Venetianische Epigramme
Kapitel I
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Johann Wolfgang Goethe
Venetianische Epigramme
1795
I-CIII Von Goethe veröffentliche Epigramme (Text der zweiten Cotta-Ausgabe der "Werke" von 1815)
CIV-CLIV
Nachgelassene Epigramme (nach der Sophien-Ausgabe von 1914)
CLV-CLXXXI
Entwürfe und Notizen (nach der Sophien-Ausgabe von 1914)
<>: die spitzen Klammern enthalten unsichere Lesarten und Konjekturen
I.
Sarkophagen und Urnen verzierte der Heide mit Leben. Faunen tanzen umher, mit der Bacchantinnen Chor Machen sie bunte Reihe; der ziegengefüßete Pausback Zwingt den heiseren Ton wild aus dem schmetternden Horn. Cymbeln, Trommeln erklingen; wir sehen und hören den Marmor. Flatternde Vögel! wie schmeckt herrlich dem Schnabel die Frucht! Euch verscheuchet kein Lärm, noch weniger scheucht er den Amor, Der in dem bunten Gewühl erst sich der Fackel erfreut. So überwältiget Fülle den Tod; und die Asche da drinnen Scheint, im stillen Bezirk, noch sich des Lebens zu freun. So umgebe denn spät den Sarkophagen des Dichters Diese Rolle, von ihm reichlich mit Leben geschmückt.