Venetianische Epigramme
Kapitel XCVII
Ach! mein Mädchen verreis't! Sie steigt zu Schiffe! - Mein König, Aeolus! mächtiger Fürst! halte die Stürme zurück! Thörichter! ruft mir der Gott: befürchte nicht wüthende Stürme: Fürchte den Hauch, wenn sanft Amor die Flügel bewegt!
XCVIII.
Arm und kleiderlos war, als ich sie geworben, das Mädchen; Damals gefiel sie mir nackt, wie sie mir jetzt noch gefällt.
XCIX.
Oftmals hab' ich geirrt, und habe mich wieder gefunden, Aber glücklicher nie; nun ist dies Mädchen mein Glück! Ist auch dieses ein Irrthum, so schont mich, ihr klügeren Götter, Und benehmt mir ihn erst drüben am kalten Gestad.
C.
Traurig, Midas, war dein Geschick: in bebenden Händen Fühltest du, hungriger Greis, schwere verwandelte Kost. Mir, im ähnlichen Fall, geht's lust'ger; denn was ich berühre, Wird mir unter der Hand gleich ein behendes Gedicht. Holde Musen, ich sträube mich nicht; nur daß ihr mein Liebchen, Drück' ich es fest an die Brust, nicht mir zum Mährchen verkehrt?
CI.