Die Echsenwelt

Alan Dean Foster · Kapitel 3 von 20

PDF-Seiten

Die Echsenwelt

Kapitel 3

3

 

Langsam lehnte Flinx sich auf seinem Stuhl zurück. Das Material der Rückenlehne entspannte sich, doch nicht so er. Was im Namen aller Minusraumsverzer-rungen ging hier eigentlich vor? Commonwealth-Schiffen drohte beim Eindringen in den Raum des Kaiserreichs die sofortige Vernichtung. Militärische Einheiten führten ihre Bewegungen nur mit äußerster Behutsamkeit in Grenznähe aus und dann auch min-destens zu zweit. Selbst ein Besuch der neutralen Tor-see-Provinzen war ohne eine Sondergenehmigung beider Regierungen riskant. Kurz: Ein gewöhnlicher Handelsraumer wie die Crotase flog einfach nicht dorthin. Punkt.

Unterstand das Schiff möglicherweise den Meliora-ren oder irgendeinem bislang unerkannt gebliebenen ideologischen Ableger von ihnen? Arbeiteten sie – oder sonst irgendjemand innerhalb der nach außen so harmlos erscheinenden Larnaca Nutrition – vielleicht mit den AAnn zusammen? Seine Mundwinkel verzo-gen sich zu einem spöttischen Grinsen. Oder hatten die grausamen reptiloiden AAnn etwa plötzlich einen unbändigen Heißhunger auf billiges menschliches Knabberzeugs entwickelt? Das kam ihm alles nicht wahrscheinlich vor.

Flinx stand vor einem völligen Rätsel. Diese Spur war viel zu verwickelt, als dass er sie hier und jetzt entwirren konnte. Besser, er konzentrierte seine Be-mühungen auf den Inhalt der gestohlenen Syb. Alles Weitere war im Augenblick nebensächlich und konn-te später geklärt werden.

Aus einer Tasche kramte er einen Chyp hervor und schob ihn in den passenden Slot auf dem Schreib-tisch. Der winzige Nanospeicherstreifen würde alle Daten, die er benötigte, fassen. Beiläufig fragte er sich, was ein »Chyp« wohl ursprünglich einmal ge-wesen war. Wie so vieles war auch der Ursprung ge-bräuchlicher Bezeichnungen für jede Form portabler Speichermedien in den Nebeln grauer technologi-scher Vorzeit versunken.

»Die Reiseroute des Frachters Crotase transferieren und anzeigen.«

»Das wäre Diebstahl.« Die Stimme der KI blieb zum Verücktwerden gelassen. »Es könnte negative Folgen haben. Ich besitze nicht die Befugnis – und Sie ebenso wenig.«

»Hier wurde bereits ein Verbrechen begangen.« Flinx verlor allmählich die Geduld, und die Zeit drängte. »Und zwar nicht von mir. Mag ja sein, dass du gehalten bist, Protokolle zu generieren. Aber zur Untermauerung der vorliegenden Fakten wäre es si-cherlich vorteilhaft, wenn die Behörden in der richti-gen Art und Weise alarmiert würden. Das heißt, sie müssen im Zweifelsfall auf Zeugen zurückgreifen können. Das wäre in diesem Fall ich.«

»Ich benötige keine Zeugen. Mein Speicher ist un-bestechlich.«

»Du vielleicht nicht, aber menschliche Richter ha-ben während eines Gerichtsverfahrens immer ganz gern welche zur Hand. Mein Gedächtnis reicht nicht einmal annähernd an deines heran. Um es zum Nut-zen der Behörden aufzufrischen, brauche ich Zugang zu jeglichem sachdienlichen Material. Bitte leite also den Kopiervorgang ein.«

Die KI schien zu zögern. »Ihre Argumentation ist überzeugend. Ich bitte Sie jedoch zu bedenken, dass ich dieses Gespräch durch ein Protokoll festhalten werde, das zusammen mit allem übrigen relevanten Material auf Anfrage den Behörden zur Kenntnis ge-bracht wird.«

»Einverstanden«, erwiderte Flinx mit einer wegwer-fenden Handbewegung. Er hätte bedenkenlos so ziem-lich allem zugestimmt, da er ohnehin nicht die Absicht hatte, sich hier so lange aufzuhalten, bis er die Konse-quenzen für sein Handeln zu spüren bekam.

»Ausgezeichnet. Ich beginne mit dem Transfer.«

Eine Erdhälfte entfernt, in einem ausgedehnten Ge-schäftskomplex an der östlichen Peripherie des Ban-galore Wirtschaftsrings Nummer Drei, saugte die übergeordnete Daten-KI des Planeten eine winzige, scheinbar unbedeutende Syb aus dem Herzen eines Ranglou Level Acht Industrie-KI-Servers heraus. In-nerhalb von Sekunden sprachen selbstaktivierende Schaltungen an, die tief in der Matrix der Ranglou-Einheit verborgen waren. Einzig der Umstand, dass die weitaus leistungsfähigere Shell-KI im Nanose-kundenbereich operierte, verhinderte eine Katastro-phe von ungeheuerem Ausmaß. Wie sich zeigte, er-folgte der Konterschlag des Ranglou schneller, als ir-gendjemand hätte vorhersehen können. Die Ge-schwindigkeit und Rigorosität seiner Reaktionen hät-ten eher zu einer militärischen denn zu einer grund-sätzlich privatwirtschaftlichen Einrichtung gepasst.

Eine Welle der Verwüstung fegte durch den Cyber-space, verbrannte Dutzende von Pfaden und vernich-tete Routings, als die Sabotagegegenmaßnahmen, die in dem unwissenden Ranglou gebündelt waren, die Spur des diebischen Eindringlings zu ihrem Ur-sprung zurückverfolgten. Die Anwendung kannte keinerlei Bedenken, mähte reihenweise Sicherheits-sperren und Schutzvorkehrungen nieder, als hätten sie keine Berechtigung. Allein demütiger Abstand konnte vor weiterem Schaden bewahren.

Zunächst schien es Flinx, als wäre noch alles in Ordnung. Der schwebende Bildschirm und die Karte der Galaxis standen immer noch vor ihm, und die Shell-KI wartete auf seine nächsten Befehle. Er beugte sich nach vorn und zog das Nanospeichermedium aus dem Slot. Mit einem raschen Check vergewisserte er sich, dass das angeforderte Material auch wirklich transferiert worden war. Später, auf seinem Raum-schiff würde er die Daten an die KI der Teacher über-mitteln, die daraufhin die Koordinaten der Crotase samt deren kompletter Reiseroute in das Schiffsnavi-gationssystem aufnehmen würde.

Doch kaum hatte er den Chyp entfernt, da begann es in der Steckvorrichtung zu knistern. In der nächsten Sekunde schlugen Flammen aus der Öffnung. Alar-miert sprang Flinx auf. Sofort schoss Pip unter seinem Hemd hervor, flatterte über ihm umher und hielt nach der Quelle für die plötzliche Unruhe Ausschau.

»Ganz ruhig, altes Mädchen«, murmelte Flinx. Und an die KI gewandt: »Was war das?«

»Einen Moment, bitte. Informationen werden ver-arbeitet ... Es ist zu einigen unvorhergesehenen Pro-blemen beim Abschluss der Verbindung gekommen, die für Sie eingerichtet wurde. Ich muss die Verbin-dung jetzt trennen, um –«

Der Bildschirm verschwand. Ebenso die Karte. An ihrer Stelle erschien eine kleine, gelb leuchtende Ku-gel, die zuerst nicht viel größer als Flinx' Nasenspitze war und die von lautem Zischen begleitet rapide wuchs. Hinter ihm regte sich die schlafende Elena.

Geistesgegenwärtig eilte Flinx zu ihr, kniete sich neben sie, hob sie an und hievte sie sich über die Schultern. Sodann deaktivierte er hastig den Sicher-heitsschirm der Zelle und trat in den Korridor hinaus. Ein Büroangestellter, der ihm entgegenkam, runzelte angesichts der leise stöhnenden Last des jungen Mannes die Stirn.

»Hey, was ist hier los? Was fehlt dieser –?« Der Blick des Mannes fiel auf den sich rasant vergrößern-den gelben Lichtball, der das nun für jeden einsehba-re Büro ausfüllte, und er verstummte mit herunterge-klappter Kinnlade. Während Pip aufgeregt über sei-nem Kopf hin und her düste, gab Flinx Vollgas und preschte mit zitternden Beinen an ihm vorbei.

»Lauf!«, rief er dem Mann zu.

Verwirrt fuhr der Angestellte herum, um dem flüchtenden jungen Mann und der komatösen Sicher-heitsangestellten auf dessen Schulter hinterherzu-schreien: »Warum? Hey, wer sind Sie? Und was ist das überhaupt für ein Vieh da über –?«

Der gelbe Lichtball dehnte sich plötzlich exponen-tiell aus und explodierte mit schier unglaublicher Gewalt. Die mörderische Applikation, die in den Ein-geweiden der Ranglou-Handelsshell gebündelt wor-den war, hatte es geschafft, eine halbe Welt entfernt zum Gegenschlag auszuholen.

Trotz seiner schlaffen Bürde, die inzwischen schon häufiger aufstöhnte, hatte Flinx das Gebäude fast durchquert und hielt bereits auf den nächstliegenden, deutlich gekennzeichneten Ausgang zu, als das sich aufblähende illegale Energil in dem verwaisten Büro detonierte. Doch eine so wichtige Anlage wie der Su-rire-Verteiler, so versuchte Flinx sich zu beruhigen, sollte über genügend selbstaktivierende Schutzme-chanismen verfügen, um ernsthafte Schäden oder gar den Verlust von Leben zu verhindern. Unter seiner schwerer werdenden Last ächzend, hoffte er instän-dig, dass es so war. Lug und Trug, Heuchelei, Maske-rade und Tücke, zu all dem war er gern bereit, wenn es ihm nur weiterhalf, mehr über sich selbst zu erfah-ren. Aber der Gedanke, möglicherweise für den Tod eines oder mehrerer Unschuldiger verantwortlich zu sein, gefiel ihm ganz und gar nicht.

Sirenen, Pfeiftöne, hektisch aufblinkende Warn-hinweise – das ganze Spektrum an akustischen und visuellen Alarmeinrichtungen schuf um ihn herum eine Phantasmagorie aus erregten Bildern und Lärm. Bisweilen stürmten andere Sicherheitsangestellte an ihm vorbei, um in den betroffenen Sektor zu gelan-gen. Sie beachteten ihn gar nicht. Und warum auch?, dachte er, während er weiterrannte. Er trug die glei-che Uniform wie sie und brachte eine offensichtlich verletzte Arbeitskollegin in Sicherheit. Alles deutete darauf hin, dass ihm die Flucht tatsächlich gelang – vorausgesetzt, er würde nicht im letzten Moment an-gehalten und genötigt werden, eine Tapferkeitsme-daille entgegenzunehmen.

Je weiter er sich von dem Ort der Zerstörung entfern-te, desto weniger Sicherheitspersonal war zu sehen. Dafür hasteten umso mehr fassungslose Techniker und bestürzt dreinblickende Verwaltungsangestellte über die Gänge. Er betete, dass Pip nun endlich unter sei-nem Hemd bleiben würde, und bog um eine Ecke. Kurz wurde sein Rückzug ausgebremst, als er darauf wartete, dass sich eine automatische Tür vor ihm auf-schob. Während das durchdachte Sicherheitssystem den Zugang in den Komplex beschränkte, wurde der Weg hinaus nur wenig behindert. Kaum ein paar Au-genblicke später fand Flinx sich in einem überdachten Parkbereich wieder zwischen Fahrzeugen aller Art – von teuer und edel bis nüchtern und schlicht.

Er bückte sich, ließ seine unfreiwillige Gehilfin sanft von seiner Schulter auf die gummiartige Boden-fläche des Areals gleiten und lehnte sie mit dem Rük-ken gegen eines der abgestellten Gleiter. Die junge Frau würde bald wieder zu sich kommen, und es wä-re besser, wenn er dann nicht mehr hier war. Die massive Beeinflussung ihrer Gefühle dürfte ihr ei-gentlich keinen Schaden zugefügt haben.

Nun ja, keinen körperlichen jedenfalls.

Eine halbe Welt entfernt runzelte zur gleichen Zeit ein vorbeikommender Angestellter die Stirn, als er das grelle Licht bemerkte, das unter der Bürotür eines der leitenden Geschäftsführer durchschien.

Es war von einem intensiven Gelb und viel heller, als es für Raumbeleuchtung üblich war. Er blieb ste-hen und griff versuchsweise an das Türschild, ohne wirklich zu erwarten, dass sich der Zugang öffnete. Doch das Büro war unverschlossen, und bereitwillig glitt das Hindernis bei seiner Berührung zur Seite.

Dahinter war nichts als das gelbe Leuchten, so grell wie eine neugeborene Sonne und kalt wie Gold. Dem Angestellten blieben nur Sekunden, um das sich rasch ausdehnende Phänomen zu bestaunen, bevor es in seinem Gesicht zerbarst.

Vom einen Augenblick zum nächsten war er ein-fach verschwunden, ausgelöscht mitsamt dem gelb strahlenden Büro, dem Stockwerk, auf dem es sich befunden hatte, und einem erklecklichen Teil des re-gionalen Hauptfirmensitzes von Larnaca Nutrition.

Der in der Folge ausbrechende Großbrand griff auf einen ausgedehnten Bereich des Gewerbegebiets über und hielt zahlreiche Feuerwehrtrupps von Bangalore für den Rest des Tages bis in die frühen Abendstun-den hinein auf Trab, denn das gelbliche Inferno wi-dersetzte sich hartnäckig ihren Löschversuchen. Als der Brand endlich eingedämmt war, war von dem Kern des Hauptverwaltungsgebäudes nicht mehr viel übrig, vor allem nichts mehr, das forensische Exper-ten auf irgendeine Spur gelockt hätte.

In der weitläufigen Parksektion wartete Flinx darauf, dass sich die junge Frau so weit erholte, dass er sie guten Gewissens allein lassen konnte. Als sie endlich die Augen aufschlug, ihn fassungslos anstarrte und dann um Hilfe zu schreien begann, entschied er, dass dieser Moment nun gekommen war.

»Elena, ich bin's, Philip!« Erschrocken über die un-erwartete Heftigkeit ihrer Reaktion, brachte er sich ein Stück außer Reichweite. Ungeachtet dessen griff sie immer wieder in seine Richtung, während sie sich an dem Fahrzeug, an dem sie lehnte, hochzuziehen versuchte. Es gelang ihr nicht auf Anhieb. Noch hatte sie die Kontrolle über ihr neuromuskuläres System nicht wiedererlangt, noch verweigerten ihr die Beine den Gehorsam.

»Du Scheißkerl! Was hast du mit mir gemacht?« Wut, Angst und völlige Desorientierung spiegelten sich in ihrem Gesicht. »Wo sind wir? Was tun wir hier?« Sie schaute an ihm vorbei und schrie: »Wes-halb sind wir am Verteiler? Und was machst du in der Uniform eines Sicherheitsangestellten?«

»Du wolltest mir doch helfen. Erinnerst du dich denn nicht mehr?«

Flinx vergrößerte noch ein wenig den Abstand zu ihr.

»Nein, ich – warte, ja. Ich erinnere mich an etwas.« Sie griff sich an den Kopf. Leicht schwankend lehnte sie sich gegen das Fahrzeug. »Ich – ich hatte mich in dich verliebt. Oder zumindest hab ich das gedacht.« Sie schaute ihn an und blinzelte verstört. »Die Frage ist nur – warum?« Langsam schüttelte sie den Kopf. »Du bist ja ein ganz nett aussehender Typ, aber ir-gendwie kann ich mich nicht mehr entsinnen, wieso ich auf die Idee gekommen bin, du seist etwas Beson-deres.«

»Denk einfach mal zurück, Elena. Dann fällt's dir bestimmt wieder ein.« Mit einem beschwichtigenden Lächeln auf den Lippen wollte Flinx abermals ein Ge-fühl von Liebe und Wärme in sie hineinprojizieren.

Mit einem Aufschrei und ohne Rücksicht auf ihren angeschlagenen Zustand stürzte sie sich auf ihn.

Wie schon so oft hatte sich sein exzentrisches Ta-lent dafür entschieden, just dann nicht zu funktionie-ren, wenn er es am nötigsten brauchte.

Pip, die Attacke spürend, war aus ihrem Versteck heraus, noch bevor Carolles ihren Herrn und Meister zu fassen bekam. Beim Anblick der fliegenden Schlange, die tiefkehlig summend vor ihr schwebte, blieb die Sicherheitsangestellte wie vom Blitz getrof-fen stehen.

»Das Tier da – ist es vielleicht giftig?«

»Das könnte man so sagen«, erwiderte Flinx leise, was angesichts des tödlichen Potenzials, das seine ge-flügelte Begleiterin in sich barg, ausgesprochen zu-rückhaltend formuliert war.

Vorsichtig schob sich Carolles um Mann und Mini-drache herum. Beide drehten sich mit, um die Frau im Auge zu behalten, Pip mit einem eleganten Schwenk in der Luft. Mehrmals schnellte ihre spitze Zunge hervor, als wollte sie die emotionsgeladene Atmosphäre erschmecken.

Er musste die Frau stoppen, so viel stand fest. Je mehr ihre eigenen Emotionen die Oberhand über die illusionären erlangten, umso bereitwilliger würde sie ihren Vorgesetzten alles berichten, woran sie sich er-innern konnte. Praktischerweise waren die Damen und Herren jedoch von der ungeheuerlichen Sicher-heitslücke im Verteiler und der Bewältigung dieser Krise in Anspruch genommen. Mit etwas Glück wür-den etliche Tage verstreichen, bis jemand die Zeit fand, sich die Befürchtungen und Verdächtigungen einer Sicherheitsangestellten anzuhören. Zu diesem Zeitpunkt wäre er längst weit fort – nicht nur von Su-rire und Tacrica, sondern auch fort aus dieser über-völkerten, klaustrophobischen Welt, die einst seine Spezies hervorgebracht hatte.

In diesem Moment fuhr Elena herum und rannte wie der Teufel zurück zum Verteiler. So viel zum Thema »Liebe auf den ersten Blick«, dachte Flinx spöttisch, während er seine Aufmerksamkeit dem Fahrzeug zuwandte, das am nächsten stand. Und wieder einmal erforderten es die Umstände, dass er jegliche Bedenken über Bord warf und seine speziel-len Fähigkeiten einsetzte, die er sich in seiner jugend-lichen Laufbahn als Langfinger zwangsläufig ange-eignet hatte. Es dauerte nicht einmal zwei Minuten, bis er wohlbehalten in dem Privatfahrzeug saß und der Parkzonenausfahrt entgegenraste.

Das kompakte Luftkissengefährt war auf ein unbe-kanntes Ziel vorprogrammiert. Jeder, der versuchen würde, sich an dem gesicherten Navigationssystem zu schaffen zu machen, liefe Gefahr, dass das Fahr-zeug bei der hiesigen Obrigkeit als gestohlen gemel-det wurde. Besser einen kleinen Abstecher ins Unbe-kannte in Kauf nehmen, als zu riskieren, noch zusätz-liche unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich zu zie-hen, entschied er. Wenn er Glück hatte, würde es von Surire aus schon bald in einen steilen, aber sicheren Sinkflug übergehen und Kurs auf den belebten Bade-ort an der Küste nehmen. Vielleicht schwenkte das Gefährt aber auch ins Inland ab, Richtung Lapaz. Doch so wie die Dinge standen, wäre er mit jedem der beiden Ziele zufrieden.

Das Fahrzeug wählte keines davon. Stattdessen be-fand sich Flinx wenig später auf einem nahezu direk-ten Kurs nach Westen, geradewegs auf die Ausläufer der Anden zu. Völlig unvertraut mit der Region, sah man von den Orten ab, die er bereits besucht hatte, hatte er nicht den leisesten Schimmer, wohin die Rei-se ging. Seine wachsende Sorge wurde nur partiell durch den Umstand gemildert, dass der Blindflug ohne jegliche Störung verlief und nur von unerwartet kurzer Dauer war.

»Willkommen im Surire-Park«, verkündete das Ge-fährt und bremste allmählich ab.

Vorsichtig spähte Flinx aus der polarisierenden Kuppel und sah, dass sie in eine weitere Parksektion gezogen wurden. Doch im Gegensatz zu dem stillen Areal beim Shell-Verteiler wimmelte es hier nur so von hauptsächlich jungen Familien und Paaren. Frei schwebende Holos priesen die Vorzüge von Produk-ten an, von denen Flinx noch nie etwas gehört hatte, während die Luft erfüllt war von gedämpfter, aber unbeirrbar fröhlicher Musik. Wo auch immer er hier gelandet sein mochte, es war, wie es schien, ein glücklicher Ort. Allerdings würde dies nur so lange bleiben, wie es Flinx gelang, der Aufmerksamkeit der Obrigkeiten zu entgehen.

Als das gekaperte Gefährt sich selbsttätig einparkte und deaktivierte und sich anschließend strikt weiger-te, den Flug fortzusetzen, blieb Flinx nichts anderes übrig als auszusteigen. Es bedurfte nur eines oder zweier Holos sowie eines relativ unentspannten Spa-ziergangs durch ein paar laute Klangpylonen hin-durch, damit er begriff, wo es ihn hinverschlagen hat-te. Dieser Surire-Park war nicht das Landschafts-schutzgebiet für die flauschigen Vikunjas und Visca-chas, von denen er gelesen hatte. Jene unberührte Wildnis lag viel weiter nördlich. Nein, dieser Surire-Park war durch und durch künstlich, ebenso wie die Freizeitvergnügungen, die er bot.

Eingedenk seines augenblicklichen Gemütszu-stands vielleicht nicht einmal der schlechteste Ort. Obwohl es an einem normalen Werktag wie diesem relativ leer war, befanden sich hier doch immer noch genügend rempelnde und lachende Leute – Urlauber ebenso wie Einheimische –, um in der Menge unter-zugehen.

Jeden Blickkontakt mit dem diskret gekennzeichne-ten Sicherheitspersonal des Parks vermeidend, schlen-derte Flinx unbehelligt durch das muntere Treiben, re-gistrierte im Vorbeigehen die Attraktionen, ignorierte Unmengen von clever gemachten Reklamen und spendierte sich selbst eine Tüte mit einer Süßigkei-tenspezialität, deren klebrige Konsistenz sämtliche Möglichkeiten des Autokochs an Bord der Teacher überstieg. Die automatischen Lesegeräte akzeptierten seine mit Sorgfalt codierte Kredkarte ohne Protest.

Eine Attraktion warb für eine schnelle, doch heiße Fahrt durch das Herz eines der aktiven Vulkane, die es in diesem Teil der Anden gab. Eine andere ver-sprach den ultimativen Kick, den man erleben sollte, wenn man in einem Affenzahn spiralartig die steilen Abhänge des rauchenden Mount Isulga hinunterra-ste. Es gab elektrostatische Schlitten, mit denen man Schneefelder hinabsausen konnte, und die Möglich-keit, an unblutigen, gleichwohl lärmenden Holo-Nachstellungen von Schlachten der Vergangenheit teilzunehmen, die in dieser Region des Planeten einst ihre Spuren hinterlassen hatten. Man konnte wählen, ob man dabei die Waffen und Rüstungen der Kon-quistadoren oder lieber die der Inkas tragen wollte. Familien, die bei diesem aufwendigen historischen Mummenschanz mitmachten, wurden ermuntert, Aufnahmen zu erstehen, die sie als große Eroberer zeigten oder als tapfere Krieger Seite an Seite mit Pi-zarro oder Atahualpa.

Nachgebildete Grabmäler gaben den Kindern Ge-legenheit, sich als Amateurarchäologen zu versuchen, während ihre Eltern Reproduktionen von Inka-, Mo-che-, Lambayeque- und Chimú-Artefakten erstehen konnten. Eine in achttausend Meter Höhe angebrach-te Panoramaplattform bot einen spektakulären Aus-blick auf die Berge, den Pazifik und das weitläufige Amazonas-Schutzgebiet im Osten.

Flinx war beinahe schon so weit, sich zu amüsie-ren, während Pip vollauf damit beschäftigt war, sich die Salzbrezelstückchen, die aus der Hemdtasche ih-res Gefährten hervorlugten, einzuverleiben, als er die Uniformierten bemerkte, die sich durch die Men-schenmenge schoben. Sie wirkten wachsam, ihr Auf-treten entschlossen, und Flinx nahm nicht an, dass diese Ordnungskräfte nach einem Taschendieb oder einem Drogenabhängigen suchten.

Damit war klar, dass die Zeit des Müßiggangs und der Entspannung vorbei war. Er musste von hier ver-schwinden, und zwar schnell. Rasch tauchte er in der dichtesten Menschenmenge unter und gelangte un-behelligt bis zum Eingang – nur um diesen von weit-hin sichtbaren Uniformierten flankiert zu sehen. Jeder Besucher, der in den Park hinein oder diesen wieder verlassen wollte, wurde gründlich abgetastet und überprüft.

Wie viel wussten sie wohl?, fragte sich Flinx beun-ruhigt. Hatte doch jemand gemeldet, dass er mit einer bewusstlosen Carolles auf dem Buckel aus dem Ge-bäude gerannt war? Oder hatte sich Elena von dem Zwangsnickerchen und den emotionalen Manipula-tionen inzwischen so weit erholt, dass sie eine brauchbare Beschreibung von dem Mann abgeben konnte, den zu lieben sie sich eingebildet hatte?

So oder so, er konnte nicht einfach eine Un-schuldsmiene aufsetzen und versuchen, an den Uni-formierten vorbeizukommen. Im Falle einer Konfron-tation waren sie eindeutig in der Überzahl. Wenn es zu Handgreiflichkeiten käme, würde Pip instinktiv zum Gegenschlag ausholen und jemanden töten.

Doch wie konnte er einem Zusammentreffen oder einer Verhaftung entgehen? Unauffällig mischte er sich wieder unter die Leute, trat maulenden Kindern aus dem Weg, denen eine weitere Fahrt auf einer der Attraktionen versagt wurde, und hielt mit wachsen-der Sorge Ausschau nach einem anderen Weg nach draußen. Doch es schien nur diesen einen Zugang zu geben. Während er die entlegensten Bereiche des Parks auskundschaftete, nahm die Zahl des beharr-lich und unnachgiebig fahndenden Sicherheitsperso-nals und der Polizeikräfte stetig zu.

Das Fahrgeschäft, neben dem er sich schließlich wiederfand, präsentierte sich dem Publikum als »Höchste, schnellste, aufregendste Herausforderung im Abfahrtsrennen diesseits der Himalaja-Gleitbahn!!!«. Nach all den anmaßenden Anpreisungen in Groß-buchstaben empfand Flinx das dreifache Ausrufezei-chen beinahe als Frechheit. Ein rascher Check des Eingangs ergab, dass es hier keine Wachen oder an-deren bewaffneten Häscher gab, die Jagd auf einen bestimmten Rotschopf machten. Allerdings kamen ihm, als er sich einer Informationsbude näherte, leich-te Zweifel, ob der menschlich geformte Roboter, der dort seinen Dienst tat, tatsächlich zu dieser Parkat-traktion gehörte. Aber er brachte seine Verkaufsar-gumente nicht weniger überschwänglich vor als jeder lebende Kundenfänger.

Im Innern des Fahrgeschäfts bestiegen die Teil-nehmer verschiedene Magnetboards, die ihrem jewei-ligen Gewicht und ihrer Größe entsprachen. Jedes Board war von einer transparenten, unzerbrechlichen Hülle umschlossen, die in dem unwahrscheinlichen Fall einer Karambolage selbsttätig genügend Druck-festigkeit aufbaute, um etwaige Verletzungen zu ver-hindern. Da jede dieser Kabinen vom automatischen Sicherheitssystem des Fahrgeschäfts überwacht wur-de, war es völlig unmöglich, dass jemand seinen Vor-dermann überfuhr oder von hinten überholt wurde.

Unterhalb der Startbrüstung tauchten die Passagie-re steil in einen der sich kreuzenden Kanäle hinab. Angetrieben von den in genauem Abstand ange-brachten elektromagnetischen Ringen, die jede offene Streckenführung umschlossen, stand es den Board-fahrern frei, ob sie ihre Sturzfahrt allein der Schwer-kraft überantworten wollten oder es vorzogen, mit-hilfe der Technik auf ein sogar noch höheres Tempo zu beschleunigen. Das Magnetsystem konnte außer-dem von jedem Board auch zum Bremsen eingesetzt werden, für den Fall, dass den Passagieren der Sinn nach einer gemächlicheren Fahrt stand. Auf dem Board sitzend, umgeben von der schützenden Hülle, die Füße ausgestreckt und der restliche Körper weni-ger als einen Meter über der Piste, könne man, so ver-sprach der elektronische Kundenfänger, die westliche Andenflanke mit über 300 Stundenkilometern hinab-schießen. Aufgrund der Bodennähe des Boards und seiner geringen Größe sei das Gefühl von purer Ge-schwindigkeit, so versicherte das aufgezeichnete Ge-schwafel weiter, absolut ohnegleichen. Man würde aus einer Höhe von fünftausend Metern bis auf Mee-resspiegelniveau hinabstürzen, bei einer Luftlinie von unter hundert Kilometern.

Genau das, was Flinx brauchte.

Er schaute sich um und sah, wie drei Polizisten sich ihren Weg in das Fahrgeschäft bahnten. Beharrlich checkten sie mit ihren Blicken die Menge, während sie immer näher kamen. Flinx wählte einen Schwie-rigkeitsgrad aus und bezahlte den Eintritt für eine Person.

Die Steuerung des Boards war so simpel, dass selbst ein achtjähriges Kind damit zurechtkommen konnte, was ja auch ganz in der Absicht der Entwick-ler lag. Während Flinx auf seine Abfertigung wartete, sah er kreischenden Kindern, schmunzelnden Er-wachsenen und verliebten Pärchen dabei zu, wie ihre Kabinen nach und nach ein Stück vorwärtsbefördert wurden, um dann jäh in die Tiefe zu sacken und aus seinem Blickfeld zu verschwinden. Die Langsamen, Zaghaften oder einfach nur Ängstlichen unter ihnen würden nun automatisch in jene Abfahrtskanäle diri-giert werden, die ausschließlich Leuten wie ihnen vorbehalten waren. Draufgänger und Geschwindig-keitsfreaks teilten sich andere Strecken. Drei bis vier Bahnen waren für die wirklich Verrückten reserviert.

Nachdem klar war, wohin die Reise ging und wie er weiter vorgehen musste, vergewisserte sich Flinx, dass Pip sich sicher unter seinem Hemd befand. Al-lerdings machte er sich um sie keine allzu großen Sorgen. Ihre kleinen, enorm kräftigen Sehnen und Muskeln erlaubten es ihr, sich weitaus fester an ihn zu klammern, als er selber sich an der Steuerung des Boards festhalten konnte.

Mit einem leichten Ruck setzte sich das Board in Bewegung. Es ging los. Er spürte, wie sich die An-drucksicherheitsgurte spannten und sich seiner schlaksigen Körperform anpassten, unnachgiebig, doch nicht zu stramm. Nachdem er sich nun nicht mehr umdrehen konnte, hörte er hinter sich laute Ru-fe. Hatte er zu lange gewartet? War es zu diesem Zeitpunkt noch möglich, das Fahrgeschäft anzuhalten und zu verhindern, dass er über die Startbrüstung hinweg nach unten stürzen konnte?

Ein weiterer Ruck, und er wurde geringfügig schneller. Vor ihm verschwand ein Board mit einem dunkelhäutigen Pärchen so urplötzlich aus seinem Blickfeld, als wäre es über den Rand der Erde ge-stürzt, was in gewisser Weise der Fall war. In seinem Kielwasser ließ es ein euphorisches Kreischen zurück. Das Board, auf dem er fuhr, verlangsamte sich. Links und rechts sah er andere Boards, andere Fahrgäste in ihren Kanälen verschwinden. Die Rufe hinter ihm wurden leiser, doch er konnte deutlich die ansteigen-den und auch widersprüchlichen Emotionen irgend-wo ganz in seiner Nähe spüren. Mit aufeinander ge-pressten Lippen wartete er auf den nächsten Schub.

Dann, ohne jede Vorwarnung, kippte er nach un-ten. Der Abfahrtswinkel war noch nicht sonderlich steil, aber nichtsdestotrotz nahm das Board zügig Ge-schwindigkeit auf. Die makellose Transparenz der Hülle erzeugte die Illusion, dass er sich im Freien be-fand. Wie ein bequemes Kissen schmiegte sich Druck-luft gegen seine Flanken und sein Gesicht. Draußen, jenseits des Kanals, rauschte auf beiden Seiten die unberührte Andenlandschaft an ihm vorbei. Und über ihm der unverschmutzte, strahlend tiefblaue Himmel. Dann schoss er durch einen großen Metall-ring hindurch, der erste von den Magnetakzelerato-ren der Bahn, die er angewählt hatte. Er holte tief Luft und schob den Beschleunigungshebel des Boards bis zum Anschlag nach vorn.

Die Geschwindigkeitsanzeige, die vor seinen Au-gen schwebte, kletterte rapide nach oben, während er weiter abwärtsraste. Direkt daneben befand sich ein dreidimensionales Head-up-Diagramm, das die ver-fügbaren, sich überkreuzenden Abfahrtskanäle zeigte und ihre besonderen Attraktionen beschrieb. Er igno-rierte Ruinen, Wasserfälle und mit alpiner oder sub-tropischer Flora und Fauna versehene Canyons und entschied sich für den kürzesten und schnellsten Weg. Als das Board immer schneller und schneller wurde, fing es leicht an zu vibrieren. Zwar wurden die Vibrationen zu keiner Zeit wirklich unangenehm, doch dienten sie ihm gleichwohl als Hinweis, dass er sich in diesem Moment mit einer Geschwindigkeit von über 275 Sachen Richtung Meeresspiegel beweg-te.

Die landschaftliche Kulisse hätte sich gut und gern als grandios bezeichnen lassen, nur leider flog sie zu schnell an ihm vorbei, um sie in angemessener Weise würdigen zu können. Selbst ein Polizeifahrzeug in einer völlig freien Zivilverkehrsröhre wäre in arge Bedrängnis geraten, hätte es seine Geschwindigkeit zu erreichen versucht. Wie nur war es den Behörden gelungen, ihn allein aufgrund Carolles' Beschreibung in dem Park aufzuspüren? Vielleicht hatte sie ihnen aber auch den Privattransporter beschrieben, den er sich vorübergehend ausgeliehen hatte. Doch wie auch immer, es würde eine Zeit lang dauern, bis sie dahin-terkamen, dass er sich nicht mehr irgendwo im Park befand. Vom Augenblick des Starts an war seine Fahrt komplett automatisch abgelaufen. Vermutlich war eine der Steuerungskomponenten mit der Mög-lichkeit ausgestattet, eine Bildaufnahme von jedem Fahrgast zu machen, und sei es auch nur aus versi-cherungstechnischen Gründen. Wenn er Glück hatte, würde die Obrigkeit erst sehr viel später dazu kom-men, die Parksicherheitsdaten dieses Tages zu sich-ten. War das allerdings erst einmal geschehen, würde es nur noch eine Frage von Sekunden sein, bis ein Po-lizei-Chyp ihn aus allen anderen Parkbesuchern her-ausgepickt hatte – vorausgesetzt, irgendein Aufnah-megerät hatte einen passablen Schnappschuss von ihm gemacht.

Gewohnt, in Situationen reibungslos zu funktionie-ren, wo er nicht vorhersagen konnte, wie viel Zeit ihm noch blieb, bevor irgendetwas Unerfreuliches ge-schah, bewahrte Flinx Ruhe und konzentrierte sich ganz auf die Abfahrt. Pip derweil ruhte friedlich un-ter seinem Hemd und verdaute zufrieden das kürz-lich vertilgte Laugengebäck. Da sie selbst imstande war, mit bemerkenswert hoher Geschwindigkeit zu fliegen, ließ sie das Tempo dieser Talfahrt relativ kalt.

Andere Boardfahrer in benachbarten Kanälen ge-rieten in seinem Blickfeld zu flüchtigen Schemen. Die Abfahrtsstrecke wurde immer steiler, und die Magnet-ringe beschleunigten sein Board immer weiter, bis die Geschwindigkeitsanzeige schließlich auf Maximum stand. Wenn auch nur einer der Magnete ausfiele, würde er möglicherweise nicht mehr die Spur halten können. In diesem Fall würde das Board in hohem Bo-gen aus der Bahn katapultiert, einen Moment lang durch die Luft segeln und dann mit Karacho auf dem Boden aufschlagen. Und damit sowohl sich selbst wie auch seine Insassen auf die beziehungslosen Einzeltei-le einer nicht mehr rekonstruierbaren Gesamtstruktur reduzieren. Doch Flinx hatte dem drohenden Tod schon in bedenklicheren Situationen ins Auge geblickt und blieb gelassen. Dennoch war es von Vorteil, dass sein Magen über keine eigene Meinung gebot.

Allerdings übernahmen die automatischen Sicher-heitsfunktionen schon nach kurzer Zeit die Kontrolle über sein Board. Luftpolster und Andruckgurte hiel-ten ihn fest, und die Fahrt begann merklich langsa-mer zu werden. Direkt vor ihm breitete sich die blaue Weite des Pazifiks aus. Als abschließendes, unange-kündigtes Sahnehäubchen tauchte er die letzten Ki-lometer der Fahrt durch eine Unterwasserröhre gera-dewegs ins Meer hinab, vorbei an einer Schule aufge-scheuchter Jackfische und einem Schwarm schmol-lender Barrakudas und in einer engen Schleife wieder zurück, bevor er schließlich an der Endstation des Fahrgeschäfts anlangte. Dort hielt er sich nicht einmal so lange auf, um dem lächelnden menschlichen Kon-trolltechniker auf die Frage »Wie war's?« eine Ant-wort zu geben.

Nachdem er an dem medizinischen Scanner vorbei war, der ihm und allen anderen Fahrtteilnehmern atte-stierte, dass diese aufregende Erfahrung keine körper-lichen oder geistigen Schäden hinterlassen hatte, eilte Flinx so unauffällig wie möglich hinaus auf die nächst-gelegene Straße. Das allzeit betriebsame Tacrica brummte nur so vor Aktivität, Einheimische wie Tou-risten, ein zufriedenes Gewimmel, ganz wie in jedem anderen Ferienparadies auf der Erde – oder auch au-ßerhalb.

Zwei Minuten nachdem Flinx in der fröhlichen Men-ge untergetaucht war, erreichten ein Polizeitrupp und zwei grimmig dreinschauende Verteiler-Sicherheitskräfte auf ihren requirierten Magnetboards die Endstation. Rüde schoben sich die Männer vorbei an dem verstörten Fahrgeschäftpersonal, das die An-kunftskanäle überwachte, und schwärmten in die wogende Menge aus. Doch von dem drahtigen, hoch gewachsenen Rothaarigen, den sie suchten, war nir-gendwo etwas zu sehen.

Angespannt, wie sie waren, hatten sie nicht einmal die Fahrt genießen können.