl heute ihre Arbeit verrichten?

Auf der anderen Seite des gewaltigen Ozeans, der seine Füße umspülte und den die Menschen Pazifik nannten, lagen Erinnerungen wie Treibholz am Strand und warteten darauf, neu entdeckt zu werden. Flinx wischte all diese Gedanken beiseite. Unmöglich konnte er zum zweiten Mal innerhalb von fünf Jahren an die Pforten der wissenschaftlichen Zentrale der Kirche klopfen. Ob es ihm nun gefiel oder nicht, wel-che Recherchen auch immer er anzustellen gedachte, sie mussten aus der Ferne durchgeführt werden.

Indem er aus der relativen Anonymität der Orbital-station heraus die Shell durchforstet hatte, hatte Flinx die Zahl geeigneter Verteileranlagen, denen er relativ gefahrlos einen Besuch abstatten konnte, auf drei re-duziert. Aus den Zentren in den terranischen Provin-zen Kalahari, Kandy und Cuzco wählte er den Shell-Verteiler in Surire aus, der an der Westflanke einer Gebirgskette namens Anden lag. Der Zugriff vor Ort auf die Kerndatenbank war natürlich ausschließlich dem Fachpersonal vorbehalten. Doch wie bei vielen derart imposanten und bedeutungsvollen Anlagen wurden der Öffentlichkeit Führungen durch die äu-ßeren, nicht ganz so sensiblen Bereiche geboten. Das hielt man für lehrreich.

Immer zur Stelle, wenn es um Lehrreiches ging, hatte Flinx sich sogleich einer dieser Touren ange-schlossen. Wie erwartet waren die internen Sicher-heitsmaßnahmen, die der Fremdenführer beiläufig erwähnte, beträchtlich. Wenn er also in die Einrich-tung und zu dem Wissen vordringen wollte, das er dort zu finden hoffte, würde er auf jeden Fall Hilfe benötigen.

Und um sich diese zu verschaffen, war er sogar be-reit, seine Talente als Empfänger und Sender zu nut-zen – um Emotionen zu erspüren und dann gezielt auf diese einzuwirken. Bisher hatte er so etwas nur wenige Male in seinem Leben getan, und auch nur, um sich gegen jemanden zu wehren, der ihm Schaden zufügen wollte.

Diesmal jedoch kam er sich dabei, nun ja, ein wenig schäbig vor.

Ja, er hatte einen Plan. Weshalb er nun auch den Strand am Point Argolla entlangschlenderte, der süd-lich des dicht besiedelten Garza-Deltas mit seinem Vergnügungspark und angeschlossenen Hotels lag, die sich in bester Lage sowohl über wie auch unter Wasser befanden. Obwohl von scheinbar gleichge-sinnten Sonnenanbetern umgeben, fühlte er sich un-wohl, und je eher er wieder zu den entlegenen Ge-genden des Commonwealth-Raums aufbrach, umso besser. Kurz: Es gefiel ihm hier nicht, und das, was er gezwungen sein würde zu tun, gefiel ihm noch viel weniger.

Vor der Küste tollten ein paar Kinder in der sanften Brandung. Die eisigen Fluten des nordwärts fließen-den Humboldtstroms wurden von dem gewaltigen Wärmeüberschuss, den die Entsalzungsanlage weiter südlich ausstieß, aufgeheizt. Doch diese kurzzeitige Erwärmung reichte lediglich hinab bis in eine Tiefe von vier oder fünf Metern. Unterhalb dieser künstlich geschaffenen Thermokline ging das Leben im Pazifik seinen gewohnten Gang.

Landeinwärts, jenseits des Strands, wichen die Obst- und Gemüsegärten der Atacamawüste rasch den Ausläufern der Hochanden. Das lang gestreckte Seebad, bekannt unter dem Namen Tacrica, war nicht ganz so überlaufen wie die anderen dieses Konti-nents. Für Menschen, die an seinen Stränden Sonne, Meer und Vergnügen suchten, war es das Paradies. Für Flinx hingegen hatte die Anlage, wie überhaupt die ganze Erde, absolut nichts Paradiesisches. Ein Ge-fühl des Nachhausekommens war völlig ausgeblie-ben, als er seinen Fuß auf diesen Boden gesetzt hatte. Nicht eine Träne plötzlicher Ergriffenheit hatte der rothaarige Außenweltler mit dem olivfarbenen Teint vergossen. Für Flinx war die Erde nichts weiter als ein kugelförmiger Klumpen Menschheitsgeschichte, der eine drittrangige Sonne umkreiste.

Was er von dieser Welt wollte, waren Auskünfte, keine unechten Gefühle. Das jedenfalls hatte er im Zuge seines letzten Besuches begriffen.

Und eine Frau namens Elena hatte ihm gesagt, wo er sie voraussichtlich finden würde. Er spürte sie, noch ehe er sie sah. Die in seiner Erinnerung abge-speicherte typisch weibliche Emotion war für sein Ta-lent so leicht zu wittern wie angegangenes Fleisch für einen Hund: die Verliebtheit einer jungen Frau. Sie hatte nicht deshalb einen Narren an ihm gefressen, weil er der Mann war, von dem sie ihr ganzes Leben lang geträumt hatte, auch nicht, weil er ein Ausbund an männlichen Tugenden war, sondern weil er diese Gefühle in sie hineinprojiziert hatte – sorgfältig ge-mischt und dosiert wie die Farben eines Künstlers auf einem Ölgemälde.

Flinx war empathischer Telepath. Wenn seine un-beständigen Fähigkeiten denn einmal funktionierten, war er in der Lage, die Emotionen anderer zu lesen. Im Verlauf des vergangenen Jahres hatte er zudem herausgefunden, dass sein sich stetig veränderndes, offenbar aufblühendes und doch so sprunghaftes Ta-lent sich mitunter auch zur Projektion von Empfin-dungen einsetzen ließ. Mithilfe der technischen Gerä-te an Bord der Teacher war es ihm sogar gelungen, die winzigen elektrischen Entladungen zu messen, die dabei in bestimmten Bereichen seines Gehirns er-zeugt wurden. Um diese neurophysikalischen Vor-gänge zu verstehen, würden eine Menge weiterer Un-tersuchungen erforderlich sein, und auch Fachkennt-nisse, die er nicht besaß. Eines stand jedoch außer Frage: Es bedurfte einer enormen Geistes- und Wil-lensanstrengung, das Kunststück zu vollbringen.

Zuerst war es nicht mehr als eine Ablenkung ge-wesen, ein Spiel, eine Möglichkeit, sich mit seinen rätselhaften Talenten die Zeit zu vertreiben. Bis vor kurzem, als er gezwungen gewesen war, sie zu seiner eigenen Verteidigung einzusetzen, wäre er nie auf den Gedanken gekommen, dass sie sich auch in an-derer Hinsicht als nützlich erweisen könnten, zumal eine hohe Wahrscheinlichkeit bestand, dass sie im entscheidenden Augenblick nicht funktionierten. Sie hatten nämlich die ausgesprochen fiese Angewohn-heit, ihn immer dann im Stich zu lassen, wenn er sie am dringendsten brauchte.

All dies war ihm auch während seiner Besichti-gung des Shell-Verteilers in Surire durch den Kopf gegangen. Das rundum glückliche Knäuel Touristen, dem Flinx sich angeschlossen hatte, wurde nicht nur durch diverse Bereiche der Einrichtung geführt, es standen auch an mehreren Punkten Mitarbeiter für Fragen zur Verfügung. Verwaltung, Technik, Cryo-nik-Design, Kommunikation, Cygenic – Vertreter al-ler Abteilungen hatten ihre tägliche Arbeit unterbro-chen, um mit den Besuchern ein paar Worte über ihr jeweiliges Fachgebiet zu wechseln.

Auch die Sicherheitsabteilung war nicht ausgelas-sen worden.

In ihrer makellosen schwarzgelben Uniform hatte Elena Carolles ihren aufmerksamen Zuhörern me-thodisch und ohne sensible Details preiszugeben die wesentlichen Funktionsweisen des Sicherheitssy-stems erklärt. Nachdem sie ihren Vortrag beendet hatte, durften die Gäste einen kurzen Blick in einen verschlossenen Raum werfen, der sich hinter einer Si-cherheitsscheibe befand. Flinx machte von dieser Ge-legenheit keinen Gebrauch. Stattdessen war er ziel-strebig und mit einer für ihn untypischen Kaltblütig-keit von dem plappernden Fremdenführer fort und hinüber zu Elena geschlendert. Es sprach für sie, dass sie nicht einen Zentimeter vor dem Minidrachen zu-rückgezuckt war, der auf seiner Schulter döste. Viel-mehr hatte sie ihn und Pip mit höflichem Gleichmut betrachtet. Mit ihren Gedanken war sie offenbar ganz woanders gewesen, und die waren Flinx verschlossen geblieben.

Doch ihre Emotionen nicht.

Sie war nur wenig älter als er, verletzlich, ein biss-chen unsicher und wie viele Frauen ihres Alters auf der Suche. Nicht so sehr nach ihrem inneren Selbst, sondern vielmehr nach jemandem, der ihr Leben komplettierte. Er hatte es spüren können. Ob es aller-dings in ihrem Leben schon jemanden gab, hatte au-ßerhalb seiner Wahrnehmungsmöglichkeiten gele-gen. Er hoffte, nicht, denn es würde die Dinge nur komplizieren. Er hatte ihre Empfindungen in sich aufgesaugt, kategorisiert und wie Spielkarten sortiert. Und als er schließlich das Gefühl gehabt hatte, genug über Elenas emotionale Struktur zu wissen, als er halbwegs sicher gewesen war, an welchen Knöpfen er bei ihr drehen musste, hatte er sein Bewusstsein in einer so gewaltigen empathischen Anstrengung aus-gedehnt wie noch nie. Er hatte Kopfschmerzen be-kommen, aber nicht lockergelassen.

Pip hatte auf seiner Schulter jäh aufgeblickt, den todbringenden, grün schillernden Kopf kaum merk-lich hin und her bewegt. Infolge des immensen gei-stigen Kraftaufwands ihres Begleiters hatte auch die fliegende Schlange ihr Bewusstsein geöffnet. Obwohl nur zu wenigen einfachen Emotionen imstande, war der Drache für Flinx' Talent so etwas wie ein Verstär-ker. Pip intensivierte nicht nur seine Wahrnehmung, sondern auch wie sich in jenem Moment herausge-stellt hatte, seine Fähigkeit, etwas zu projizieren, das weniger instinktiv war als Angst.

Die Sicherheitsangestellte hatte irritiert geblinzelt. Ein Ausdruck von Unsicherheit, gepaart mit Überra-schung, war über ihr Gesicht gehuscht. Auch ihre Haltung hatte sich verändert; sie hatte dagestanden, wie von einem Geistesblitz getroffen, dann hatte sie aufgeblickt und den schlaksigen, grünäugigen jungen Mann, der sie anstarrte, bewusst wahrgenommen. Flinx hatte sie angelächelt, mit dem rechten Maß an Unschlüssigkeit. Auch wenn er noch keine längere Beziehung mit einer Frau geführt hatte, sah man von seiner Adoptivmutter Mastiff einmal ab, hatte es in seinem Leben Frauen – und andere Aliens – gegeben. Lauren Walder zum Beispiel. Atha Moon, Isili Has-boga, Clarity Held ... Er konzentrierte sich wieder auf den Augenblick, und der Gesichtsausdruck der lei-tenden Sicherheitsangestellten geriet zu einer einzi-gen Einladung.

Als die Führung weiterging, blieb er hinter den an-deren zurück. Obwohl sein Herumtrödeln gegen die Besucherregeln verstieß, hatte die Frau gegen seine fortdauernde Anwesenheit nichts einzuwenden. Ihr Name war Elena Carolles, wie er dann erfuhr. Wenn er mit ihr sprach, wurden seine Worte von einem subtilen emotionalen Stoß begleitet, vermittelt durch einen genau kalkulierten mentalen Impuls. Und wenn sie antwortete, fing er mit einem Sinn ähnlich wie das Gehör ihre Empfindungen auf. Eine ausge-sprochen schwierige Art der Verführung, die noch dadurch erschwert wurde, dass sie in äußerster Eile vonstatten gehen musste und dass er diesen Betrug verabscheute. Vor nicht allzu langer Zeit war er um seiner eigenen Freiheit willen genötigt gewesen, übermächtiges Entsetzen zu suggerieren. Was er mit der Sicherheitsangestellten erprobte, verlangte jedoch weitaus größere Subtilität bei der Dosierung der ver-mittelnden Kräfte, damit er seine Zielperson nicht vollkommen erdrückte.

Er hatte gar nicht erst versucht, sie direkt an Ort und Stelle zu überreden, ihm Zugang zu den sensi-blen, streng gesicherten Bereichen der Einrichtung zu gewähren. Die Anfragen, die er dem System zu stel-len haben würde, waren noch nicht gänzlich durch-dacht, und übermäßige Eile hätte bei der mental wehrlosen Frau nur zu gefährlicher Instabilität ge-führt. Außerdem hätte ihn der Führer der Besichti-gungstour früher oder später mit Sicherheit vermisst. Für den Augenblick reichte es völlig, dass eine Ver-bindung hergestellt war und sie sich später woanders mit ihm treffen wollte. Die Wegbeschreibung hatte er sich sorgfältig notiert.

Und jetzt, während er sich vom Wasser entfernte und auf die kunstvoll angeordnete Gruppe von Find-lingen zuhielt, die sie ihm beschrieben hatte, bemühte er sich nach Kräften, sich alle vielleicht nützlichen Details ihres ersten Zusammentreffens in Erinnerung zu rufen. Für einen Augenblick war er besorgt, als er ihr Gesicht unter den Strandgästen nicht fand. Doch dann sah er sie unter einem polarisierenden Sonnen-schirm sitzen. Nackt, wie sie war, hatte er sie nicht gleich auf Anhieb erkannt. Ärgerlicherweise war sie nicht allein.

Die andere Frau schien ungefähr in Elenas Alter zu sein, möglicherweise ein oder zwei Jahre älter. Keine von beiden war ein unschön zu nennender Anblick, aber Flinx hatte sich mental nicht so sehr ins Zeug ge-legt, weil er auf Sex aus gewesen war. Er wollte Zu-gang zu Informationen.

»Philip!« Als Elena ihn entdeckte, setzte sie sich auf und lächelte ihn an. »Arlette, das ist mein neuer Be-kannter, Philip Lynx.«

Die andere Frau musterte den unbekleideten jun-gen Mann, der vor ihr stand, mit kritischem Blick. Trotz des neutralen Gesichtsausdrucks, um den sie sich bemühte, konnte Flinx eine unterschwellige Feindseligkeit spüren. Also nahm er alles, was er an Harmlosigkeit und Wohlwollen aufzubringen ver-mochte, und konzentrierte sich darauf, sie in Arlette zu projizieren. Einen beunruhigenden Moment lang hegte er die Befürchtung, dass sein launenhaftes Ta-lent sich für diesen Vormittag verabschiedet haben könnte. Doch dann trat ein Lächeln in das Gesicht der jungen Frau. Es war ein verwirrtes Lächeln, so als wüsste sie selbst nicht, woher es eigentlich kam – aber es langte allemal.

Flinx setzte sich neben sie und ließ Elena weiter-plappern, wobei sie während des Smalltalks keine Gelegenheit ausließ, der Frau, die offenbar ihre beste Freundin war, zu stecken, welche männlichen Vorzü-ge ihre jüngste Eroberung besaß. Obwohl diese mehr eingebildet denn tatsächlich vorhanden waren, erhob Flinx keinen Einspruch. Dann und wann regte sich Pip auf seiner Schulter und reckte sich in der Sonne. Freizeitwasserfahrzeuge aller Art jagten jenseits der Brandung über die Wellen, lautlos und in verschlun-genen Mustern, deren Sinn sich nur ihren Lenkern er-schloss.

Ab und zu steuerte er ein paar Worte zu dem Ge-spräch bei. Immer freundliche, stets unverfängliche Kommentare, gerade ausreichend, um ein Interesse an dem, was gesagt wurde, vorzutäuschen und Auf-merksamkeit zu signalisieren. Innerlich jedoch mach-te es ihn ungeheuer wütend, dass er sich durch derar-tige Präliminarien quälen musste. Die natürlich nötig waren, wie er wohl wusste, allein schon, um Elenas Freundin von seinen lauteren Absichten zu überzeu-gen. Nach mehreren Stunden Geplauders, etlichen beruhigenden Versicherungen seitens Elenas sowie einem gelegentlichen mentalen Stubser von dem jun-gen Mann, der an ihrer Seite saß, war es endlich ge-schafft. Als Arlette schließlich noch etwas über seine berufliche Situation wissen wollte, erzählte Flinx ihr, er sei Student und bestreite seinen Lebensunterhalt von einer großzügigen Erbschaft.

Dann ging man zusammen schwimmen. Bei einem luftkissenbetriebenen Verkaufsautomaten, der gerade vorbeischwebte, organisierte sich das Trio etwas zu essen. Man diskutierte über die Commonwealth-Politik, die Flinx herzlich wenig kümmerte, und über die Ethik der Vereinigten Kirche, die ihn ein bisschen mehr interessierte. Das Reisen kam ebenfalls zur Sprache, jedoch ausnahmslos zu Zielen auf der Erde, und Flinx musste grinsen, als sich die beiden Frauen über den zeitlichen Aufwand beklagten, der damit verbunden war, von A nach B zu gelangen. Er war es gewohnt, seine eigenen Reisen in Parsecs zu messen und nicht in Kilometern.

Es war eine äußerst angenehme Art, einen ganzen Tag zu vertrödeln, doch seine Ungeduld hinderte ihn daran, die Gesellschaft der beiden attraktiven jungen Frauen wirklich zu genießen. Als Arlette irgendwann beschloss, am Strand sonnensegeln zu gehen, war Flinx endlich allein mit der Sicherheitsangestellten. Es war an der Zeit für seinen nächsten Zug – einen Zug, den kein anderer Mann an diesem Strand unter ähnli-chen Umständen auch nur in Erwägung gezogen hät-te.

Wie beiläufig nahm er eine Hand voll Sandkörner auf und ließ kleine Sternchen aus Quarz und Glim-mer durch seine Finger rieseln. »Du musst deine Ar-beit wirklich sehr lieben, Elena.«

Auf dem Rücken liegend verstellte Elena den Son-nenschutz, um mehr Licht und Himmel hindurchzu-lassen und gleichzeitig die schädlichen UV-Strahlen auszufiltern. »Es ist ein Job. Er ist ganz okay, schätze ich.«

»Eine ziemlich große Verantwortung.« Pip glitt an seinem Arm hinunter und prüfte mit ihrer spitzen Zunge den Sand. Angesichts seiner Ungenießbarkeit zuckte sie heftig zurück.

»Es geht«, widersprach sie. »Es gab noch nie ir-gendwelchen Ärger in der Einrichtung. Sie liegt viel zu weit ab vom Schuss. Abgesehen davon sind Sabo-tage und Revolten schon ziemlich lange aus der Mode.« Sie rollte sich auf die Seite und lächelte ihn liebevoll an. Wohl wissend, dass der Ausgangspunkt der Emotionen, die sie befallen hatten, nicht bei ihr selbst zu suchen war, verspürte Flinx ein plötzliches Bedürfnis nach Absolution.

Mit erzwungenem Lächeln bedrängte er sie weiter. »Na ja, ich fand's jedenfalls sehr interessant. Aber ich würde wirklich gern mehr darüber erfahren. Bei der öffentlichen Führung wurde lediglich angedeutet, was sich in dieser Anlage alles verbirgt.« Er ließ den Blick über den Strand schweifen und nahm befriedigt zur Kenntnis, dass von Arlette weit und breit nichts zu sehen war.

»Wie kommt's, dass dich die internen Bereiche von Shell so sehr interessieren?«

»Mich interessiert alles«, antwortete er wahrheits-gemäß. »Es würde mir viel bedeuten, wenn ich noch mal hineindürfte, auch wenn es nur für eine Stunde wäre.«

Ihr Lächeln wurde unruhig. Ein spürbarer Konflikt wallte in ihr auf. Flinx ließ seine Kräfte spielen und erstickte diesen im Keim. Kaum merklich zuckte Pip zusammen. Da kehrte Elenas Lächeln wieder zurück, wenngleich ihre Züge auch einige Spuren von An-spannung zeigten.

»Das kann ich nicht tun. Du weißt, dass das nicht geht, Philip. Es könnte mich meinen Job kosten.«

Sein eigenes Lächeln wurde breiter. »Ach komm, Elena. Ich will mich doch nur ein wenig umsehen, mir das anschauen, was auch du tagtäglich siehst. Einmal im Leben direkten Zugriff haben auf Shell an-statt aus der Ferne mit ein paar Minuten Verzöge-rung. Das wäre etwas, wovon ich meinen Enkelkin-dern noch erzählen könnte. Ich lasse auch ganz be-stimmt meine Finger von sensiblen Daten«, log er. Er rückte ein Stück näher an sie heran, brachte sein Ge-sicht ganz dicht an ihres. Die schwarzen Augen, der schmale Mund waren geschlossen und wirkten so verletztlich. Er küsste sie und hasste sich dafür. Gleichzeitig las er in ihr wie in einem offenen Buch und projizierte in sie hinein, was sie sich am meisten zu empfinden wünschte. Was immer sie an Wider-stand aufgeboten hatte, brach unter seinem Ansturm zusammen. In seinem Hinterkopf tobte ein unbarm-herziger Schmerz. In diesem Moment wollte er am liebsten aufstehen und gehen, sich in irgendeine dunkle Ecke verkriechen und kotzen.

Immer noch lächelnd zog er sich von ihr zurück. Haltlos trieb sie dahin auf einem Meer von Gefühlen, die sie sich nicht zu erklären vermochte. Was auch kein Wunder war, denn es waren nicht ihre.

»Du kannst, Elena«, flüsterte er sanft. »Es ist doch nur eine Kleinigkeit, und ich verspreche dir, ich wer-de dich nie wieder darum bitten.« Zumindest das war nicht gelogen. »Du kannst es tun – für mich.«

Keuchend, die Augen in trügerischer Entrücktheit halb geschlossen und mit flatternden Lidern, dachte sie über sein Ansinnen nach. »Es könnte gehen – wird aber nicht einfach.« Jäh schlug sie die Augen auf. »Ich hab's! Keinem der Angestellten ist es erlaubt, die Sicherheits-kleidung außerhalb des Geländes zu tragen. Daher ziehen wir uns in einem speziellen Umkleideraum um. Wenn ich es schaffe, dich irgendwie dorthinein-zuschmuggeln, dann könnten wir nach einer passen-den Uniform für dich suchen. Es kommt in dem Kom-plex immer wieder zu Personalwechseln und internen Versetzungen. Die Einrichtung ist viel zu groß und zu weitläufig, als dass jeder jeden kennen könnte, selbst nicht innerhalb der einzelnen Abteilungen. Nach eini-gen Tagen würde man dir vermutlich auf die Schliche kommen, aber für ein paar Stunden –« Unvermittelt rang sie nach Luft und griff sich mit an den Hals.

Alarmiert streckte er seinen Arm nach ihr aus. »Elena! Alles in Ordnung?«

Sie schluckte ein paar Mal schwer. »Ich glaube, ja. Schätze ich jedenfalls.« Erneut mischte sich Unsicher-heit in ihr Lächeln, zerrte und zog daran wie die Zen-trifugalkräfte einer Hochgeschwindigkeitsachter-bahn. »Hatte gerade nur so ein komisches Gefühl.« Ihre Mundwinkel hoben sich wieder. »Aber es ist schon wieder weg.«

War es nicht, wie Flinx wusste, aber die Gefahr war für den Moment zumindest gebannt. »Weißt du, ich würde es gern so bald wie möglich angehen.«

»Warum hast du's eigentlich so eilig?« Aus klaren und doch irgendwie verwirrt blickenden Augen sah sie ihn an.

»Ich möchte dir einfach nur keine Gelegenheit ge-ben, deine Meinung zu ändern.« Er streichelte über Pips muskulösen Körper, und fast hätte man meinen können, der Minidrache beginne zu schnurren. »Wer weiß? Nächste Woche magst du mich vielleicht schon nicht mehr.«

»Philip, du bist anders als alle anderen Männer, die mir jemals begegnet sind.« Sie kam näher und ver-schränkte ihre Finger in seine. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich dich überhaupt irgendwann ein-mal nicht mehr mag.«

Komisch, dachte er bei sich. Ich schon.