Briefe an Ludwig Tieck, Erster Band
Kapitel II
Der nach Mainz versetzte Hallwachs ist mein Doppeltgänger, nämlich mein Bruder. (Diese Jean Paulische Phrase nebst Parenthese gebrauche ich zu Ihrer Strafe, weil der Argwohn wegen Ihres Durchschleichens nach B. mir zum voraus nicht zu beseitigen zu seyn scheint.)
Rehbergs Tod ist Ihnen bekannt; er soll in der letzten Zeit noch viel gelitten haben. Mein Schwager Höpfner kam zufällig zu seinem Tode und hat ihn nicht mehr gesehen. Die Rehberg wird wahrscheinlich in der Nähe von Hannover, bei dem Stift Marienwerder, ihren Wohnsitz nehmen. Ein anderer Schwager von mir (der seine Familie in betrübteren Verhältnissen zurückläßt, als Rehberg die seinige) starb auch in diesen Tagen, und die Frau meines Bruders in Mainz liegt zu Frankfurt tödtlich krank, was uns alles vielen Kummer bereitet.
Heumann ist wohl zurück; ein Bayer ist er längst, jedoch nicht durch Verbauern, sondern durch Verprinzeln.
Er grüßt Sie herzlichst, wie wir alle, sammt und sonders, und alle bitten wir Sie, der Frau Gräfin unsere innige Verehrung auszudrücken und unsere Freude, daß sie mit Ihnen komme.
Nun noch eine Frage; Ihre Freunde haben sich hier eher vermehrt, als vermindert. Wäre es Ihnen recht, wenn sich dieselben, in ähnlicher Weise wie damals, als Sie zum erstenmal bei uns waren, bei einem Mittagessen auf dem bekannten Karlshofe, um Sie versammelten? Oder wollen Sie nichts dergleichen? Schreiben Sie mir solches aufrichtig und womöglich den Tag Ihrer Ankunft, damit wir hübsch zu Hause bleiben und am Tage des Dichters nicht fortlaufen.
Herzlichst
Ihr
W. Hallwachs .
II.
Darmstadt, d. 2. Juli 1841.
Verehrtester Freund!