Venetianische Epigramme

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 13 von 44

PDF-Seiten

Venetianische Epigramme

Kapitel XLIII

"Ach! mit diesen Seelen, was macht er? Jesus Maria! Bündelchen Wäsche sind das, wie man zum Brunnen sie trägt. Wahrlich, sie fällt! Ich halt' es nicht aus! Komm, gehn wir! Wie zierlich! Sieh nur, wie steht sie! wie leicht! Alles mit Lächeln und Lust!" Altes Weib, du bewunderst mit Recht Bettinen; du scheinst mir Jünger zu werden und schön, da dich mein Liebling erfreut.

 

XLIV.

Alles seh' ich so gerne von dir; doch seh' ich am liebsten, Wenn der Vater behend über dich selber dich wirft, Du dich im Schwung überschlägst und, nach dem tödtlichen Sprunge, Wieder stehest und läufst, eben ob nichts wär' geschehn.

 

XLV.

Schon entrunzelt sich jedes Gesicht; die Furchen der Mühe, Sorgen und Armuth fliehn, Glückliche glaubt man zu sehn. Dir erweicht sich der Schiffer, und klopft dir die Wange; der Seckel Thut sich dir kärglich zwar, aber er thut sich doch auf, Und der Bewohner Venedigs entfaltet den Mantel, und reicht dir, Eben als flehtest du laut bey den Mirakeln Antons, Bey des Herrn fünf Wunden, dem Herzen der seligsten Jungfrau, Bey der feurigen Qual, welche die Seelen durchfegt. Jeder kleine Knabe, der Schiffer, der Höke, der Bettler Drängt sich, und freut sich bey dir, daß er ein Kind ist, wie du.

 

XLVI.

Dichten ist ein lustig Metier; nur find' ich es theuer: