Briefe an Ludwig Tieck, Erster Band

Karl von Holtei · Kapitel 13 von 166

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Briefe an Ludwig Tieck, Erster Band

Kapitel II

Ich sage da viel Durcheinander, und wer diesen Brief in Händen hielte und ihn so sinnlich läse, wie er dasteht, dem würde er keinen Bestand haben, wer aber heimlich lauscht und aufmerkt, und mir gut ist, der wird einen einzigen Ton darin hören der alle andre Töne zur Melodie verbindet.

Bettine.

 

II.

 

Ohne Datum.

Das Schicksal hat mirs heute gefügt, daß ich an Tieck schreibe, mein Herz hat an nichts weniger gedacht seit Jahren, doch hat vor Jahren mein Herz sich gefreut wenn ich dachte ich könnte ihm schreiben, doch hab ich ihm nie geschrieben weil ich dachte ich könnte ihm nichts schreiben was ihm werth wäre; und heute wo mein Brief nicht meine eigne sondern eine fremde Emfehlung enthält hab ich das Herz was ich vor Jahren da ichs noch deutlich fühlte daß ich eins habe, nicht hatte ihm einen Mann zu emfehlen der mir zwar nicht so am Herzen liegt, wie damals mein eignes Interesse mir am Herzen lag, welches Interesse Tieck selbst war, und ich nicht das Herz hatte Ihm selbst, ihm selbst zu emfehlen.

Dieser von mir herzhaft emfohlene Mann der gewiß ein Interesse verdient und hat, was mir mangelt, und nie gewährt wurde heist de Barante ist Gouverneur des Herzogs, reist um die Gesundheit herzustellen, um deutsche Städte und herrliche große Dichter kennen zu lernen, er ist hier im Schoos der Familie Savigny mit großer Theilnahme emfangen worden, wär ich hellsehend so würde ich alle Tugenden die mich instinktmässig dazu bewogen es zu wagen ihn einem Tieck dem ich mich nie selbst emfehlen konnte aufs dringendste zu emfehlen hersetzen.

Bettine von Arnim.

Ich bitte Dich guter freundlicher Freund sey wie ein Kind, gegen diesen Mann, dann brauchst Du keine Toilette zu machen und bist doch mit allen Reitzen versehen, die eine gediegne Coquetterie Dir nur gewähren kann.