Venetianische Epigramme

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 21 von 44

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Venetianische Epigramme

Kapitel LXXX

Habt ihr einmal das Kreuz von Holze tüchtig gezimmert, Passt ein lebendiger Leib freylich zur Strafe daran.

 

LXXX.

Wenn auf beschwerlichen Reisen ein Jüngling zur Liebsten sich windet, Hab' er dies Büchlein; es ist reizend und tröstlich zugleich. Und erwartet dereinst ein Mädchen den Liebsten, sie halte Dieses Büchlein, und nur, kommt er, so werfe sie's weg.

 

LXXXI.

Gleich den Winken des Mädchens, des eilenden, welche verstohlen Im Vorbeygehn nur freundlich mir streifet den Arm, So vergönnt, ihr Musen, dem Reisenden kleine Gedichte: O, behaltet dem Freund größere Gunst noch bevor!

 

LXXXII.

Wenn, in Wolken und Dünste verhüllt, die Sonne nur trübe Stunden sendet; wie still wandeln die Pfade wir fort! Dränget Regen den Wandrer! wie ist uns des ländlichen Daches Schirm willkommen! Wie sanft ruht sich's in stürmischer Nacht! Aber die Göttinn kehret zurück! Schnell scheuche die Nebel Von der Stirne hinweg! Gleiche der Mutter Natur!

 

LXXXIII.

Willst du mit reinem Gefühl der Liebe Freuden genießen, O, laß Frechheit und Ernst ferne vom Herzen dir seyn.