Briefe an Ludwig Tieck, Erster Band

Karl von Holtei · Kapitel 56 von 166

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Briefe an Ludwig Tieck, Erster Band

Kapitel IV

Die Ueberbringer dieses, — mein Vetter, der junge Graf Pourtales-Gorgier und sein Führer, Herr Godet, beide aus Neuchatel — wollen die Universitäts-Ferien benutzen, um Dresden’s Kunst-Schätze und Umgebungen kennen zu lernen. — Nehmen Sie, werther Herr Hofrath! dieselben um meinetwillen gütig auf. — Hr. Godet ist ein sehr gebildeter Mann und der Deutschen Sprache mächtig.

Bevorstehenden Sommer hoffe ich nach Seifersdorff, folglich auch nach Dresden zu kommen, un freue mich schon im Voraus recht herzlich darauf, Sie und alle Ihre lieben Hausgenossen wieder zu sehen.

Seitdem wir uns nicht gesehen haben, war ich unbeschreiblich leidend, und habe mehreremale an meinem Leben verzweifelt. Seit 5 Wochen habe ich aber der Fahne der Homöopathie geschworen, und fühle daher schon meinen Krankheitsstoff bedeutend erleichtert; der Himmel gebe seinen Seegen weiter. — Wer so hoffnungslos — als ich im Laufe verflossenen Winters — war, fühlt sich durch jede kleine Hoffnung schon beglückt.

Empfehlen Sie mich, werther Herr Hofrath! Ihrer lieben Familie und der Gräfin Finkenstein auf das Angelegentlichste, und halten Sie sich meiner unwandelbaren Hochachtung und freundschaftlichsten Ergebenheit fest überzeugt.

Brühl.

 

IV.

 

Berlin, 9. July 1835.

 

Ew. Hochwohlgebohren

wünscht der Ueberbringer, Hr. Peters Großherzoglich Meklenburgscher Hof Schauspieler, — durch mich empfohlen zu seyn, und so sehr ich im allgemeinen Empfehlungen scheue, so will ich Sie doch bitten, werther Herr Hofrath den Mann quaestionis gütig aufzunehmen. Er hat ein bedeutendes Talent, und es thut mir nur leid, daß die ihm in Dresden zugestandenen Rollen sich nur im Kreise der niederen Komik bewegen, wo er zuweilen ein wenig durchgeht. — Ich halte ihn für ein höheres Fach außerordentlich brauchbar. — So habe ich zum Beyspiel den Wachtmeister in Wallensteins Lager nie besser spielen sehen als durch ihn. Wenn Sie ihm zu einer Rolle dieser Art verhelfen wollen, so werden Sie gewiß mit ihm zufrieden seyn. Er ist auch Sänger, das heißt er hat eine sehr angenehme Stimme, aber keine bedeutende Kunstbildung. Nun Sie werden ja sehen, was Sie mit ihm anfangen können.