Briefe an Ludwig Tieck, Erster Band

Karl von Holtei · Kapitel 111 von 166

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Briefe an Ludwig Tieck, Erster Band

Goethe.

 

I.

 

(Ohne Datum.)

Ich war in einiger Verlegenheit was ich Ihnen, werther Herr Tiek, auf Ihre Anfrage zu antworten hätte. Indessen ist Herr Frommann bey mir gewesen, ich habe ihm aufrichtig und weitläufig meine Meynung gesagt und ziehe mich nunmehr deshalb ins Kurze zusammen.

Ich würde Ihnen niemals rathen eine Stelle anzunehmen, die so viel routinirte

Gewandheit erfordert, wenn man sie mit einer gewissen Aisance begleiten[12] und nicht sein Leben darüber aufopfern will. Doch übernimmt die Jugend wohl manches in Hoffnung durchzukommen und nach einigen Prüfungsjahren zu einem erwünschten Genuß zu gelangen. Durchaus abrathen kann ich also auch nicht.

Was eine Empfehlung betrifft so darf ich damit wohl nicht hervortreten, weil ich, auf verschiedene an mich geschehene Anträge, verweigert habe an jenem Geschäft irgend einigen Antheil zu nehmen. Sollten Sie zu jenem Platz gelangen und ich kann Ihnen alsdann mit etwas dienen; so werde ich es mit Vergnügen thun. Ihren Herrn Bruder hoffen wir hier bald wieder zu sehen und beim Schloßbau zu beschäftigen.

Goethe .

 

II.

 

Weimar, den 2t. Januar 1824.

 

Ew. Wohlgeb.

Haben mich mit Ihrem werthen vertraulichen Briefe gar sehr erfreut, wogegen ich den empfohlnen wackern Mann freundlich aufgenommen, und, obgleich nur kurze Zeit, mich mit ihm gern unterhalten habe. Ein Jeder den Sie mir senden soll mir gleicherweise lieb seyn.