Venetianische Epigramme
Kapitel IX
Recht so! Zwischen der Wieg' und dem Sarg wir schwanken und schweben Auf dem großen Kanal sorglos durch's Leben dahin.
IX.
Feyerlich sehn wir neben dem Doge den Nuncius gehen; Sie begraben den Herrn, einer versiegelt den Stein. Was der Doge sich denkt, ich weiß es nicht; aber der Andre Lächelt über den Ernst dieses Gepränges gewiß.
X.
Warum treibt sich das Volk so, und schreit? Es will sich ernähren, Kinder zeugen, und die nähren, so gut es vermag. Merke dir, Reisender, das, und thue zu Hause desgleichen! Weiter bringt es kein Mensch, stell' er sich, wie er auch will.
XI.
Wie sie klingeln, die Pfaffen! Wie angelegen sie's machen, Daß man komme, nur ja plappre, wie gestern so heut! Scheltet mir nicht die Pfaffen: sie kennen des Menschen Bedürfniß! Denn wie ist er beglückt, plappert er morgen wie heut!
XII.
Mache der Schwärmer sich Schüler, wie Sand am Meere - der Sand ist Sand, die Perle sey mein, du, o vernünftiger Freund!