Venetianische Epigramme

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 28 von 44

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Venetianische Epigramme

Kapitel CVIII

Krebse mit nacktem Hintern, die leere Muscheln sich suchten, Sie bewohnen und sie wähnen ihr eigenes Haus, Sind mir seltne Geschöpfe, sie sind so klug als bedürftig; Manches kam mir in Sinn, als ich am Ufer sie sah. Christ und Mensch ist eins! Sagt Lavater! Richtig! Die Christen Decken die nackende Schaam weislich mit Menschenvernunft.

 

CIX.

In ein Puppenspiel hatt' ich mich Knabe verliebet, Lange zog es mich an biß ich es endlich zerschlug. So griff Lavater iung nach der gekreuzigten Puppe. Herz' er betrogen sie noch wenn ihm der Athem entgeht!

 

CX.

G u t e n schreibt er, das glaub ich, die Menschen müssen wohl gut seyn Die das alberne Zeug lesen und glauben an ihn.

W e i s e n denckt er zu schreiben, die Weisen mag ich nicht kennen: Ist das Weisheit, bey Gott, bin ich mit Freuden ein Thor.

 

CXI.

Dich betrügt der Staatsmann, der Pfaffe, der Lehrer der Sitten, Und dieß Kleeblatt wie tief betest du Pöbel es an. Leider läßt sich noch kaum was rechtes denken und sagen Das nicht grimmig den Staat, Götter und Sitten verlezt.