Briefe an Ludwig Tieck, Erster Band

Karl von Holtei · Kapitel 102 von 166

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Briefe an Ludwig Tieck, Erster Band

Kapitel II

Ich hege die schöne Hoffnung, im nächsten Sommer Ihnen meine Verehrung persönlich bezeugen zu können: Herr von Lüttichau hatte bei meiner letzten Anwesenheit in Dresden die Güte mich und meine Frau zu einem Gastspiel aufzufordern, und ich habe in diesen Tagen angefragt, ob es während unserer Ferien — July und August — stattfinden könne. Mir schmeichelnd, mich mit der gewohnten Güte von Ihnen aufgenommen zu sehen, und hoffend, daß Sie mir wegen meiner Freiheit nicht zürnen, empfehle ich mich und meine Frau Ihrem Wohlwollen, und verbleibe mit der aufrichtigsten Verehrung

Euer Wohlgeboren

ganz ergebenster

Ed. Genast.

 

II.

 

Ohne Datum.

Hochverehrter Herr!

 

Ihre vor zwey Jahren mir bewiesene Güte giebt mir den Muth einen, seit länger Zeit schon gehegten Wunsch vor Ihnen auszusprechen. Ich war so glücklich mich Ihres Rathes bey dem Einstudiren des Wallensteins zu erfreuen. Was ich in dieser Rolle leiste haben Männer, deren Urtheil ich achte, zum Beyspiel Rochlitz, wenn auch noch nicht vollkommen, doch nicht mißlungen genannt. Meine Darstellung dieses Charakters auf der von Ihnen gegebenen Ansicht beruhend, von Ihnen selbst geprüft und beurtheilt zu wissen ist der Wunsch, den ich, nicht ohne die Furcht Ihnen lästig zu werden, Ihnen vortragen möchte: — Der Gesundheitszustand eines meiner beyden Kinder macht mir im Frühjahr dieses Jahres, in welchem ohnehin unser Theater wegen nöthiger Baureparaturen geschlossen wird, eine Reise nach Töplitz zur Pflicht, diese führt uns durch Dresden, wo wir auf jeden Fall uns einige Tage verweilen werden, um uns des Glückes Ihrer Nähe nach einer Entbehrung von 2 Jahren wiederum zu erfreuen, und wäre es den Verhältnißen Ihrer Bühne anpassend, so wünschten wir, meine Frau und ich auf derselben nur einige Gastrollen und unter diesen Wallenstein und Thekla vor Ihren Augen zu spielen.

Ich hoffe Verzeihung für mein Anliegen, auch wenn Sie es mir versagen, indem ich mich dankbar der Zeit erinnere, wo Sie mir vergönnten in Ihrem Familienzirkel die schönsten und genußreichsten Stunden meines Lebens zu verbringen. — Meine Frau empfiehlt sich Ihnen und den verehrten Ihrigen, und ich bin mit ausgezeichneter und wahrer Verehrung

Euer Wohlgeboren

ergebenster Ed. Genast.