Briefe an Ludwig Tieck, Erster Band
Kapitel II
Alle Ihren hiesigen Freunde sind wohl und grüßen so wie mein Bruder und Bertram aufs schönste und freundlichste. Laßen Sie mich meine Unart des Stillschweigens nicht entgelten. — Laßen Sie bald gutes und angenehmes von sich hören und sagen Sie mir Ihre Meynung von dem jüngsten Gericht von Eyck, welches von Paris nach Berlin gekommen, und ein Eigenthum der Stadt Danzig ist. Einige halten das Bild nicht von Eyck, sondern von einem Schüler deßelben Ouwater genannt. Es soll die Jahreszahl und ein E auf einem Leichenstein stehen, könnten Sie diese zu Ihren Bemerkungen beifügen, so würden Sie mich sehr verbinden. Ich werde von nun an gewiß schneller und kürzer antworten.
Unveränderlich Ihr Freund
Sulpitz Boisserée .
N. S. Die Frau V. der Horst heist seit dem Frühjahr Fr. Professorin Schelver.
II.
Stuttgart, 18. Decbr. 1819.
Wohlgeborener
Hochzuverehrender Herr!
Euer Wohlgeboren erlauben mir, Ihnen die Anzeige des mit Anfang künftigen Jahrs erscheinenden Kunstblatts hierbey zu übersenden und dasselbe Ihrer gütigen Theilnahme zu empfehlen. Wir wünschen das Beste der Kunst wesentlich zu fördern, und würden uns desshalb glücklich schätzen, von einem unsrer ersten Schriftsteller, der so lebendig auch auf die Kunst gewirkt hat, durch Beyträge unterstützt zu werden. Indem ich Sie darum angelegentlichst bitte, verharre ich mit vollkommenster Hochachtung.
Euer Wohlgeboren
gehorsamster Diener
Dr. Schorn.
Verehrtester Freund.
Ich kann mirs nicht versagen, diesem Briefe ein paar flüchtige Zeilen beizufügen und Ihnen Dr. S. als einen sinnigen KunstFreund zu empfehlen, den ich seit mehreren Jahren freundschaftlich kenne, und nun Hr. v. Cotta zum Redacteur des neuen Kunstblatts vorgeschlagen habe. Ich weiß wohl, es ist ein gewagter Versuch mit einem periodischen Blatt über Kunst, wenn man darin einen edelen würdigen Geist erhalten will. — Indeß hoffe ich die Zeitungs Form wird durch das Interesse historischer Notizen von allen Kunst Ergebnissen — in äußerer Rücksicht — sichern, und was das innere und wesentliche betrift, so bin ich überzeugt, daß dies immer bedeutend und höchst würksam bleiben wird, wenn man auf die Theilnahme von Männern, wie Sie, rechnen kann. Denn der Raum, der für beurtheilende Aufsätze und Abhandlungen über allgemeine Gegenstände übrig bleibt, ist, ohne im einzeln zu sehr zu beschränken, im Ganzen doch so klein, daß man ohne unbescheidene Ansprüche an solche Theilnahme zu machen, hoffen darf ihn gröstentheils von ihnen benuzt zu sehen.