Venetianische Epigramme

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 24 von 44

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Venetianische Epigramme

Kapitel XCIII

Götter, wie soll ich euch danken! Ihr habt mir Alles gegeben, Was der Mensch sich erfleht; nur in der Regel fast nichts.

 

XCIV.

In der Dämmerung des Morgens den höchsten Gipfel erklimmen, Frühe den Botes des Tags grüßen, dich, freundlichen Stern! Ungeduldig die Blicke der Himmelsfürstinn erwarten, Wonne des Jünglings, wie oft locktest du Nachts mich heraus! Nun erscheint ihr mir, Boten des Tags, ihr himmlischen Augen Meiner Geliebten, und stets kommt mir die Sonne zu früh.

 

XCV.

Du erstaunest, und zeigst mir das Meer; es scheinet zu brennen. Wie bewegt sich die Fluth flammend um's nächtliche Schiff! Mich verwundert es nicht, das Meer gebar Aphroditen, Und entsprang nicht aus ihr uns eine Flamme, der Sohn?

 

XCVI.

Glänzen sah ich das Meer, und blinken die liebliche Welle; Frisch mit günstigem Wind zogen die Segel dahin. Keine Sehnsucht fühlte mein Herz; es wendete rückwärts, Nach dem Schnee des Gebirgs, bald sich der schmachtende Blick. Südwärts liegen der Schätze, wie viel! Doch einer im Norden Zieht, ein großer Magnet, unwiderstehlich zurück.