Briefe an Ludwig Tieck, Erster Band
Kapitel X
Meine Frau grüßt Sie und Ihre liebe Frau sehr herzlich, und freut sich unendlich auf Ihre Bekanntschaft, Ihre Schwägerin, die Ernst und Dora Stok bitte ich von mir bestens zu grüßen; ich versetze mich oft in den Zirkel meiner geliebten Freunde. — Ueber Jean Paul, der hier hauset, hätte ich Ihnen noch manches närrische zu schreiben; aber er verliert nachgerade das Intressante, und die Post eilt; Leben Sie wohl, theurer bester Freund; Habe ich zur Oster-Messe vielleicht Hoffnung, Sie in Leipzig zu sehen? Auf immer
Ihr
Carl .
Die Manuscpt. darf ich mir wohl zurück erbitten.
X.
Weissenfels, d. 6ten May 1802.
Ihren Brief, mein theurer Freund, fand ich bey der Zurükkunft von einer kleinen Reise, und eile Ihnen nur sobald als möglich zu antworten; — die verlangten Papiere müssen nun schon in Ihren Händen seyn, da ich selbige noch den Tag vor meiner Abreise auf die Post gab. — Die Lehrlinge will ich noch soviel als möglich suchen; ich zweifle aber sehr an dem Finden; da ich schon mehrmals vergeblich gesucht habe; unbegreiflich ist mir es, wo sie hin sind; da ich noch den Tag nach seinem Heimgang Alles unter meinen Beschluß nahm; eine einzige Möglichkeit wäre noch, daß sie Julie hätte, diese sehe ich zur Messe; dann kann ich Ihnen Nachricht geben. — Daß ich den wärmsten Antheil an Ihrem Schicksal nehme, das, lieber Tiek, brauche ich Ihnen wohl nicht zu versichern; Sie sind einer der geliebtesten Freunde meines Herzens; und ich habe verlohren genug, um zu fühlen, wie der Verlust geliebter Menschen schmerzt; Aber kann der arme Mensch mehr geben als Theilnahme? — doch ich muß schließen. In Leipzig sehe ich Sie gewiß; den 17ten bin ich auf mehre Tage dort, und im Hotel de Saxe zu erfragen. — Fr. Schl. muß vor wenig Tagen einen Brief von mir erhalten haben. — Auf den Sonntag sehe ich Ritter in Schlöben; die Mnscpt. die Sie jetzt haben, wollte ich ihm blos zum Ansehen geben, da er mich sehr darum bat. — Dienstag Abend als den 11ten bin ich wieder hier und erwarte Fr. Schl. — Grüßen Sie Alles; meine Frau grüßt Sie beyde herzlich; — Auf ewig