Venetianische Epigramme
Kapitel CXLI
Thun wir etwas! Sagte die Schönste, sie setzte die Tasse Nieder, ich fühlte sogleich ihre geschäftige Hand. Sacht ergriff ich und hielte sie fest; da streckte die zweyte Zierliche Fingerchen aus und ich verwehrt es auch ihr. Ach! es ist ein Fremder! so riefen sie beyde; sie scherzten Baten Geschencke sich aus, die ich doch sparsam verlieh. Drauf bezeichneten sie mir die entferntere Wohnung Und zu dem wärmeren Spiel spätere Stunden der Nacht. Kannten diese Geschöpfe sogleich den Fremden am Weigern, O so wißt ihr warum blaß der Venetier schleicht.
CXLI.
Gieb mir statt "Der <Schwanz>" ein ander Wort o Priapus Denn ich Deutscher ich bin übel als Dichter geplagt. Griechisch nennt ich dich Phallos, das klänge doch prächtig den Ohren, Und lateinisch ist auch Mentula leidlich ein Wort. Mentula käme von Mens, der <Schwanz> ist etwas von hinten, Und nach hinten war mir niemals ein froher Genuß.
CXLII.
Camper der iüngere trug in Rom die Lehre des Vaters Von den Thieren uns vor wie die Natur sie erschuf, Bäuche nahm und gab, dann Hälse, Pfoten und Schwänze. Alles gebrochenes Deutsch so wie geerbter Begriff. Endlich sagt' er: "Vierfüßiges Thier wir haben's vollendet Und es bleibet uns nur, Freunde, das Vöglen zurück!" Armer Camper du hast ihn gebüst den Irrthum der Sprache, Denn acht Tage darnach lagst du und schlucktest Merkur.
CXLIII.