Venetianische Epigramme
Kapitel XIII
Süß den sprossenden Klee mit weichlichen Füßen im Frühling, Und die Wolle des Lamms tasten mit zärtlicher Hand; Süß voll Blüthen zu sehn die neulebendigen Zweige, Dann das grünende Laub locken mit sehnendem Blick. Aber süßer, mit Blumen dem Busen der Schäferinn schmeicheln; Und dies vielfache Glück läßt mich entbehren der May.
XIV.
Diesem Ambos vergleich' ich das Land, den Hammer dem Herrscher: Unter dem Volke das Blech, das in der Mitte sich krümmt. Wehe dem armen Blech! wenn nur willkürliche Schläge Ungewiß treffen, und nie fertig der Kessel erscheint.
XV.
Schüler macht sich der Schwärmer genug, und rühret die Menge, Wenn der vernünftige Mann einzelne Liebende zählt. Wunderthätige Bilder sind meist nur schlechte Gemählde: Werke des Geist's und der Kunst sind für den Pöbel nicht da.
XVI.
Mache zum Herrscher sich der, der seinen Vortheil verstehet: Doch wir wählten uns den, der sich auf unsern versteht.
XVII.