NS-Verfolgte nach der Befreiung, Ausgrenzungserfahrungen und Neubeginn
Sarah Grandke: Moving memories – memories on the move? Erinnerungsinitiativen von Displaced Persons in Flossenbürg 1946/47
Sarah Grandke
Moving memories – memories on the move?
Erinnerungsinitiativen von Displaced Persons
in Flossenbürg 1946/47
»Das Verdienst, den ganzen Lagerfried- sons« (DPs) – Personen, die sich bei
hof zu organisieren und ihm ein histo- Kriegsende außerhalb ihres Herkunfts-
risches Ansehen zu verleihen, kommt lands befanden und auf Hilfe ange-
uns Polen zu« 1, hieß es im Sommer wiesen waren. Mit Ende der Kampf-1947 in einem polnischsprachigen Zei- handlungen galten etwa 11 Millionen
tungsartikel aus Regensburg. Dieser Menschen als DPs. Sie befanden sich
Bericht thematisiert die Aktivitäten des vor allem im deutschsprachigen Raum
»Ausführungskomitees für den Bau des und in Italien. Nach dem Willen der
Denkmals und der Kapelle im Konzen- Alliierten sollten die DPs schnellst-
trationslager Flossenbürg« (im Weite- 2 möglich repatriiert werden. Es gab
ren »Denkmalkomitee«). Wie an vielen zunächst nur wenig Zweifel daran, dass
Orten nationalsozialistischer Verfol- auch die Betroffenen selbst dies für
gung waren es auch im oberpfälzischen sich wünschten. Die Hintergründe und
Flossenbürg ehemalige KZ-Häftlinge, Kriegserfahrungen der Displaced Per-
die die ersten Erinnerungszeichen setz- sons waren dabei sehr verschieden: Die
ten und bereits 1946/47 das vormalige Gruppe bestand überwiegend aus ehe-
KZ-Gelände markierten, zum Teil um- maligen zivilen Zwangsarbeiterinnen
gestalteten und Gedenkveranstaltungen und -arbeitern und zu einem geringeren
durchführten. Anteil aus befreiten KZ-Häftlingen und
Bei genauerem Blick auf diese frühen Kriegsgefangenen.
Akteure des Gedenkens in Flossenbürg Aufgrund unterschiedlicher Zäh-
fällt auf, dass es sich bei ihnen vor- lungen hinsichtlich Ethnie und Staats-
nehmlich nicht um ehemalige Häftlinge bürgerschaft, Grenzverschiebungen im
des KZ Flossenbürg handelte. Die ma- östlichen Europa und des allgemeinen
terielle Grundlage für die heutige Ge- Chaos der unmittelbaren Nachkriegs-
denkstätte schufen hauptsächlich pol- zeit sowie der (nach)kriegsbedingten
nische Befreite aus dem KZ-Komplex Migrationsströme in alle Richtungen
Mauthausen, aus dem KZ Dachau und müssen Zahlen zu DPs mit Vorsicht aus anderen Lagern sowie vormalige betrachtet werden. Die Mehrheit der
polnische Kriegsgefangene. Sie hatten DPs kehrte in den Wochen und Mo-
zum eigentlichen Verfolgungsort Flos- naten nach Kriegsende in von den Al-
senbürg und seinen Außenlagern wenig liierten organisierten Transporten oder
oder gar keinen persönlichen Bezug. auf eigene Faust in ihre jeweilige Her-
Vielmehr waren die meisten von ihnen kunftsregion zurück. Schätzungen zu-
eher zufällig und vor allem ungewollt folge gab es im September 1945 noch
eine Zeit lang vor Ort. ca. 1,9 Millionen DPs, von denen sich
Für die Alliierten hatten die in Flos- ca. 1,3 Millionen in den drei westlichen
senbürg handelnden ehemaligen NS- Besatzungszonen in Deutschland be-
Verfolgten den Status »Displaced Per- 3 fanden.
46 SARAH GRANDKE
Bei den Verhandlungen zur Repatri- DPs noch verstärkte. Für Jüdinnen und
ierung von DPs ins östliche Europa hatte Juden spielte auch Antisemitismus in
die Sowjetunion durchgesetzt, dass sow- 7 Polen eine entscheidende Rolle. Der
jetische Bürgerinnen und Bürger – ob von den Alliierten zunächst als kurze
sie es wünschten oder nicht – prioritär Übergangszeit verstandene Aufenthalt
rückgeführt werden sollten.4 Polinnen in DP-Camps bis zur (erhofften) schnel-und Polen mussten daher auf ihre Rück- len Repatriierung, wurde für die Betref-
führung warten.5 In der Folge zogen fenden so zu einem Zustand, der sich
sich die Transporte hin und die Monate 8 verfestigte und andauerte.
nach Kriegsende vergingen. Auch wenn
che Zahlen aufwies – ca. 80 % aller Ein DP-Camp im ehemaligen KZ – DP die erste Repatriierungswelle beachtli-
s
kehrten bis zum Eintritt des Winters zu- kein Sonderfall
rück –, harrten zur Jahreswende 1945/46 Die Alliierten standen vor der Heraus-
noch mehr als 735 000 DPs aus. Über forderung, Displaced Persons zu ver-
438 000 von ihnen (etwa 60 %) galten als sorgen sowie Ordnung und Sicherheit
polnische Staatsbürgerinnen und Staats- zu schaffen. Aufgrund des großen Man-
bürger. 6 gels an Unterbringungsmöglichkeiten
Einige verblieben zunächst in den und um das Nachkriegschaos beherr-
DP-Camps, da sie aus gesundheitlichen schen zu können, errichteten die Mili-
Gründen noch nicht zur Rückkehr in tärbehörden aus pragmatischen Grün-
der Lage waren. Ein erheblicher Teil den Camps, wo es nur irgend möglich
der DPs hatte spätestens mit Kriegs- war. Vorhandene Barackenlager und
ende jedoch aufgrund von Grenzver- Kasernen erschienen besonders geeig-
schiebungen im östlichen Europa Be- net. Deren vorangegangene Nutzung,
sitz, Wohnung oder Grund und Boden z. B. als Orte nationalsozialistischer
verloren. Viele hatten zudem keinerlei Verfolgung, spielte kaum eine Rolle.
Kontakt zu Familienangehörigen oder So kam es, dass (ausländische) ehe-Freundinnen und Freunden, sofern diese malige NS-Verfolgte, die nun als DPs
überhaupt noch lebten. Selbst wenn eine galten, auch nach ihrer Befreiung in
Rückkehr möglich war, stellte sich für vormaligen Zwangsarbeits-, Kriegsge-
viele die Frage, wohin sie eigentlich zu- fangenen- und Konzentrationslagern
rückkehren sollten. Ebenfalls schreckten verblieben bzw. untergebracht wurden.
Nachrichten aus Polen ab, denn neben Die Bezeichnungen der Orte änder-
Kriegszerstörungen und der fehlenden ten sich zwar offiziell, Baracken und
wirtschaftlichen Aussicht verunsicher- Unterbringungen blieben jedoch meist
ten auch und vor allem die politischen dieselben. Flossenbürg ist somit kein
Entwicklungen. Viele der DPs, die noch Einzelfall. Auch die befreiten Areale
1946/47 in den Camps waren, waren der Konzentrationslager Neuengam-
entschieden gegen ein Polen in neu- 9 10 11 me , Ravensbrück , Buchenwald, en Grenzen und unter dem politischen 12 13 Moringen und Bergen-Belsen und
Einfluss der Sowjetunion. Der Ton ehemalige große Außenlager-Standorte
zwischen Warschau und der polnischen wie Allach (KZ Dachau) und Ebensee
Exilregierung in London wurde zudem 14 ( KZ Mauthausen) wurden von den zunehmend schärfer, was das Abwarten Alliierten zum Teil noch mehrere Jahre
und Zögern bei den zurückgebliebenen als DP-Camps nachgenutzt. MOVING MEMORIES – MEMORIES ON THE MOVE? 47
Mit Blick auf den Zeitpunkt des Ent- in der Folge zum Aufenthaltsort von
stehens des DP-Camps in Flossenbürg bis zu 2100 DP s und war damit ein mit-fällt jedoch eine Besonderheit auf: Wäh- telgroßes Camp. Wie an anderen Or-
rend die bereits erwähnten Beispiele un- ten lassen sich in Flossenbürg ebenfalls
mittelbar nach Kriegsende, zum Teil mit die üblichen »klassischen« Institutio-
der Befreiung, als DP-Camps genutzt nen finden: eine Schule, kulturelle und wurden, war dies in Flossenbürg nicht religiöse Vereine, Pfadfindergruppen,
der Fall. Am 23. April 1946, auf den Tag Sportvereine, ein Lagerkomitee. Für
exakt ein Jahr nach der Befreiung des die dorthin verbrachten DPs waren die
Konzentrationslagers, besichtigte US- höchstens 18 Monate in Flossenbürg
Field Supervisor Matthews das Gelände nur eine Zwischenstation. Dennoch
und sprach mit dem örtlichen UNRRA- prägte diese Gruppe während ihres kur-
Team. Neben der Militärverwaltung zen und ungewollten Aufenthalts den
war die UNRRA (United Nations Re- Ort nachhaltig. Sie hinterließen mit der
lief and Rehabilitation Administration) Errichtung mehrerer Denkmalsanlagen
für die Versorgung von 17 DP s zuständig. einen »kulturellen Fußabdruck«.
Matthews’ Urteil war klar: »This should In ihrer wegweisenden Studie zur
make a fine camp amd [sic!] might be (Neu-)Ausrichtung der DP-Forschung advisable to bear it in mind as a more bezeichnet Anna Holian die frühe Ge-
permanent camp for those DPs who are denkinitiative in Flossenbürg als eines
likely to be with us for a longtime. Ideal- der bemerkenswertesten Beispiele für
ly situated, the buildings allow for ex- die Arbeit und das Gedenken von DP-tensive welfare programmes [sic!] such Komitees. Sie stellt dabei besonders die
as would be considered for a permanent Zusammenarbeit von verschiedenen na-
or long term set-up. Close to rail head, 18 tionalen DP-Gruppen heraus. Trotz
good staff administrative and residential dieses Urteils nahm sie die grundlegen-
accommodation.« 15 Er hielt eine Un- den Forschungen von Jörg Skriebeleit
terbringung von bis zu 4000 DPs für zur Nachgeschichte des KZ Flossen-
denkbar. Das Gelände war unmittelbar bürg nicht zur Kenntnis. Skriebeleit
nach Kriegsende – wie in den vormali- wertete in Bezug auf das »Denkmal-
gen Konzentrationslagern Neuengamme komitee« hauptsächlich deutsche Be-
und Dachau – als Internierungslager für stände und US-amerikanische Verwal-
ehemalige SS- und NSDAP-Mitglieder tungsakten aus. Dadurch konnte er
genutzt worden. Matthews wusste, dass erstmals den Veränderungen des Erin-
sich in absehbarer Zeit das Gelände lee- nerungsortes Flossenbürg über die Zeit
ren würde. Das ehemalige Konzentrati- hinweg und dem Anteil der überwie-
onslagergelände war in seinen Augen ein gend bayerischen Beteiligten nachspü-
geeigneter Ort zur Unterbringung für ren. Aufgrund seines Forschungszu-DP s. Alles Nötige war vorhanden: In- griffs blieben allerdings die eigentlichen
frastruktur, Steingebäude, Umzäunung, Akteure des frühen Gedenken, die DPs,
Baracken und mögliche Arbeitsplätze deren Nachlässe und Quellen sich welt-
im Steinbruch. Dass es sich um ein ehe- 19 weit verteilen, eher im Dunkeln. maliges KZ-Gelände handelte, ließ er Mit Öffnung der Bestände der Arol-
unerwähnt. 16 sen Archives für die Forschung sowie
Das offiziell als polnisch und nicht dem Blick in weitere Archive über
jüdisch klassifizierte DP-Camp wurde Deutschland und die USA hinaus sowie 48 SARAH GRANDKE
der Kontaktaufnahme mit Nachkom- US-Zone in Österreich in die US-Zone
men von ehemaligen DPs lässt sich die nach Bayern sind gleichfalls nicht ab-
Geschichte des DP-Camps Flossenbürg schließend geklärt. Ein Faktor war of-
und damit auch des »Denkmalkomitees« fensichtlich, dass in den DP-Camps in
nun erstmals zumindest grob skizzie- Österreich Platz für neue oder größere
ren. Im Folgenden sollen erste Recher- Jewish Transit Camps geschaffen wer-
cheergebnisse zusammengefasst werden, den sollte, da nach antisemitischen Aus-
die die Gruppe der Displaced Persons schreitungen immer mehr Jüdinnen und
in Flossenbürg in den Mittelpunkt rü- Juden aus Ostmitteleuropa Richtung
cken. Eine umfängliche personenbezo- Westen flüchteten. Die UNRRA und gene Recherche in den Arolsen Archives die US-Armee in Oberösterreich zeig-
und anderen Beständen ermöglicht einen ten sich erleichtert über den Umzug der
genaueren Blick auf die Lebenswege mehr als 2000 DPs nach Flossenbürg.
und damit zugleich auf das »Vor«- und Für Mai 1946 resümierte die UNRRA: »Nach«-Flossenbürg. Ebenso lassen »The housing conditions […] are excel-
sich die Zusammensetzung der Akteure lent. Camps which were unsatisfactory
vor Ort und ihre Verfolgungserfahrun- have been closed and the inhabitants
gen während des Nationalsozialismus 22 transferred to other settlements.« An-in großen Teilen rekonstruieren.20 Der scheinend war ein weiteres Ziel, nicht
Fokus ist insbesondere auf die Men- repatriierungswillige und als »pol-
schen selbst gerichtet und legt erstmals nisch« kategorisierte DPs auf die ge-
das mitgebrachte »Erinnerungsgepäck« samte US-Besatzungszone zu verteilen. der Displaced Persons aus vorherigen Die Polinnen und Polen selbst wie-
Camps offen. Flossenbürg stellt sich in derum verstanden den Transfer nach
dieser Perspektive nur als eine von meh- Flossenbürg als eine Strafmaßnahme,
reren Zwischenstationen auf den Weg die sie zur »freiwilligen« Rückkehr be-
zurück in ein ziviles Leben dar. 23 wegen sollte.
Im österreichischen DP-Camp Eben-
April 1946: Aus Oberösterreich see arbeitete die UNRRA-Mitarbeite-
in das rin Mavis FitzRandolph. Sie begleitete DP-Camp Flossenbürg
die DPs nach Flossenbürg. Die zweitä-
Aus der US-Besatzungszone in Ober- gige Reise in Güterwaggons, ein nächt-
österreich, vor allem aus Wels-Lich- licher Unfall, die Aufregung über eine
tenegg, Ebensee, Braunau, Ransho- Geburt auf der Fahrt und die völlig
fen, Linz und Frankenmarkt, wurden unzureichenden Bedingungen erbos-
Ende April 1946 in zwei Transporten ten sie zutiefst. Besonders schockiert
ca. 2100 DPs nach Flossenbürg ge- war sie über den Zielort. Sie schrieb
bracht.21 Die »Neuankömmlinge«, die eine siebenseitige Beschwerde, denn
auch als »Austrian Poles« bezeichnet nicht nur die DPs, sondern auch sie
wurden, hatten vor ihrer Ankunft in selbst sei hinters Licht geführt wor-
der Oberpfalz in den allermeisten Fäl- den. Im Vorfeld und mehrfach hätten
len keinerlei Verbindungen zur Re- die Ebenseer DPs gefragt, ob es sich gion. Nach welchen Gesichtspunkten bei »Flossenbürg« um das ehemalige
diese 2100 24 DP s ausgewählt wurden, Konzentrationslager handele. Ihnen
ist bisher nicht bekannt. Die Gründe sei versichert worden, dass es ein neu
für den organisierten Umzug aus der errichtetes Camp mit besseren MOVING MEMORIES – MEMORIES ON THE MOVE? 49
gungen als in Ebensee sei. Zwar habe und auf vielfältigen Wegen aus der Sow-
das UNRRA-Team in Flossenbürg mit jetunion u. a. bis nach Italien gekommen
dem Anlegen von Gärten und dem waren und an der Seite der Westalliierten
Streichen der Baracken versucht, das gekämpft hatten. Ferner befanden sich
Areal zu verschönern, doch habe dies unter den DPs in Flossenbürg nach
am allgemeinen »KZ-Eindruck« nichts Westen geflüchtete Osteuropäerinnen
geändert. »[…] auf Schritt und Tritt und -europäer und sogar »Volksdeut-
sind wir auf Stacheldraht, Kremato- sche«. Letzteren sollte zwar offiziell der
rium, Galgen und die ganze Erschei- DP-Status entzogen werden, doch setz-
nung des Lagers gestoßen«25, berich- ten sich Betroffene dagegen zur Wehr,
tete einer der DPs. »Some threatened a so die 30-jährige zweifache Mutter Ma-
demonstration«, schrieb FitzRandolph ria Bandurowicz mithilfe anderer DPs
in ihrer Beschwerde, »but I was glad 28 sowie eines DP-Geistlichen.
to find that they remained quiet and Offiziell galten die DPs in Flossen-orderly because, as I pointed out to bürg als Polinnen und Polen. Doch
them, riot and violence would not do ihre mit »Polish« angegebene »Claimed
them any good and would only make Nationality« ist zu hinterfragen. Denn
their conditions worse. […] I feel very auch wenn zu berücksichtigen ist, dass
strongly that Flossenburg camp is no Menschen ihre Zugehörigkeiten je nach
fit place to house any DPs and certain- Kontext ändern und Identitäten nicht
ly not for children, mothers, or anyone statisch sind, fällt ein häufiger Wech-
not in the most rugged health. I cannot sel der personenbezogenen Angaben
believe that this site can ever provide bei den DPs auf. Hierfür gibt es viel-
healthy living conditions for any fältige Gründe. Zunächst ist die He-
human being.«26 Der »Flossenbürg- terogenität der ethnisch und religiös
Skandal« veranlasste die UNRRA-Mit- gemischten Herkunftsregionen, hier
arbeiterin Mavis FitzRandolph zudem besonders der 1939/40 von der Sowjet-
zur Kündigung, da sie sich nicht vor- union annektierten bis dahin überwie-
stellen konnte, weiterhin unter der gend ostpolnischen Gebiete, von Be-
Aufsicht der US-Militärregierung zu deutung. Einige DPs versuchten, ihre arbeiten.27 Identität zu verbergen, um Strafen und
Vorwürfen wegen tatsächlicher oder
Die Herkunft der DP vermeintlicher Kollaboration zu ent- s gehen. Andere gaben an, bereits wäh- in Flossenbürg rend der NS -Zeit unwahre Angaben
Eine erste umfängliche, aber noch nicht gemacht zu haben, da sie sich dadurch
abgeschlossene Untersuchung zur Zu- eine erhöhte Überlebenschance erhofft
sammensetzung der DPs in Flossenbürg hätten und/oder im Widerstand tätig
bestätigt, dass sie überwiegend vorma- gewesen seien. Auch das Wissen über
lige zivile Zwangsarbeitende, ehemalige Zwangsrepatriierungen in die Sowjet-
KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene wa- union brachte DP s dazu, Angaben zu
ren. Es lassen sich auch Personen mit Herkunft und Staatsbürgerschaft und
gänzlich anderem Hintergrund nach- 29 zum Geburtsdatum zu ändern. Bei
weisen, z. B. Angehörige des Zweiten der späteren Auswanderung erschien es
Polnischen Korps, die der polnischen einigen ebenfalls zweckmäßiger, andere
Exilregierung in London unterstanden Angaben zu machen als zuvor. 50 SARAH GRANDKE
Abb. 1: DP-Registrierungskarteikarte von Micha(e)l Tichon. Oben rechts ist die »Claimed Nationality« vermerkt, unten mittig die Emigration nach Australien. Quelle: Arolsen Archives, Bad Arolsen
Diese Änderungen bemerkte am Zumindest bei einem Screening im
5. November 1946 auch die UNRRA im Oktober 1946 war Micha(e)l Tichon
Distrikt 3, in dem sich Flossenbürg be- in Flossenbürg. Nach eigenen Angaben
fand: »It would seem that national ities war er in der Region Pinsk im heuti-
of D. P.s are most rapidly changing, gen südwestlichen Belarus geboren. Auf
it has been the experience of this de- der DP-Registrierungskarteikarte von partment that when scheduling move- Tichon (Abb. 1) ist als »Claimed Na-
ments of Polish D. P.s […] that the tionality« offenbar zunächst »W. Rus-
nationalities of the D. P.s change over- sian« (vermutlich für »White Russian«)
night. Many come forward and report vermerkt worden. Dies wurde später
themselves as Ukrainians, white Rus- durchgestrichen. Neben der weiteren
sians, white Ruthenians etc.« 30 Aus (der durchgestrichenen Angabe »B. R.« (ver-
westlichen) Sicht der Alliierten war die mutlich für »Belarusian«) findet sich die
mehrfache bzw. uneindeutige ethnische in Klammern stehende Angabe »Ukrain «,
Zuordnung problematisch. Sie fügte die wiederum durchgestrichen und wohl
sich nicht in das System eindeutiger Zu- durch »Polish« ersetzt ist. Nach eigenen
schreibungen, die für die Einteilung in Angaben war Tichon 1940/41 bei der
die meist national organisierten Camps »Russischen Armee« und befand sich
und für bürokratische Klassifizierun- spätestens ab 1942 als Knecht in Öster-
gen notwendig erschienen. Für die als reich. 1948 wanderte er nach Australien
DP s klassifizierten Personen selbst mö- aus. In den dortigen Einwanderungsun-
gen diese Angaben jedoch nicht immer terlagen wurde er als orthodoxer polni-
ein Widerspruch gewesen sein.31 scher Weißruthene geführt. Laut Todes-
MOVING MEMORIES – MEMORIES ON THE MOVE? 51
anzeige engagierte er sich in der Sydney »Polish Camp General W¥adys¥aw Si-
Belarus Community.32 korski«. Sie nahmen damit Bezug auf
Erste Auswertungen zeigen, dass vor den polnischen Ministerpräsidenten
allem Frauen im Flossenbürger DP- im Londoner Exil, der 1943 bei einem
Camp anderer als polnischer Herkunfts- Flugzeugabsturz ums Leben gekommen
nationalität waren, u. a. ukra inisch, ös- war. Die Namensgebung ist ein weiterer
terreichisch und jüdisch-ungarisch. Mit deutlicher Hinweis auf die politische
der Eheschließung mit einem als pol- Verbundenheit mit der polnischen Exil-
nisch geltenden DP änderte sich dann regierung, die auch nach Ende des Zwei-
jedoch die angegebene Nationalität in ten Weltkrieges ihre Arbeit fortzusetzen »polnisch«. versuchte. Sikorski galt bereits unmit-
Auffallend ist, dass zumindest in telbar nach seinem Tod als Symbol: ein
einigen österreichischen Ausgangsor- (weiterer) polnischer Anführer, der im
ten vor dem Transport nach Flossen- Kampf um die nationale Unabhängigkeit
bürg erneut überprüft wurde, wer als für Polen gefallen sei und somit – außer-
polnisch galt und wer nicht, da nur halb kommunistischer Kreise – als
polnische 33 DP s mit umziehen sollten. Nationalheld galt. Er stand als Minis-
Doch auch noch im DP-Camp Flos- terpräsident im Exil für die nationale
senbürg lassen sich Personen mit an- 34 Selbstbehauptung Polens.
deren Angaben oder einem Wechsel Neben den politischen Auseinander-
der angegebenen Zugehörigkeit nach setzungen und der Unklarheit, wohin
der Ankunft finden. Einige, die erst sie gehen sollten, belastete die DPs, in der Oberpfalz als Ukrainerinnen permanent unterwegs sein zu müssen.
oder Ukrainer sowie Belarusinnen und Antoni Ÿok schrieb in Flossenbürg Ta-
Belarusen »auffielen«, wurden in an- gebuch. Der Mauthausen-Überlebende
dere nationale Camps in der Region kam aus dem DP-Camp in Linz-Klein-gebracht. Micha(e)l Tichon gelangte so münchen. Zum ersten Jahrestag der
nach einiger Zeit in das vornehmlich Befreiung, den er dann in den Baracken
belarusische Camp Windischberger- in Flossenbürg verbrachte, schrieb er:
dorf. Ukrainerinnen und Ukrainer ka- »Enttäuscht in unseren Träumen und
men überwiegend nach Regensburg. Hoffnungen und zu weiterem Um-
Das »Polnische« – was auch immer herirren außerhalb der Grenzen des
darunter verstanden werden konnte – eigenen Vaterlandes verurteilt, müssen
spielte eine zentrale Rolle in der Selbst- wir uns unter fremden und uns nicht
definition, zumindest der Camp-»Elite«, wohlgesonnenen Menschen aufhalten,
die nach bisherigem Recherchestand unter schlechteren Bedingungen als der
ausschließlich aus Männern bestand. besiegte Feind. Wahrhaft traurig und
Während UNRRA und Militärregierung beklagenswert ist die Tatsache, dass
offiziell den Namen »Camp Freiburg«, wir zwölf Monate nach Beendigung
»Camp Freiberg« oder »Camp Free- der Kriegshandlungen in Europa von
burg«, zum Teil mit dem Zusatz »in Lager zu Lager verschoben werden, wo
Flossenbürg«, nutzten, um sich zumin- wir weiterhin mit Abscheu auf den uns
dest in der Bezeichnung vom KZ Flos- umschließenden Stacheldraht schauen
senbürg abzusetzen, fanden die DPs müssen, auf die löchrigen und übel rie-
einen eigenen Namen: »Polski Obóz chenden Baracken der früheren Lager,
im. Gen. W¥adys¥awa Sikorskiego« oder von denen wir uns mit solcher Freude
52 SARAH GRANDKE
trennten und die wir nie wieder sehen ten und Amtsträgern aus Bayern. Die
wollten. Die Deutschen hingegen, der Zusammenarbeit war allerdings nicht
schmachvoll besiegte und zerschlagene immer einvernehmlich. Das Verhältnis
Feind, die gänzlich und unbedingt für zu jüdischen DP-Gruppen in der Um-
die Entfesselung des Krieges verant- gebung war ebenfalls konfliktbehaftet.
wortlich sind – und somit auch dafür, Die Motivation der jeweiligen, sehr ver-
dass wir uns hier wiederfinden –, genie- schiedenen Gruppen zur Beteiligung an
ßen völlige Freiheit, belegen gute Woh- der Ausgestaltung eines Gedenkortes
nungen, arbeiten, erfreuen sich zumin- war sehr unterschiedlich und wandelte
dest normaler Lebensbedingungen.«35 sich im Laufe des Bestehens.
Ein weiterer Katalysator der Aktivi-
Akteure im »Denkmalkomitee« Denkmals- und Friedhofserrichtungen täten waren die ohnehin stattfindenden
Aus dem Kreis der nach Flossenbürg hauptsächlich für Opfer der »Todes-
»verschobenen« DPs gründete sich märsche« in Bayern, die vom Staats-
bereits kurz nach der Ankunft eine kommissar für rassisch, religiös und
Gedenkinitiative. Sie nahm sich zu- politisch Verfolgte, Philipp Auerbach,
nächst eines von der US-Armee er- unterstützt und zu großen Teilen fi-
richteten Friedhofs für nach der Be- nanziert wurden. Er war nicht nur früh
freiung verstorbene KZ-Häftlinge im informiert über die Pläne in Flossen-
Ortskern von Flossenbürg an. Zentral bürg, sondern wurde auch Mitglied im
hierbei wurde der neu gegründete »Ver- 38 »Denkmalkomitee«.
band ehemaliger Politischer Häftlin- Der ehemalige Dachau- und Flos-
ge Flossenbürg«.36 Davon offensicht- senbürg-Häftling Josef Tröger, der zu
lich beunruhigt berichtete der örtliche diesem Zeitpunkt zweiter Bürgermeis-
Landrat bereits Anfang Mai 1946 der ter in Weiden war, sowie der Oberpfäl-
Regierung Niederbayern und Ober- zer Architekt Josef Linhardt spielten
pfalz über Gerüchte um Denkmalsset- bereits früh entscheidende Rollen. Re-
zungen. Für die örtlichen Amtsträger dakteure der Lokalzeitung »Der Neue
wurde klar, dass sie sich beteiligen Tag« unterstützten zu unterschiedli-
müssten.37 chen Zeitpunkten bei der Pressebe-
Der »KZ-Friedhof« im Ortskern richterstattung auf Deutsch. Auf polni-
war jedoch nur ein Anfang. Die Denk- scher Seite übernahm die Aufgabe einer
malsbauten dort sowie die Umgestal- 39 der polnischen DP s.
tung waren noch nicht abgeschlossen Mittlerweile können im DP-Camp in
und es begannen bereits weitere noch Flossenbürg mindestens 160 ehemalige
größere Planungen. In den folgenden KZ-Häftlinge nachgewiesen werden. Monaten schuf das »Denkmalkomi- Sie waren vor allem aus dem Lager-
tee« die Gedenkanlage »Tal des To- komplex Mauthausen befreit worden.
des« und errichtete die Kapelle »Jesus Dies entspricht etwa 7,6 % aller DPs in
im Kerker«. Dabei fanden die DPs Flossenbürg. Aus ihren Daten und Le-
Unterstützung und erhielten Zuarbeit benswegen ergibt sich u. a. Folgendes:
von anderen Displaced Persons aus der – Die ehemaligen KZ-Häftlinge wur-
Region – von Polen, aber auch von den zwar fast alle im Lagerkomplex
Ukrainern und Balten – sowie von eini- Mauthausen befreit – größtenteils in
gen ehemaligen deutschen NS-Verfolg- Ebensee und Linz sowie auf MOVING MEMORIES – MEMORIES ON THE MOVE? 53
mungstransporten und -märschen in nen polnischen DPs zunächst nach
der Nähe von Wels –, doch waren sie 42 Flossenbürg umziehen sollten. Sie
zuvor in anderen Konzentrationsla- wollten jedoch zuerst das Denkmal
gern festgehalten worden. Mit Blick in Ebensee fertigstellen und im Juni
auf die Verfolgungswege fällt auf, 1946 einweihen. Eine weitere Ver-
dass die ehemaligen Häftlinge in fast legung von DPs aus Ebensee nach
allen KZ-Lagerkomplexen gefangen Flossenbürg erfolgte – vermutlich
waren: von Stutthof und Majdanek aufgrund der Beschwerde von Fitz-
bis Natzweiler und Neuengamme. Randolph – jedoch nicht mehr.
Ein Großteil war vor Mauthausen Neben den ehemaligen KZ-Häftlin-
in Auschwitz und Auschwitz-Bir- gen können mindestens 130 befreite
kenau. Später führende Kräfte im Kriegsgefangene nachgewiesen werden,
»Denkmalkomitee« waren zumin- die vornehmlich aus einem aufgelösten
dest zeitweise auch im KZ Dachau DP-Camp aus Braunau nach Flossen-
inhaftiert. bürg kamen. Einige beteiligten sich sehr
– Bis auf wenige Ausnahmen handelt aktiv im Flossenbürger »Denkmalko-
es sich um Männer. mitee«. Der ganz überwiegende Teil der
– Der »Verband ehemaliger Politischer DPs in Flossenbürg waren jedoch Men-
Häftlinge Flossenbürg« legte eine schen, die während des Nationalsozia-
klare Betonung auf die politische lismus zivile Zwangsarbeit in Öster-
Widerständigkeit seiner Mitglieder. reich verrichten mussten, darunter viele
Ein Teil war bereits um 1940 ge- Frauen sowie Kinder und Jugendliche.
fangen genommen worden, andere Deren Verhältnis zur Gedenkinitiative
während der Niederschlagung des ist derzeit uneindeutig.
Warschauer Aufstands 1944. Zu klären bleibt, ob die Denkmals-
– Unter diesen 160 Befreiten befanden initiative in Flossenbürg entsprechen-
sich mindestens 23 Männer, die in de Erfahrungen aus Österreich oder
den vormaligen KZ-Lagern als SV- anderen Orten – Konzentrations- und
Häftlinge (»Sicherungsverwahrte«) Kriegsgefangenenlagern bzw. DP-
oder als »Berufsverbrecher« katego- Camps – in die Oberpfalz »mitbrach-
risiert worden waren.40 te«. Handelte es sich hier also um einen
– Wichtige Vertreter der polnischen »erinnerungskulturellen Transfer«? In-
DP s im Flossenbürger »Denkmal- wiefern kann die Gedenkinitiative so-
komitee« hatten sich bereits vor gar als (ost)polnische Erinnerung im
ihrer Ankunft in der Oberpfalz vorübergehenden und deutschen Exil,
für »polnische Belange« sowie für jedoch »importiert« aus Österreich und
Denkmalssetzungen engagiert. So »angereichert« mit oberpfälzischen und
gestalteten polnische DPs auch im bayerischen Elementen verstanden wer-
ehemaligen KZ-Außenlager Ebensee den?
einen KZ-Friedhof um. Darunter Oder anders gefragt: Welche unter-
befanden sich auch Personen, die schiedlichen Einflüsse lassen sich ange-
sich später im DP-Camp Flossen- sichts dieser Vielschichtigkeit herausar-
bürg wiederfanden. 41 Aus der Be- beiten? Wer hatte die Deutungshoheit
schwerde der UNRRA-Mitarbeiterin und welche Vergangenheitsinterpreta-
FitzRandolph wird zudem deutlich, tionen waren für die Ausgestaltung des
dass auch die in Ebensee verbliebe- Erinnerungsortes Flossenbürg 1946/47
54 SARAH GRANDKE
maßgeblich? Was motivierte die DPs in den mussten und politisch kaum Ein-
Flossenbürg und welche Rolle spielten fluss hatten. Hier wird deutlich, dass
politische und identitätsstiftende Grün- DPs – gerade in ihrer Zusammenarbeit
de bei den Denkmalssetzungen? mit anderen Gruppen – nicht nur blo-
Dem »Denkmalkomitee«, das sich ße »Objekte« waren, über die verfügt
zahlenmäßig immer wieder vergrößer- wurde und die von A nach B verschoben
te und verkleinerte, mangelte es nicht wurden. Flossenbürg ist ein gutes Bei-
an Selbstvertrauen und Vision. Unter spiel, um die Handlungsräume und die
anderem nahm es Kontakt mit dem Va- Schaffenskraft von DPs zu illustrieren.
tikan43 44 , dem alliierten Kontrollrat und
weiteren internationalen Stellen auf. In Kooperationspartner dem Zeitraum von nur knapp 18 Mona-
ten fanden Gedenk- und Einweihungs- des »Denkmalkomitees«
feiern im Abstand von jeweils einigen Im »Denkmalkomitee« waren nicht nur
Wochen statt. Das von der US-Mili- Mitglieder aus dem DP-Camp in Flos-
tärregierung offiziell nicht anerkannte senbürg und einige deutsche Amtsträ-
»Denkmalkomitee« hatte umfassende ger, sondern auch DPs aus dem Camp
Pläne und ging offensichtlich davon im nahe gelegenen Weiden. Darunter
aus, zumindest etwas länger vor Ort befanden sich auch KZ-Überlebende,
aktiv sein zu können: Es wollte das Ge- die in Flossenbürg oder auf einem Räu-
denkstättengelände internationalisieren, mungstransport dorthin befreit worden
eine Stiftung gründen, die sich um die waren. Das Verhältnis zwischen den
Belange und Fürsorge von Überleben- polnischen DPs in Flossenbürg und
den und ihren Kindern kümmert, ein Weiden gestaltete sich dabei nicht im-
Gedenk- und Erinnerungsbuch heraus- mer harmonisch. Schon in der ersten
geben sowie ein Denkmal für die US- Sitzung ging es um den Posten des Vor-
amerikanischen Befreier errichten.45 sitzenden des »Denkmalkomitees«. Im
Es lag an den DPs, die ungewollt auf deutschen Protokollbuch des Komitees
dem ehemaligen KZ-Gelände unterge- heißt es dazu: »Es ist wieder ein Streit
bracht waren, dass der Ort so früh und zwischen Weiden und Flossenbürg. Je-
auf diese Weise markiert wurde. Zwar der will die Herrschaft im Komitee
verließen sie nach nicht einmal einein- 47 haben.« In einer Kampfabstimmung halb Jahren Flossenbürg wieder, doch setzte sich der Rechtsanwalt Dr. Edu-
prägt dieser »kulturelle Fußabdruck« ard W ęgielski aus dem Flossenbürger den Ort bis heute. Camp mit 13 zu 8 Stimmen gegen
DP-Geschichte wurde bisher oft als den gelernten Sattler Eugeniusz Hejka,
Problemgeschichte ge- und beschrieben. Flossenbürg-Überlebender und Zeu-
Im Vordergrund standen in der For- ge im Dachauer Flossenbürg-Prozess,
schung häufig Konflikte zwischen orts- 48 durch.
ansässiger Bevölkerung und den DPs Im Laufe der Zeit scheint das Enga-
sowie die Debatte um eine vermeintlich gement der polnischen DPs aus Wei-
erhöhte Kriminalität.46 Doch am Flos- den abgenommen zu haben. Zwar be-
senbürger Beispiel zeigt sich, welchen teiligten sie sich an Spendenaktionen,
gesellschaftlichen Beitrag Menschen doch sammelten die im Flossenbürger leisteten, die als DPs galten, margina- Camp lebenden DPs, die selbst nicht
lisiert waren, Sprachbarrieren überwin- aus dem KZ Flossenbürg befreit MOVING MEMORIES – MEMORIES ON THE MOVE? 55
den waren, allein bis Februar 1947 un- weiht (Abb. 3). Am 25. Mai 1947 er-
ter sich über 27 000 RM und spendeten folgte die Einweihung der Kapelle und
damit mehr als achtmal so viel wie die der Gedenkanlage »Tal des Todes« im
DP s in den »Polenlagern« in Weiden. Bereich des vormaligen Lagerkremato-
Bemerkenswert daran ist, dass zu die- riums (Abb. 4 und 5).
sem Zeitpunkt bereits mehr polnische
DP s in Weiden untergebracht waren als Das »Erfahrungs- und
Laufe der Zeit verringerte. 49 Erinnerungsgepäck« der DPs in Flossenbürg, wo sich ihre Zahl im Auch die
Sammlungen der KZ-Betreuungsstelle In Flossenbürg zeigen sich interes-
Weiden, die sich in erster Linie für sante Parallelen zu anderen frühen Ge-
deutsche ehemalige NS-Verfolgte ein- denkstätteninitiativen an ehemaligen
setzte, erbrachte nur ein Drittel dieser KZ-Standorten, hier insbesondere zu
Summe.50 54 Auschwitz, das nur drei Wochen nach
Die Zusammensetzung des »Denk- der Flossenbürger Gedenkanlage »Tal
malkomitees« änderte sich mit der Zeit. des Todes« als Gedenkstätte offiziell
Es kamen Mitglieder hinzu, vor allem eröffnet wurde, sowie zu Dachau55. In
deutsche Amtsträger, aber auch balti- führenden Positionen im Flossenbür-
sche und ukrainische DPs aus der Um- ger »Denkmalkomitee« waren Perso-
gebung sowie bis hin nach Regensburg nen aktiv, darunter der Vorsitzende
und München. Gleichzeitig nahm die Dr. Eduard Węgielski und der zweite Zahl der beteiligten polnischen DPs Bürgermeister von Weiden Josef Trö-
aus Weiden anscheinend ab. Einer der ger, die zumindest eine Zeit lang von
Aktiven, der sich bereits in der ers- der SS in Dachau inhaftiert worden ten Sitzung um eine konstruktive Zu- waren. Beide fuhren immer wieder zu
sammenarbeit zwischen Weiden und 56 Besprechungen nach München. Eu-
Flossenbürg bemühte, war der Ende geniusz Hejka, in Weiden als DP regis-
30-jährige Vermessungstechniker Jan triert, war im Sommer 1946 Zeuge im Dymitrowski. 51 Er hatte eine Vielzahl Dachauer Flossenbürg-Prozess. Eine
an Konzentrationslagern überlebt und weitere zentrale Figur und angesehene
war auf einem Räumungsmarsch nach Person im DP-Camp Flossenbürg war
Flossenbürg befreit worden. Jan Dy- der Kaplan und spätere Priester Robert
mitrowski, dem der Weidener DP-Club Szyma, ebenfalls ein Dachau-Überle-
»Polonia« 1947 eine besonders hohe 57 bender. Neben dieser »Dachau-Ver-
Moral attestierte52, schlug vor, »un- bindung« wird eine weitere Verbindung
bedingt« Latein als Sprache für die zu deutlich: Robert Szyma hatte nach der
setzenden Denkmäler zu nutzen: »Es Befreiung im österreichischen DP-
ist für alle Nationen, sie ist eine hohe Camp Ebensee als religiöser Beistand
Sprache – sonst müßten wir 8-10 Spra- gearbeitet und sich dort für das geist-
chen anbringen.«53 Dies wurde z. B. am liche Leben engagiert. Nach bisherigem
KZ-Friedhof im Ort auch umgesetzt. Recherchestand war er der einzige aus
Am 1. September 1946 erfolgte die dem Lagerkomitee im DP-Camp Eben-
Grundsteinlegung der Gedenkkapel- see, der mit in die Oberpfalz kam. Er
le (Abb. 2) über dem »Tal des To- kannte als Mitglied des Lagerkomitees
des«, acht Wochen später wurde das Ebensee die Planungen und Fortschritte
Friedhofsdenkmal im Ortskern einge- des Denkmalprojekts in Ebensee sowie
56 SARAH GRANDKE
Abb. 2: Aufnahme aus der Bauphase der Gedenkkapelle zur Erinnerung an die Toten des KZ Flossenbürg, nicht dat. [vermutlich Frühjahr 1947]. Foto: unbekannt, Quelle: Archiv der Gedenkstätte Flossenbürg, 2017.0246 3271
Abb. 3: Einweihung des Friedhofsdenkmals im Ortskern von Flossenbürg, Oktober 1946. Foto: unbekannt, Quelle: Archiv der Gedenkstätte Flossenbürg, 2017.0246 3211
MOVING MEMORIES – MEMORIES ON THE MOVE? 57
Abb. 4: Einweihung der Kapelle und der Gedenkanlage »Tal des Todes« in Flossenbürg, 25.5.1947. Foto: unbekannt, Quelle: Privatbesitz Grzegorz Iwulski, Nowy Sa˛cz
Abb. 5: Kapelle und Gedenkanlage »Tal des Todes« in Flossenbürg, August 2020. Foto und Quelle: Sarah Grandke 58 SARAH GRANDKE
auch Interna. Die anderen 390 DPs und pfalz und der Nachricht, dass es seiner
auch die UNRRA-Mitarbeiterin Fitz- Mutter gesundheitlich schlecht gehe,
Randolph, die Ende April 1946 nach entschied er sich zur Rückkehr nach
Flossenbürg aufbrachen, kannten die 60 Polen. Nicht wenige Repatriierte sa-
Pläne von Erzählungen, aktiver Betei- hen sich – zurück in Polen – mit einem
ligung oder aus Zeitungsberichten.58 gewissen Stigma behaftet. Ihnen wurde
Die Einweihung des umgestalteten vorgeworfen, »zu spät« nach Hause
Friedhofs in Ebensee fand am 2. Juni zurückgekehrt und gegebenenfalls mit
1946 statt. der Exilregierung verbunden gewesen
zu sein. Sie sprachen oft nicht über das
Ausblick – Flossenbürg Erlebte – weder über die Erfahrungen
als Zwischenstation der Befreiung und der Rückkehr nach im KZ noch über die Zeit zwischen
Flossenbürg war für die ca. 2100 im 61 Polen.
dortigen DP-Camp untergebrach- Nach Schließung des DP-Camps im
ten Personen nur eine Zwischenstati- Oktober/November 1947 nahmen sich
on. Bereits im Spätherbst 1946 wurde vor allem zu Jahrestagen belgische und
vonseiten der UNRRA und der US- französische Überlebendenverbände
Militärregierung bekannt, dass das 62 des Ortes an. Auch (Exil-)Ukra iner
Camp aufgelöst werden sollte: »Dur- 63 standen mit Flossenbürg in Kontakt.
ing spring and summer there was a Josef Tröger aus Weiden, ehemaliger
certain natural charm to the spot but Flossenbürg-Häftling und Mitglied im
with on-coming souvenirs of the vari- »Denkmalkomitee«, sowie Philipp Au-
ous monuments erected since the camp erbach als bayerischer Staatskommissar
was put into operation one is often für rassisch, religiös und politisch Ver-
conscious of the sinister and oppres- folgte blieben mit dem Ort weiterhin
sive weight of the 56,000 slaughtered, verbunden.
many of whose remains are still being In den Folgejahren kam es immer
found. This psychological factor, as wieder zu Konflikten um den angemes-
well as employment, call for its rapid senen Umgang mit den Hinterlassen-
liquidation.«59 Dies beunruhigte das schaften des Konzentrationslagers sowie
»Denkmalkomitee« zunehmend, da es die weitere Ausgestaltung der Gedenk-
sein Projekt gefährdet sah. Soweit bis- 64 anlage. Soweit bekannt spielten die
her in Selbstzeugnissen sowie Familie- polnischen DPs dabei keine Rolle mehr.
nerinnerungen ablesbar, spielte jedoch Denkbar ist allerdings, dass einige ehe-
die Gedenk initiative bei der Rückkeh- malige polnische Engagierte gelegentlich
rentscheidung nach Polen keine Rolle. nach Flossenbürg kamen, denn diejeni-
Mindestens 300 DPs entschieden sich gen, die sich nicht repatriieren ließen,
Ende 1946 sowie im Laufe des Früh- wurden vor allem in Camps in das
jahrs 1947 zur Repatriierung. Einer ca. 60 Kilometer entfernte Amberg ver-
von ihnen war Wojciech Truszczyński, legt, wo die meisten von ihnen eine weit-
Mauthausen-Überlebender, der nach aus längere Zeit verblieben als in Flos-
der Befreiung zunächst in Österreich senbürg. Sie hofften auf eine Emigration.
verblieben war und für das Zweite Pol- Zwar verließ die heterogene »Zufalls-
nische Korps in Linz gearbeitet hatte. 65 gesellschaft« der »Austrian Poles«
Erst nach dem Umzug in die Ober- Flossenbürg wieder, doch zerfiel sie
MOVING MEMORIES – MEMORIES ON THE MOVE? 59
(noch?) nicht völlig. So stellten ehema- im Ort selbst und heirateten zum Teil
lige KZ-Häftlinge unter den DPs, die Ortsansässige. Diejenigen, denen die
nicht nach Polen zurückgekehrt waren, Emigration verwehrt geblieben war
in vielen Fällen ab Ende der 1940er- und die in der Bundesrepublik Fuß zu
Jahre Entschädigungsanträge. Darin fassen versuchten, waren verwaltungs-
bescheinigten sie sich in vielen Fällen rechtlich ab 1951 »heimatlose Auslän-
gegenseitig die jeweilige Verfolgungsge- der«. Nicht selten gehörte der immer
schichte sowie den gemeinsamen Weg wiederkehrende Umzug von Lager
nach der Befreiung bis in die Oberpfalz. zu Lager zu ihrem weiteren Leben.
Flossenbürg war für viele zugleich ein Aber auch diejenigen, die emigriert
Ort des Kennenlernens und Eheschlie- waren, standen vor großen Herausfor-
ßens und es entstanden Freundschaften. derungen und lebten oft in prekären
Einige hielten ihr Leben lang Kontakt, 67 Verhältnissen. Welche Bedeutung ihr
selbst noch nach der Auswanderung Schaffen in Flossenbürg in ihrem wei-nach Australien. 66 teren Leben hatte, ist derzeit noch eine
Einige ehemalige DPs verblieben offene Frage.
in der Flossenbürger Umgebung oder
Anmerkungen
1 Marian Iwański, Chronik-Dokumen- Holian befanden sich im September
tation des polnischen Lebens in Re- 1945 41 % der DPs in der US-Zone,
gensburg 1945-1948 sowie der Arbeit 54 % in der britischen und 5 % in der
des Autors für die polnische Gemein- französischen Zone. Vgl. auch Jacob-
de Sifton und andere Gemeinden in meyer (Anm. 2), S. 31-33, 41 f., 82-84.
West Manitoba und Winnipeg (Kana- Ab Sommer 1945 gab es offiziell keine
da) 1949-1983, Artikel »Flossenbürg« DPs mehr in der sowjetischen Besat-
[enthalten in einem 2-seitigen Zeitungs- zungszone, lediglich einige Zehntausend
ausschnitt aus einer nicht benannten »Repatrianten«, die von den Westalliier-
Zeitung], 28.8.1947, eingeklebt zwi- ten aber nicht mehr (mit)gezählt wur-
schen S. 328 und 329 [Paginierung in den. Daneben befanden sich DPs in
der Quelle], Katolicki Uniwersytet Lu- Afrika und auch in Fernost, u. a. in
belski Jana Paw¥a II. (KUL), Dekanat Schanghai. Deutschsprachige Flüchtlin-
dla Polaków obwodu Regensburgskie- ge, Vertriebene und umgesiedelte Perso-
go 1945-1946, https://issuu.com/por nen erhielten explizit keine alliierte Un-
tapolonica/docs/alles_komplett_nicht_ terstützung und hatten keinen offiziellen
reduziert?e=27035358/44786725, S. 195- DP-Status; für sie waren die deutschen
196 [Seitenzählung des Onlinedoku- Behörden zuständig.
ments], Zugriff: 12.1.2022. Übersetzun- 4 Vgl. Jacobmeyer (Anm. 2), S. 59-84; Ni-
gen aus dem Polnischen – wenn nicht kita Petrov: Unter Verdacht: Die staat-
anders angegeben – von der Verf. liche Überprüfung sowjetischer Repa-
2 Vgl. Wolfgang Jacobmeyer: Vom Zwangs- trianten und ihre rechtlichen Folgen
arbeiter zum Heimatlosen Ausländer, (1944-1954), in: Dieter Pohl / Tanja
Göttingen 1985, S. 23 f. Sebta (Hg.): Zwangsarbeit in Hitlers
3 Vgl. Anna Holian: Between National Europa. Besatzung, Arbeit, Folgen, Ber-
Socialism and Soviet Communism. Dis- lin 2013, S. 311-326; Ulrike Goeken-
placed Persons in Postwar Germany, Haidl: Die Repatriierung sowjetischer
Ann Arbor, Mich., 2011, S. 38. Nach Zwangsarbeiter und Kriegsgefangener
60 SARAH GRANDKE
während und nach dem Zweiten Welt- in: Beiträge zur Geschichte der natio-
krieg, in: Rebecca Boehling / Susanne Ur- nalsozialistischen Verfolgung in Nord-
ban / René Bienert (Hg.): Freilegungen. deutschland 12 (2010) (Anm. 9), S. 190-
Displaced Persons. Leben im Transit: 193.
Überlebende zwischen Repa triierung, 11 Vgl. 1945 – Nach der Befreiung, www.
Rehabilitation und Neuanfang, Göttin- buchenwald.de/464, Zugriff: 12.1.2022.
gen 2014, S. 241-254. 12 Vgl. Stefan Wilbricht: Das DP-Lager in
5 Vgl. Laura J. Hilton: Pawns on a Chess- Moringen 1945-1951, in: Beiträge zur
board? Polish DPs and Repatriation Geschichte der nationalsozialistischen
from the US Zone of Occupation of Verfolgung in Norddeutschland 12
Germany, 1945-1949, in: Johannes-Die- (2010) (Anm. 9), S. 55-64.
ter Steinert / Inge Weber-Newth (Hg.): 13 In Bergen-Belsen wurden die Befrei-
Beyond Camps and Forced Labour: ten allerdings im Mai 1945 vom ehe-
Current International Research on Sur- maligen KZ-Gelände in das nahe ge-
vivors of Nazi Persecution, Osnabrück legene Kasernengelände verlegt. Vgl.
2005, S. 90-102. Karl Liedke / Christian Römmer: Das
6 Vgl. Displaced Persons by national- polnische DP-Camp Bergen-Belsen,
ity receiving UNRRA assistance in the in: Beiträge zur Geschichte der natio-
Western Zones of Germany, Austria, nalsozialistischen Verfolgung in Nord-
Italy, China, and the Middle East, De- deutschland 12 (2010) (Anm. 9), S. 65-
cember 1945 to June 1947, in: Mal- 74; Thomas Rahe: Polnische und jüdi-
colm J. Proudfoot: European Refugees sche Displaced Persons im DP-Camp
1939-52. A Study in Forced Population Bergen-Belsen, in: Boehling/Urban/Bie-
Movement, London 1957, S. 259; Jacob- nert (Anm. 4), S. 61-72; ders.: Rückkehr
meyer (Anm. 2), S. 82-84. in die Zeit. Erinnerung im Übergang
7 Zur Situation von jüdischen DPs und vom Konzentrationslager zum jüdischen
»infiltrees« vgl. u. a. Unser Mut – Ju- DP-Camp Bergen-Belsen, in: Janine
den in Europa 1945-48, hg. v. Kata Doerry / Thomas Kubetzky / Katja Sey-
Bohus / Atina Grossmann / Werner Ha- bold (Hg.): Das soziale Gedächtnis und
nak / Mirjam Wenzel, Berlin 2020. die Gemeinschaften der Überlebenden.
8 Zur Situation in Polen vgl. Marcin Za- Bergen-Belsen in vergleichender Per-
remba: Die große Angst. Polen 1944- spektive, Göttingen 2014, S. 197-213;
1947: Leben im Ausnahmezustand Katarzyna Person: Dipisi. Ÿydzi pols-
Übers. aus d. Polnischen: Sandra Ewers, cy w amerykańskiej i brytyjskiej stre-
Paderborn 2016 (Original: Wielka trwo- fach okupacyjnych Niemiec, 1945-1948,
ga: Polska 1944-1947, Kraków 2012), Warschau 2019, S. 269-276. Die Paral-
insbes. S. 275-284, 311-348. lelen der ersten Denkmalsinitiativen in
9 Vgl. z. B. Alyn Beßmann: »Der sozu- Flossenbürg und Bergen-Belsen, sowohl
sagen für Euch alle im KZ sitzt.« Briti- zu dem jüdischen als auch zu dem polni-
sche Internierungspraxis im ehemaligen schen DP-Camp, gilt es ebenso wie die
KZ Neuengamme und deutsche Deu- Unterschiede noch genauer zu untersu-
tungsmuster, in: Beiträge zur Geschichte chen.
der nationalsozialistischen Verfolgung 14 Vgl. Wolfgang Quatember: Das DP-
in Norddeutschland 12 (2010) [Schwer- Camp Ebensee unter Verwaltung der
punktthema: Zwischenräume. Displaced UNRRA (TEAM 313), in: betrifft wider-
Persons, Internierte und Flüchtlinge stand (2006), Nr. 79, Dezember, S. 23-24.
in ehemaligen Konzentrationslagern], 15 Report Field Supervisor Matthews,
S. 35-54. No. 3. District, Date of Visits to Team
10 Die offizielle Bezeichnung war »Re- 23./24.4.1946, nicht dat., United Nations
patriierungslager Nr. 222«. Vgl. Alyn Archives (UNA), PAG 4 3.0.11.3.2 S 435,
Beßmann / Insa Echebach: Das Frauen- Box 7, File 8, o. Pag., Kopie im Archiv
Konzentrationslager Ravensbrück: Ge- der Gedenkstätte Flossenbürg (AGFl),
schichte und Erinnerung. Ausstellungs- 2020.0014.
katalog, Berlin 2013, S. 273-276; Ulrike 16 Vgl. ebd. Die Nichterwähnung der Vor-
Huhn / Cord Pagenstecher: Neue Bilder nutzung des Areals als Konzentrations-
von Ravensbrück: Fotos aus dem Repa- lager ist insofern bemerkenswert, als
triierungslager Nr. 222 (Sommer 1945), ab Sommer 1945 DPs immer wieder MOVING MEMORIES – MEMORIES ON THE MOVE? 61
heftig gegen ihre Unterbringung auf ance«, das von den DPs selbst ausgefüllt
dem Gelände von ehemaligen national- wurde, um weitere Unterstützung und
sozialistischen Lagern protestierten. Fürsorge zu erhalten. Vgl. hierzu https://
Vgl. z. B. Michael John: Bevölkerung in eguide.arolsen-archives.org/archiv/an
der Stadt: »Einheimische« und »Frem- zeige/cm1-antrag, Zugriff: 26.1.2022).
de« in Linz (19. und 20. Jahrhundert), In die Teildatenbank zu DPs floss zu-
Linz 2000, S. 296-301; Heidi Schatzl: dem seit Anfang 2020 auch Material aus
Protestaktionen jüdischer DPs in Linz, zahlreichen australischen, deutschen, ös-
in: Gerda Ridler (Hg.): Nach dem Krieg. terreichischen, polnischen und US-ame-
Oberösterreich 1945-1955. Ein Aus- rikanischen Archiven ein. Vgl. Daten-
stellungsprojekt des Oberösterreichi- bank »Displaced Persons (DPs)«, AGFl,
schen Landesmuseums an den Standor- Memorial Archives, letzter Zugriff für
ten Schlossmuseum Linz, Landesgale- diesen Beitrag: 13.5.2021. Für die tech-
rie Linz, Mühlviertler Schlossmuseum nische Unterstützung beim Aufbau der
Freistadt, Wehrkundliche Sammlung Teildatenbank danke ich besonders Jo-
Schloss Ebelsberg, Linz 2015, S. 43-49. hannes Ibel. 17 Die Findung dieser Begrifflichkeit ver- 21 Jörg Skriebeleit erwähnt auch Ems als
danke ich Nikolaus Hagen, Innsbruck. Ausgangsort (vgl. Skriebeleit: Erinne-
18 Vgl. Holian (Anm. 3), S. 230 f. rungsort [Anm. 19], S. 89 f.). Dies konn-
19 Vgl. u. a. Jörg Skriebeleit: »Alles muss te durch die personenbezogenen Re-
verschwinden, was den Charakter des cherchen nicht bestätigt werden. Dahin-
Lagers trägt, die Baracken, der Ein- gegen wurde fast das gesamte Camp aus
gang, die Wachtürme«. Das Gelände Linz-Kleinmünchen nach Flossenbürg
des KZ Flossenbürg zwischen 1945 verlagert (vgl. Bestandsmeldungen T 320
und 1949, in: Dachauer Hefte 19 (2003) AC Settlement 56 Linz Kleinmünchen,
[Schwerpunktthema: Zwischen Befrei- Arolsen Archives, ITS Digital Archive,
ung und Verdrängung], S. 180-200; ders.: 3.1.1.2/82047037).
Erinnerungsort Flossenbürg. Akteure, 22 Narrative report for Month of April ,
Zäsuren, Geschichtsbilder, Göttingen 1946, UNRRA US Zone Area II,
2009; ders.: Milieux de mémoire – Ge- 2.5.1946, UNA, Austrian Mission Re-
meinschaften auf Zeit. Kontinuitäten ports (Including Summaries), S-0523-
und Diskontinuitäten von Erinnerungs- 0022-0004-00001, https://search.archi
pflege am Beispiel des Konzentrati- ves.un.org/uploads/r/united-nations-
onslagers Flossenbürg, in: Doerry/Ku- archives/d/b/d/dbd6beebaa2937476660
betzky/Seybold (Anm. 13), S. 175-193; b13f67d1329c7a0c010de1d459f52905b0
ders.: Relikte, Sinnstiftungen und me- 981c104b5b/S-0523-0022-0004-00001.
moriale Blueprints, in: Erinnerungsorte PDF, S. 59-63 [Seitenzählung des PDF-
in Bewegung. Zur Neugestaltung des Dokuments], Zugriff: 21.1.2022.
Gedenkens an Orten nationalsozia- 23 Vgl. Andrzej Pilch: Losy Polaków w
listischer Verbrechen, hg. v. Daniele Austrii po drugiej wojnie Światowej
Allmeier / Inge Manka / Peter Mörten- 1945-1955, Wroc¥aw 1994, S. 95.
böck / Rudolf Scheuvens, Bielefeld 2016, 24 Mavis FitzRandolph schreibt von 398
S. 101-125. DPs, die aus Ebensee nach Flossenbürg 20 Die Ergebnisse befinden sich in einer »umgezogen« seien. Bei der Auswer-
nicht öffentlichen Teildatenbank »Dis- tung von DP-Cards aus Ebensee sowie
placed Persons ( DPs)« in der Online- von DP2-Cards aus Flossenbürg konn-
datenbank »Memorial Archives« der ten 395 Personen nachgewiesen werden.
KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Die In- Mindestens 60 dieser Personen waren
halte dieser Datenbank, die ich zum Befreite, vor allem aus dem Außenla-
Zweck der Recherche aufgebaut habe, ger Ebensee. Vgl. Datenbank »Displaced
werden kontinuierlich erweitert. Der Persons (DPs)«, AGFl, Memorial Arch-
Grundstamm der Daten beruht auf ives; Report on the Polish transport
intensiven Recherchen in den Arol- from Ebensee to Flossenburg to Polish
sen Archives, Bad Arolsen, hier vor Committee Ebensee, 3.5.1946, Insti-
allem mit DP Cards und CM/1-Ak- tute for Jewish Research, New York
ten (»CM/1« war die Nummer für das (YIVO), Displaced Persons Camps and
Formular »Application for IRO Assist- Centers in Austria, 1945-1951, Record
62 SARAH GRANDKE
Group No. 294.4, Microfilm No. MK historische Denken der Polen, Berlin
490, Folder 404, Kopie im Zeitgeschich- 2007; Jörg Zägel: Vergangenheitsdiskur-
te Museum Ebensee (ZME). se in der Ostseeregion, Bd. 2: Die Sicht
25 Iwański (Anm. 1), Chronikeintrag eines auf Krieg, Diktatur, Völkermord, Be-
namentlich nicht benannten Mitglieds satzung und Vertreibung in Russland,
der Vereinigung »Lebendiger Rosen- Polen und den baltischen Staaten, Ber-
kranz«, Flossenbürg, Januar 1947, S. 116 lin 2007, hier S. 96-131; Beate Kosmala:
[Paginierung in der Quelle], S. 67 [Sei- Polen. Lange Schatten der Erinnerung.
tenzählung des Onlinedokuments]. Der Zweite Weltkrieg im kollektiven
26 Report on the Polish transport from Gedächtnis, in: Monika Flacke (Hg.):
Ebensee to Flossenburg to Polish Com- Mythen der Nationen. 1945. Arena der
mittee Ebensee, 3.5.1946 (Anm. 24). Erinnerungen, Bd. 2, Mainz 2004, S. 509-
27 Vgl. Rezygnacja, Mavis FitzRandolph, 540.
17.5.1946, YIVO, Displaced Persons 35 Antoni Ÿok, Tagebuch, Privatbesitz
Camps and Centers in Austria, 1945- Dominika N., Chodzież, Kopie im Pri-
1951, Record Group No. 294.4, Micro- vatarchiv Sarah Grandke. Für die Unter-
film No. MK 490, Folder 404, Kopie im stützung bei dieser Übersetzung danke
ZME . ich Rainer Bobon. 28 Vgl. Datensatz Maria Bandurowicz, 36 Es finden sich unterschiedliche Grün-
13.5.2021, Datenbank »Displaced Per- dungsdaten, hier wird vom 4.6.1946 aus-
sons (DPs)«, AGFl, Memorial Archives. gegangen (vgl. den Artikel »Flossen-
In der Zwischenzeit lebte die Mutter mit bürg« [Anm. 1], 28.8.1947).
ihren Kindern zur Untermiete im Ort 37 Vgl. Skriebeleit: Erinnerungsort (Anm. 19),
selbst. Ob sie mit ihren Kindern ins DP- S. 97.
Camp zurückkehren konnte, ist nicht 38 Vgl. Korrespondenz Staatskommissar
bekannt. zu Denkmalprojekten in Flossenbürg,
29 Vgl. z. B. Datensatz W¥adys¥aw (ali- Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Mün-
as Karol) Sosa (alias Tomaszewski), chen (BayHStA), Staatskommissar für
13.5.2021, Datenbank »Displaced Per- rassisch, religiös und politisch Verfolgte,
sons (DPs)«, AGFl, Memorial Archives. Vorl. Nr. 27 u. 28, o. Pag.
Vgl. hierzu allgemein Diane F. Afou- 39 Vgl. Tagesordnung des »Denkmalkomi-
mando: The Care and Maintenance in tees«, 27.2.1947, BayHStA, Staatskom-
Germany Collection – A reflection of missar für rassisch, religiös und politisch
DP self-identification and postwar emi- Verfolgte, Vorl. Nr. 34 a, o. Pag.; Akten-
gration, in: Boehling/Urban/Bienert notiz Auerbach an Tröger, 28.1.1947,
(Anm. 4), S. 217-227. BayHStA, Staatskommissar für rassisch, 30 Daily Summary 5.11.46, UNRRA Dis- religiös und politisch Verfolgte, Vorl.
trict 3 Headquarters Regensburg, James E. Nr. 45, o. Pag.
Flannery, 6.11.1946, UNA, PAG 4 40 Bereits in den 1970er-Jahren informier-
3.0.11.3.1 S 424, Box 13, Kopie im te der Internationale Suchdienst da-
AGFl, 2020.0014. rüber, dass im KZ-Komplex Mauthau-31 Vgl. Roger Brubaker / Frederick Cooper: sen Polen, die als »Sicherungsverwahr-
Beyond »identity«, in: Theory and Soci- te« oder »Berufsverbrecher« registriert
ety 29 (2000), Nr. 1, S. 1-47. worden waren, überwiegend nicht »kri-
32 Vgl. Datensatz Michael Tichon, minelle Mehrfachtäter« gewesen seien:
13.5.2021, Datenbank »Displaced Per- »Die Bezeichnung war ihnen gegeben
sons (DPs)«, AGFl, Memorial Archives. worden, weil sie vorher in Zuchthäu-
33 Vgl. z. B. Bestandsmeldungen T 320 sern beziehungsweise Gefängnissen
AC Settlement 56 Linz Kleinmünchen aus politischen Gründen wie Abhören
(Anm. 21). feindlicher Rundfunksendungen, Vor-
34 Vgl. Wladyslaw Sikorski, Politiker, bereitung zum Hochverrat, Verstößen
www.deutscheundpolen.de/personen/ gegen Kriegswirtschaftsverordnungen
person_jsp/key=wladyslaw_sikorski. und auch wegen nicht-politischer Stra-
html, Zugriff: 12.1.2022; weiterfüh- fen einsaßen.« Vgl. Antwort auf An-
rend und für einen ersten Überblick auf trag, ITS an Bronis¥aw K., 2.11.1976,
Deutsch u. a. Krzysztof Ruchniewicz: Arolsen Archives, ITS Digital Archive,
»Noch ist Polen nicht verloren«. Das 6.3.3.2/110018796. MOVING MEMORIES – MEMORIES ON THE MOVE? 63
41 Vgl. Datensätze Robert Szyma; Ed- sein. Das Verfahren wurde 1981 ein-
ward/Eduard Węgielski, Datenbank gestellt (vgl. Landesarchiv Nordrhein-
»Displaced Persons (DPs)«, AGFl, Westfalen, Abt. Rheinland, Gerichte,
Memorial Archives, 13.5.2021; Pilch Rep. 158, Nr. 684, S. 1-16).
(Anm. 23), S. 104; Urkunde Denkmal- 53 Protokoll 4.7.1946 (Anm. 47), o. Pag.
komitee Ebensee, 2.6.1946, ZME, KLE 54 Vgl. Imke Hansen: Materiality and the
XIII A-1. Consturction of Memory. The case of
42 Vgl. Report on the Polish transport from Auschwitz Birkenau, in: Ends of War.
Ebensee to Flossenburg to Polish Com- Interdisciplinary Perspectives on Past
mittee Ebensee, 3.5.1946 (Anm. 24). and New Polish Regions after 1944,
43 Vgl. Iwa ński (Anm. 1), 6-seitiger Brief hg. v. Paulina Gulińska-Jurgiel / Yvonne
des »Denkmalkomitees« an Papst Kleinmann / Miloš Řezník / Dorothea
Pius XII., 10.5.1947, eingeklebt zwi- Warneck, Göttingen 2019, S. 119-142,
schen S. 268 und 269 [Paginierung in der beruhend auf Imke Hansen: »Nie wie-
Quelle], S. 157-160 [Seitenzählung des der Auschwitz!« Die Entstehung eines
Onlinedokuments]. Symbols und der Alltag einer Gedenk-
44 Schreiben des »Denkmalkomitees« an stätte 1945-1955, Göttingen 2015.
»Council of the Four Great Powers«, 55 Vgl. Harold Marcuse: Legacies of Da-
7.2.1947, Staatsarchiv Amberg, OMGBY chau. The uses and abuses of a concentra-
9/82/2-15. tion camp, 1933-2001, Cambridge/New
45 Vgl. für einen Überblick Skriebeleit: Er- York 2001; ders.: Die Organisationen
innerungsort (Anm. 19), S. 97-160. der Überlebenden von Dachau. Ein Ab-
46 Vgl. Christian Höschler: Displaced Per- riss der Entwicklung von der Befreiung
sons (DPs) im Nachkriegseuropa: Über- des Konzentrationslagers bis Anfang der
blick und Forschung, in: ders. / Isabel 1970er Jahre, in: Doerry/Kubetzky/Sey-
Panek (Hg.): Zweierlei Suche. Fundstü- bold (Anm. 13), S. 159-174.
cke zu Displaced Persons in Arolsen 56 Vgl. Terminanfrage des Denkmalko-
nach 1945, Bad Arolsen 2019, S. 13-26. mitees v. 27.6.1947 sowie Telegramm
47 Protokoll 4.7.1946, AGFl, Protokoll- des Denkmalkomitees v. 6.9.1947 an
buch über die Besprechungen des den bayerischen Ministerpräsidenten,
»Denkmalkomitees«, 0000.0692, o. Pag. BayHStA, StK 13624, o. Pag; Schreiben, 48 Ebd. Terminanfragen und Abrechnungen an
49 Vgl. UNRRA Monthly Team Report zu den Staatskommissar für rassisch, re-
Weiden, Team 1045, 17.12.1946, UNA, ligiös und politisch Verfolgte, Philipp
PAG 4 3.0.11.3.1 S 424, Box 14, o. Pag., Auerbach, der persönlich zu Sitzun-
Kopie im AGFl, 2020.0014. Danach wa- gen nach Flossenbürg oder Weiden kam
ren Mitte Dezember 1946 1423 Perso- oder einen seiner Vertreter entsandte
nen im DP-Camp in Flossenbürg re- (vgl. Anm. 39). Andere Regierungsbe-
gistriert sowie 2005 polnische DPs im amte waren ebenfalls mit den Vorhaben
»Camp La Guardia« in Weiden. Dane- des Denkmalkomitees befasst und er-
ben lebten in Weiden noch weitere DPs, schienen zu Terminen vor Ort (vgl. z. B.
darunter viele Polinnen und Polen, im Schreiben aus dem Bayerischen Staats-
»Camp Pulaski« sowie außerhalb von ministerium der Finanzen v. 13.2.1947,
Camps in Privatwohnungen. BayHStA, Staatskommissar für rassisch, 50 Vgl. Bericht zur Finanzprüfung des Bay- religiös und politisch Verfolgte, Vorl.
er. Obersten Rechnungshofs, 25.2.1947, Nr. 27, o. Pag.).
BayHStA, ORH 1752, o. Pag. 57 Vgl. zu allen Personen die Angaben
51 Vgl. Protokoll 4.7.1946 (Anm. 47), in der Teildatenbank »Displaced Per-
o. Pag.; Datensatz Jan Dymitrowski, sons (DPs)«, AGFl, Memorial Archives
13.5.2021, Datenbank »Displaced Per- (Work in progress durch die Verf.).
sons (DPs)«, AGFl, Memorial Archives. Zu Robert Szyma vgl. Sarah Grandke:
52 Diploma for Honorary Membership, »[…] fühle sich gezwungen, die Men-
27.10.1947, BayHStA, LEA 44862, o. Pag. schen an die Gräueltaten zu erinnern« –
In den 1970er-Jahren wurde ihm vorge- Robert Szyma, Dachau-Überlebender
worfen, im KZ Groß-Rosen drei Mit- und DP-Geistlicher in Ebensee 1945/46,
häftlinge ermordet zu haben. Er soll in: betrifft widerstand (2021), Nr. 139,
dort zeitweise Blockältester gewesen Juli, S. 17-19.
64 SARAH GRANDKE
58 Vgl. die vielfältige Berichterstattung in 61 Vgl. z. B. Auskünfte und persönliche
polnischen DP-Zeitungen in Oberöster- Dokumente zu Jan Iwulski, ehemaliger
reich, darunter vor allem in Biuletyn In- Häftling u. a. des KZ Sachsenhausen, der
formacyjny Obozu O´srodka Polskiego zeitweise im DP-Camp in Weiden lebte
w Ebensee, Archive of Józef Pi¥sudski und sich auch in Flossenbürg engagierte,
Institute of America, New York, Archi- Privatbesitz Grzegorz Iwulski, Nowy
val Fonds 155, syg. 87. S ącz. 59 Douglas Deane, Area Director, and 62 Vgl. für einen Überblick Skriebeleit: Er-
J. Flannery, Field Operation, Subject: innerungsort (Anm. 19).
Flossenburg, 12.11.1946, UNA, PAG 4 63 Vgl. Mychajlo Marunchak: Ukraïns’ki
3.0.11.3.2 S 435, Box 4, File 15, o. Pag., politychni v’iazni v nacysts’kych kon-
Kopie im AGFl, 2020.0014. centracijnych taborach, Winnipeg, Ma-
60 Vgl. Interview mit Wojciech nitoba, 1996, S. 48 f., 228-232.
Truszczyński, geführt von Katarzyna 64 Vgl. dazu ausführlich Skriebeleit: Erin-
Mado ń-Mitzner, 12.7.2002, Mauthau- nerungsort (Anm. 19).
sen Survivor Documentation Project, 65 Jacobmeyer (Anm. 2), S. 51.
Mauthausen Memorial, OH ZP1 727; 66 Vgl. z. B. Entschädigungsakte Boles ¥aw
Piotr Filipkowski: »Du erinnerst dich B., Bayerisches Landesentschädigungs-
daran und hast wieder Angst, vor al- amt München (BLEA), EG 43574, sowie
lem in der Nacht.« Befreiung – Rück- Auskünfte und Privatbesitz Alicia B. und
kehr – Weiterleben: Aus den Berichten Roma C. zu Familie Boles¥aw B. bzw.
polnischer Häftlinge Mauthausens, in: Bronis¥aw W., Privatarchiv Sarah Grand-
Bogus¥aw Dyba / Irmgard Nöbauer / Jo- ke.
anna Ziemska (Hg.): »Unbeteiligte« und 67 Vgl. zum weiteren Leben in Deutschland
Betroffene. Aspekte der Wahrnehmung z. B. Entschädigungsakte Wladys¥aw S.,
der NS-Konzentrationslager während BLEA, BEG 13204 1F5, zum schwie-
des Zweiten Weltkriegs sowie nach rigen Start in der neuen Heimat z. B.
Kriegsende, Frankfurt am Main 2015, Entschädigungsakte Jan Dymitrowski,
S. 216-239, hier S. 234. BayHStA, LEA 44862.