Briefe an Ludwig Tieck, Erster Band
Kapitel II
Eduard Devrient.
II.
Berlin, d. 4. Novbr. 1835.
Sehr geehrter Herr Hofrath!
Seitdem wir im vergangenen Winter zu unsrer und unsrer Freunde größten Freude, in meinem Hause Ihr Rothkäppchen aufgeführt hatten, beschäftigte mich der Plan, eines Ihrer größeren Stücke für die Bühne zu gewinnen. Der Blaubart erschien mir zunächst dafür geeignet und ich habe mich nun fast ein Jahr lang damit umhergetragen: die Auskunftsmittel zu finden, welche nöthig wären, um, der Form nach, dies vortreffliche Gedicht der jetzigen Bühne anzueignen. Immermann hat mir indeß freilich den Vortritt in dieser Herzensangelegenheit genommen, aber seine Aufführung, über welche ich genaue Erkundigung eingezogen, hat mich noch mehr in meiner Ansicht von der Weise bestärkt, in welcher man zunächst das Stück dem heutigen Theater und Publikum anzubieten hätte. Nun habe ich meinen Versuch mit einer Einrichtung des Gedichtes gemacht, habe es Ihrem Freunde, dem Prof. v. Raumer vorgelegt, welcher mir das Zeugniß gegeben, daß durch meine Hand an dem Werke nichts verstümmelt worden, daß mein Zusammendrängen und Sammeln der Handlung nur an der Form verändert habe. So trete ich denn, beschirmt von diesem Zeugniße, vor Sie hin, verehrter Mann, und bitte um die Erlaubniß: Ihr Gedicht, mit meiner scenischen Einrichtung auf die Bühne bringen zu dürfen.