Venetianische Epigramme

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 18 von 44

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Venetianische Epigramme

Kapitel LXVII

Längst schon hätt' ich euch gern von jenen Thierchen gesprochen, Die so zierlich und schnell fahren dahin und daher. Schlängelchen scheinen sie gleich, doch viergefüßet; sie laufen, Kriechen und schleichen, und leicht schleppen die Schwänzchen sie nach. Seht, hier sind sie! und hier! Nun sind sie verschwunden! Wo sind sie? Welche Ritze, welch Kraut nahm die Entfliehenden auf? Wollt ihr mir's künftig erlauben, so nenn' ich die Thierchen Lacerten; Denn ich brauche sie noch oft als gefälliges Bild.

 

LXVIII.

Wer Lacerten gesehn, der kann sich die zierlichen Mädchen Denken, die über den Platz fahren dahin und daher. Schnell und beweglich sind sie, und gleiten, stehen und schwatzen, Und es rauscht das Gewand hinter den Eilenden drein. Sieh, hier ist sie! und hier! Verlierst du sie einmal, so suchst du Sie vergebens; so bald kommt sie nicht wieder hervor. Wenn du aber die Winkel nicht scheust, nicht Gäßchen und Treppchen, Folg' ihr, wie sie dich lockt, in die Spelunke hinein!

 

LXIX.

Was Spelunke nun sey, verlangt ihr zu wissen? Da wird ja Fast zum Lexikon dies epigrammatische Buch.

Dunkele Häuser sind's in engen Gäßchen; zum Kaffee Führt dich die Schöne, und sie zeigt sich geschäftig, nicht du.