Briefe an Ludwig Tieck, Erster Band
Kapitel III
Wir schwiegen, weil wir mit Ihnen fühlten.
Ja, kommen Sie doch endlich. Wir harren schon lange. Und wenn es Ihnen und den Ihrigen in meiner kinderreichen Wohnung nicht zu lärmend und unbequem ist, so erfüllen Sie unsere freudige Hoffnung und kehren alle bei uns ein.
Da Sie Montags nach Baden zurückkommen, so schreibe ich dahin. Wenn ich bis Mittwoch den 7. nichts Weiteres von Ihnen höre, nehme ich an, daß dieses Blatt Sie nicht in Baden getroffen, und schreibe nochmals poste restante nach Heidelberg. Findet solches aber Sie zur rechten Zeit, so laßen Sie am 5. oder 6ten eine weitere Zeile an mich abgehen und sagen Sie mir kurz, daß und wann Sie zu uns kommen, auch ob die Damen ihre Bedienung ganz nahe bei sich haben müßen, so wie überhaupt, welche Bequemlichkeiten Sie etwa besonders wünschen. Und wenn nicht Sie, so schreibt vielleicht die verehrteste Gräfin darüber an meine Frau, oder Ihre liebe Tochter Agnes an meine Tochter Auguste.
Heumann befindet sich zu Brückenau. Die liebe Rehberg reist am 7. von Hannover ab und hofft am 14. hier einzutreffen.
Mehrere Ihnen befreundete Seelen finden Sie nicht mehr hier.
Alle die noch leben und in unserer Mitte sind grüßen Sie und winken Ihnen mit klopfenden Herzen.
Unwandelbar
der Ihrige
Hallwachs.
N. S. Ihr lieber Brief traf mich in der Frühe, mitten in meiner Familie, an meinem Geburtstage und krönte die Geschenke, welche auf dem Tische für mich ausgebreitet lagen.
III.
Darmstadt, d. 27. Sept. 1842.
Verehrtester Freund!
Der wahrscheinliche Ueberbringer dieses Blattes ist der Landgerichts-Präsident Bessel von Saarbrücken, welcher sich auf seiner Reise nach Berlin einige Stunden bei uns aufgehalten hat, und den wir gebeten haben, sich womöglich von Ihrem Befinden persönlich zu überzeugen, da, nach so vielen guten Nachrichten, plötzlich eine von einem Ihnen zugestoßenen Unwohlseyn in die Zeitungen übergegangen ist.
Alle Getreuen in D. grüßen Sie herzlichst und laßen Ihnen sagen, wie sie an allem, was man von Ihnen hört und liest, mit Freude und Sehnsucht und Bangen, mit vollstem Herzen hängen.
Laßen Sie mich noch mit unseren herzlichen Glückwünschen zur Verlobung, vielleicht jetzo schon Vermählung, Ihrer lieben Tochter Agnes die Nachricht verbinden, daß meine Auguste deren Beispiel schnell gefolgt ist und sich mit einem hiesigen braven Officier, der zugleich militärischer Schriftsteller ist, Oberlieutnant Scholl, versprochen hat. Wollen wir nicht etwa beide Hochzeiten zusammen auf dem Heidelberger Schloß feiern?
Aber ach! der König wird Sie uns nun auf immer entrissen haben!
Möchten Sie doch, indem Sie diese Zeilen fassen, ganz wohl seyn, und unter den innigsten Begrüßungen der Ihrigen, mit ganz heiterem Auge zugleich die erneuerte Zusage unserer frischesten Liebe und Verehrung aufnehmen.
W. Hallwachs .